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Niederlande droht Quali-K.o
Oranje braucht ein "voetbal wonder"

EM 2016: Diese Mannschaften sind dabei
EM 2016: Diese Mannschaften sind dabei FOTO: dpa, sdt ss
Berlin. "Ohne Holland fahr'n wir zur EM" - dieser Schmähruf könnte im Sommer unter deutschen Fans wieder groß in Mode sein. Am Dienstag dürfte das Aus der Niederlande in der Qualifikation feststehen - wenn nicht noch ein kleines Fußball-Wunder passiert.

 Oranje braucht ein "voetbal wonder": Nach einem bedeutungslosen Pflichtsieg droht das Horror-Szenario für die Niederlande am Dienstag zur bitteren Realität zu werden. Selbst ein Sieg im letzten Gruppenspiel in Amsterdam gegen Tschechien (20.45 Uhr) würde die Elftal nicht mehr vor dem peinlichen K.o. in der EM-Qualifikation retten, wenn im Fernduell um Tabellenplatz drei die Türkei einen Punkt gegen Island holt.

Bayern-Star Arjen Robben rechnet nicht mit einer Niederlage der Türken. "Es muss ein Wunder passieren, wenn Oranje noch an der EM teilnehmen sollte. Die Niederlande haben versagt, wenn sie die EM verpassen", sagte er der Zeitung Metro. Und der frühere Nationalspieler Peter Boeve meinte: "Das wäre wie ein Lottogewinn, wenn wir uns tatsächlich noch für die Endrunde qualifizieren könnten. Mein Gefühl aber sagt mir: Es wird nicht gutgehen.

Diese Spielerfrauen fehlen in Frankreich FOTO: AFP

Während Ex-Weltmeister Italien, das hochgehandelte Belgien und Debütant Wales am Samstag ihre Tickets für die EM-Endrunde in Frankreich buchten, kam die großen Fußballnation Niederlande der Zuschauerrolle einen weiteren Schritt näher. Zwar gewann das Team von Bondscoach Danny Blind mit Mühe 2:1 (2:0) in Kasachstan, doch drei Stunden später zog die Türkei dank eines Treffers des Leverkuseners Hakan Calhanoglu (80.) mit dem 2:0 (0:0) in Tschechen nach.

"Oranje packt drei Punkte ein und gewinnt nichts", schrieb die niederländische Zeitung AD treffend. Nach der WM 2002 droht der Europameister von 1988 wieder ein großes Turnier zu verpassen. Trainer Blind müsste dann sehr wahrscheinlich seinen Stuhl räumen. Auch nach dem knappen Sieg in Kasachstan wurde Kritik am ehemaligen Nationalspieler laut, weil er Torjäger Robin van Persie bei dessen 100. Länderspiel erst drei Minuten vor dem Ende für den Schalker Klaas-Jan Huntelaar einwechselte. "Das macht man nicht mit einem van Persie", schimpfte Bochums Trainer Gertjan Verbeek.

Lange Verletztenliste

Zu allem Überfluss plagen Blind personelle Probleme. Zur langen Verletztenliste um Kapitän Arjen Robben (Bayern München) gesellte sich nun auch Torhüter Tim Krul mit Kniebeschwerden. "Wir befinden uns in einer extremen Situation", sagte der Bondscoach. Gegen Tschechien muss ein Sieg her, ansonsten ist die minimale Chance auf die Play-off-Spiele im November so oder so dahin. Doch die Türken zweifeln nicht einmal im Ansatz, dass sie gegen Tabellenführer Island den noch notwendigen letzten Punkt holen: "Erwartet uns in Paris", schrieb die Zeitung Hurriyet.

Riesige Vorfreude auf die EM herrscht auch in Wales, das erstmals bei einer EM-Endrunde vertreten sein wird. Das Nationalteam um Superstar Gareth Bale verlor zwar 0:2 (0:0) in Bosnien-Herzegowina, profitierte aber vom Ausrutscher des Verfolgers Israel (1:2 gegen Zypern). "Das ist die beste Niederlage meines Lebens", sagte Bale freudestrahlend: "Das zu erreichen, ist wie ein Traum, der wahr wird. Wir sind auf dem Rasen wie Brüder."

Auch den Italienern fiel nach dem 3:1 (2:1)-Sieg in Baku gegen Gastgeber Aserbaidschan und dem damit verbundenen EM-Ticket viele Steine vom Herzen. Die Azzurri-Stars tanzten noch auf dem Platz ausgelassen Ringelreihen. Nach der WM-Enttäuschung scheint der viermalige Weltmeister wieder auf dem Weg zu alter Stärke. "Dass Italien die Qualifikation schaffen würde, war zu erwarten, dass es die Mannschaft so gut schaffen würde, hätte man sich nicht vorgestellt", bilanzierte die Gazzetta dello Sport.

Oranje trauert nach Niederlage in der Türkei FOTO: ap

Die Belgier schossen sich dank eines 4:1 (2:0) in Andorra endgültig zur EM-Endrunde. Das Team um 75-Millionen-Mann Kevin de Bruyne, Torschütze zum 2:0 (42.), deutete einmal mehr an, warum es von vielen Experten als Mitfavorit auf den EM-Titel gehandelt wird.

(sid)
 
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