| 18.36 Uhr

3:0-Erfolg gegen die Türkei
Spanien fängt endlich an zu zaubern

Spanien - Türkei
Spanien - Türkei FOTO: ap, AF FP DLM
Nizza . Titelverteidiger Spanien besiegte die Türkei eindrucksvoll mit 3:0 und ist nach zwei Erfolgen der große EM-Favorit. Die Ballzauberer sind nun sogar gefährlich vor dem Tor.

Die ganze Schönheit des spanischen Spiels war in diesem einen fast perfekten Angriff zu bewundern. Neun von elf Spielern um Taktgeber Andres Iniesta passen sich 48 Sekunden lang traumhaft sicher den Ball zu, 21 Mal kommen verzweifelte Türken zu spät. Der krönende Schlussakkord dieser Tiki-Taka-Vorführung ist die letzte Ballberührung durch Alvaro Morata zum 3:0 (48.).

Ja, das Tor hätte wegen der Abseitsstellung von Vorbereiter Jordi Alba nicht zählen dürfen, und dennoch war sich nicht nur ganz Spanien sicher: In diesem magischen Augenblick hat Fußball-Europa den kommenden Champion gesehen. "So spielen die Meister! Olé, Olé, Olé!", jubelte die spanische Zeitung "Marca" nach dem überlegenen 3:0 (2:0)-Sieg des Titelverteidigers im zweiten Gruppenspiel am Freitag in Nizza gegen überforderte Türken.

Andres Iniesta ist bislang der Spieler des Turniers 

"Spanien zu sehen, ist wie ein Besuch beim Cirque du Soleil mit den Kindern und Großeltern", schrieb die "Marca" weiter. Auch das Sportblatt "AS" legte nach der bis dahin besten Turnierleistung aller EM-Teilnehmer jede Zurückhaltung ab: "Die Weltmeisterschaft ist beerdigt und das große und unaufhaltsame Spanien ist wieder da."

Das WM-Debakel vor zwei Jahren mit dem peinlichen Vorrunden-Aus als Titelverteidiger scheinen die Spanier überwunden zu haben. Sinnbildlich dafür steht Andres Iniesta. Der 32-Jährige, der bereits als Auslaufmodell galt, als Symbol für den Niedergang der Goldenen Generation der Iberer, ist bislang der Spieler des Turniers. Auch gegen die Türkei war der 1,71 Meter kleine Barca-Profi der große Taktgeber. "Iniestas 9. Sinfonie", schrieb die "Marca" und nahm das Spiel in die neun besten Auftritte des Mittelfeldspielers bei großen Turnieren auf.

Dort aufgelistet ist auch sein Weltklasse-Auftritt im ersten Gruppenspiel gegen Tschechien (1:0), für das er von der Uefa allerdings nicht in die EM-Elf des Spieltags gewählt worden war. Das hatte in Spanien für große Empörung gesorgt. Iniesta aber ist das egal. "Ich muss nichts beweisen", sagte der Ballzauberer. Wichtig sei nur "die Sieger-Mentalität" seiner Mannschaft in den ersten beiden Spielen.

Der Optimismus ist gestiegen 

Das Achtelfinale hat Spanien bereits locker erreicht. Im Duell mit Kroatien am Dienstag (21 Uhr/Live-Ticker) in Bordeaux reicht dem Europameister der vergangenen beiden Endrunden ein Unentschieden zum Gruppensieg. Der herausragende Auftritt gegen die Türkei brachte selbst den sonst so zurückhaltenen Trainer Vicente del Bosque dazu, bereits vom Endspiel zu sprechen. "Es war perfekt, aber wir haben noch nichts gewonnen. Mal sehen, ob wir bis ins Finale kommen", sagte der 65-Jährige.

Ein Grund für den gestiegenen Optimismus ist die neue Effektivität, nachdem gegen Tschechien noch reihenweise beste Chancen vergeben wurden. Die Torschützen Nolito (37.) und Morata (34., 48.) erstickten die Stürmerdebatte im Keim. Und die Abwehr steht sowieso wie ein Bollwerk: Seit sieben EM-Spielen hat Spanien kein Gegentor kassiert - Rekord!

(jado/sid)
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