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EM 2016
Platini: Frankreich besser gerüstet als 1998

Platini überreicht erste Tickets
Platini überreicht erste Tickets FOTO: afp, pk/AG
Uefa-Boss Michel Platini erschien am Mittwoch, ein Jahr vor dem Auftakt der EM 2016 in seinem Heimatland Frankreich, höchstpersönlich zur Pressekonferenz in Paris.

Die symbolische Übergabe der ersten Eintrittskarte an Staatspräsident Francois Hollande hat in Frankreich den Countdown für die EM 2016 (10. Juni bis 10. Juli) eingeläutet. "Die WM 1998 in unserem Land ist durch unsere Mannschaft und ihren Titelgewinn zu einem Fest geworden. 2016 wird es noch schöner, weil auch die Organisation und die Stadien besser sind", sagte der französische Uefa-Chef Michel Platini der Grande Nation nach seiner Visite bei Hollande im Elysee-Palast und versprach ein neuerliches Spektakel in ihrem Land.

Noch allerdings scheint sich die Euphorie der Franzosen ein Jahr vor dem Startschuss der EM 2016 in Grenzen zu halten. Von den 371.000 Vorbestellungen vor Beginn des Internetvorverkaufs von zunächst einer Million Tickets am Mittwochvormittag kam über die Hälfte der Anfragen aus dem Ausland.

Spätestens mit dem Anpfiff zur ersten Endrunde mit 24 Mannschaften in der 55-jährigen EM-Historie allerdings soll von den Ereignissen in den zehn hochmodernen EM-Arenen ein Rausch für die Gastgeber-Nation ausgehen. "Frankreich kann froh sein, dass durch die EM so viele schöne Arenen entstanden sind", meinte Platini im mondänen Pavillon Gabriel auf den Champs-Elysees.

Auf dem Papier entsteht den EM-Organisatoren jedoch auch erst einmal ein Minus von rund einer halben Milliarde Euro. Kosten von 1,65 Milliarden Euro vor allem für Bau und Modernisierung der Arenen stehen ohne den Erlös aus dem Verkauf der 2,5 Millionen Tickets erwartete Einnahmen für die französische Wirtschaft in Höhe von 1,134 Milliarden Euro gegenüber.

"Die Kosten für die Stadien", erläuterte Organisationschef Jacques Lambert die Kalkulationen der EM-Macher, "rechnen sich aber über einen Zeitraum von 30, 40 Jahren." In Frankreichs Staatskasse fließen durch das zweite EM-Spektakel im Land nach 1984, zu dem rund eine Million Besucher aus dem Ausland erwartet werden, alleine durch die Mehrwertsteuer 178 Millionen Euro.

Platini und Lambert bestätigten außerdem ein Novum: Erstmals in der Turniergeschichte zahlt die Europäische Fußball-Union (Uefa) 2016 Miete für die Nutzung von Stadien für EM-Spiele. Laut offizieller Angaben sind in den 51,5 Millionen Euro Organisations-Zuschusss der Uefa für Frankreichs Verband FFF 21,0 Millionen Euro als Miete für die zehn Arenen vorgesehen. Weitere 20 Millionen aus den Uefa-Mitteln fließen beim französischen Verband FFF in langfristige Nachwuchsprojekte.

Die Jugend ebenso wie schon reiferes Publikum aktiv ansprechen wollen Frankreichs EM-Macher 24 Stunden vor dem EM-Auftakt: Auf dem Marsfeld vor dem weltberühmten Eiffelturm heizt der französische Superstar David Guetta, der als "Musik-Botschafter" auch die Hymne des EM-Turniers komponieren wird, voraussichtlich Zehntausenden von EM-Touristen ein. Und am gleichen Tag treffen Frankreichs Europameister von 2000 in einer nostalgischen Revanche für das EM-Finale 16 Jahre zuvor in Rotterdam auf Italiens Altstars.

Die EM-Ausweitung auf 24 Teilnehmer bezeichnete Platini nochmals als gerechtfertigt. "Der Fußball in Europa ist näher zusammengerückt, und es gibt viel mehr Länder als früher. Deswegen sind 24 Mannschaften das richtige Format", sagte der 59 Jahre alte Kapitän der französischen Europameister-Mannschaft von 1984.

Die ausländischen Besucher sollen Frankreich von seiner besten Seite erleben. Den 23 ausländischen Mannschaften stehen 68 angebotene Unterkünfte im ganzen Land als Stammquartiere zur Verfügung. Für die Anhänger richten alle zehn EM-Städte und womöglich noch weitere Orte offizielle Fan-Zonen ein.

Für Platini kein Thema war bei der Präsentation der Pläne für sein "Heimspiel" als Uefa-Boss die Lage beim krisengeschüttelten Weltverband Fifa. Lediglich Staatschef Hollande weihte die Ikone des französischen Fußballs in ihre persönlichen Fifa-Pläne ein. "Der Präsident hat mich gefragt, ob ich bei der Fifa für das Amt des Präsidenten kandidieren möchte, und ich habe ihm eine Antwort gegeben", sagte Platini. Im Gegensatz zu Hollande waren Medienvertretern am Mittwoch keine Fragen zur Fifa gestattet...

(sid)
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