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EM im Fernsehen
Von Oliver Schmidt kann Béla Réthy noch was lernen

EM im Fernsehen: Von Oliver Schmidt kann Béla Réthy noch was lernen
Oliver Schmidt analysierte gewohnt sachlich und kompetent. FOTO: ZDF/Rico Rossival
Düsseldorf. Aufreger bot die Nullnummer zwischen Deutschland und Polen kaum. An ZDF-Mann Oliver Schmidt lag das nicht. Er holte das Beste aus einer bisweilen mauen Partie heraus - und unterstrich damit seinen Status als bester EM-Kommentator. Von Sebastian Bergmann

Keine zwölf Minuten waren gespielt, da hatte Oliver Schmidt bereits den besten Mann im DFB-Trikot für sich entdeckt: Jerome Boateng. Dieser spiele "Kaiser-Pässe", lobte Schmidt. Boatengs Nebenmann Mats Hummels attestierte der Kommentator hingegen noch Luft nach oben. "Das ist so ein bisschen fehlende Wettkampfpraxis", sagte Schmidt. Der Neu-Münchner hatte sich zuvor von seinem künftigen Teamkollegen Robert Lewandowski den Ball von den Füßen spitzeln lassen.

Während sich in Saint_Denis bis zur Pause aber weiter kaum etwas tat, analysierte Schmidt gewohnt sachlich und kompetent das Rasenschach. "Es bleibt ein Fußballspiel mit der Charakteristik eines Handballspiels", befand der in Erkelenz aufgewachsene Reporter. Poetisch wurde Schmidt dann kurz vor dem Seitenwechsel. Als die DFB-Elf noch immer konsequent das Risiko scheute, sagte Schmidt: "Breite allein bringt nichts ohne Tiefe."

Vor Beginn der zweiten Halbzeit scheute der ZDF-Mann nicht mit Kritik, redete das zuvor Dargebotene beider Teams nicht schön: "Ein 0:0, das wenig bis gar keine Unterhaltung bietet." Als sich die Polen nach furiosem Auftakt in der zweiten Halbzeit wieder in die Defensive zurückzogen, erklärte Schmidt in passender Bildsprache: "Polen wieder im Schildkrötenmodus - Kopf einziehen und rein in den Panzer." Keine Minute brauchte Schmidt zudem, um den Positionswechsel von Mario Götze, der für Thomas Müller auf die rechte Außenbahn rückte, zu erkennen und den Zuschauern zu vermitteln.

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Auch Oliver Kahn redet Klartext

Im weiteren Verlauf des zweiten Durchgangs lobte Schmidt dann zurecht noch ausgiebig das inzwischen überragende Innenverteidiger-Duo der Deutschen: "Boateng und Hummels - da wächst zusammen, was zusammengehört." Ein großes Lob muss dem ZDF-Mann für die korrekte Aussprache der polnischen Spieler gemacht werden. Man mag sich kaum ausmalen, was ein Bela Rethy etwa aus Polens Linksverteidiger Artur Jedrzejczyk gemacht hätte...

Positives gibt es auch aus der ZDF-Expertenrunde zu berichten. Selbst ein Oliver Kahn, der viel zu oft viel zu bieder auftritt, sprach gestern ebenso Klartext wie Boateng kurz davor im Interview. "Im letzten Drittel spielen wir einen sehr selbstgefälligen Fußball", sagte der ehemalige Torwart-Titan. Das wirkungslose Hin- und Hergeschiebe des Spielgeräts in den Reihen des DFB-Teams kritisierte Kahn ebenso. "Das Kombinationsspiel kommt mir sehr spanisch vor." Eindeutig zweideutig, Herr Kahn!

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