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EM-Qualifikation
"Furia Roja" will wieder Schrecken verbreiten

EM-Qualifikation: Spanien will wieder Schrecken verbreiten
Trainer Vicente Del Bosque und sein Team müssen im ersten Länderspiel 2014 Platz zwei gegen die Ukraine verteidigen. FOTO: dpa, jmv cdv ase
Europameister Spanien muss Platz zwei gegen die Ukraine verteidigen, die Schweiz steht gegen Estland in der Pflicht, und Österreich kann seine Führung in Liechtenstein ausbauen: Die EM-Qualifikation nimmt im Jahr 2015 richtig an Fahrt auf.

Vicente del Bosque redet gar nicht lange um den heißen Brei herum. "Es geht um sehr viel", sagte der Erfolgstrainer der spanischen Nationalmannschaft vor dem Einstieg in die heiße Phase der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich. Im Duell mit der Ukraine am Freitag (20.45 Uhr) müssen die Iberer nicht nur den Angriff auf Rang zwei der Gruppe C abwehren. Sie spielen auch gegen die zunehmende Unzufriedenheit.

"Drei Punkte wären ein großer Schritt in Richtung Qualifikation und um in Ruhe die Zukunft planen zu können", sagte der 64 Jahre alte del Bosque, der dem punktgleichen Herausforderer großen Respekt zollt: "Ich lobe den Gegner nicht aus Routine, es ist einfach die Wahrheit. Wir sprechen von einer sehr guten Mannschaft, sie haben viel Talent."

Dies gilt zweifelsohne auch für Spanien, doch der Umbruch nach der völlig verkorksten WM 2014 läuft alles andere als geräuschlos ab. Von sechs Spielen nach dem Vorrunden-Aus in Brasilien hat der Weltmeister von 2010 drei Duelle verloren, unter anderem mit 0:1 gegen Deutschland im November. Auch in der EM-Quali hat del Bosques Team schon Federn gelassen und beim Tabellenführer Slowakei 1:2 verloren. Die "Furia Roja", für die wieder der Bundesliga-Legionär Juan Bernat (Bayern München) berufen wurde, hat von ihrem Schrecken eingebüßt.

Für del Bosque und sein Team ist der Start ins Länderspieljahr in Sevilla 2015 ein wichtiger Stimmungstest. Dies gilt auch für die Schweizer um Trainer Vladimir Petkovic. Der Nachfolger des erfolgreichen Ottmar Hitzfeld muss sich dabei immer lauterer Kritik erwehren, die Balance im Team stimme nicht mehr. Vor dem Duell gegen Estland sorgte zudem die Nicht-Nominierung der Bundesliga-Profis Pirmin Schwegler (1899 Hoffenheim) und Tranquilo Barnetta (Schalke 04) für heftige Diskussionen - und zwar auch im Team der Nati.

Streit bei der Schweiz

"Ich hatte erwartet, dass für Barnetta und Schwegler im Aufgebot Platz ist", sagte Stephan Lichtsteiner von Juventus Turin dem Blick. Und auch Schwegler zeigte sich - gelinde gesagt - überrascht. "Petkovic hat gesagt, jeder kriege eine faire Chance. Ich habe sie nicht bekommen. Darum stehe ich ab sofort nicht mehr zur Verfügung", sagte der 28-Jährige: "Es tut richtig weh." Damit lastet ein hoher Druck auf Petkovic, der mit seinem Team bereits sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer England hat.

Deutlich komfortabler ist die Situation der Österreicher. Das Team des früheren Bundesliga-Trainers Marcel Koller führt die Gruppe G souverän vor Schweden und Russland an und kann beim Fußball-Zwerg Liechtenstein einen weiteren Schritt zur EURO machen. Doch ausgerechnet der für sein großes Ego bekannte Marko Arnautovic schlägt vorsichtige Töne an: "Das wird ein heftiges Match. Wenn nur ein Spieler denkt, das wird einfach, ist das die falsche Entscheidung", sagte der Ex-Bremer der Krone-Zeitung.

"Es ist noch ein weiter Weg bis nach Frankreich", sagte auch Bayern Münchens David Alaba: "Da kann noch viel passieren, das ist uns allen bewusst."

Kane vor Debüt bei den Three Lions

England dagegen will mit Hilfe des neuen Hoffnungsträgers Harry Kane für eine Vorentscheidung sorgen. Vor dem ersten Pflichtspiel gegen Litauen am Freitagabend in London haben die Three Lions in Gruppe E bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Schweiz, die zeitgleich gegen Estland antritt.

Beherrschendes Thema auf der Insel ist aber nicht die bislang starke Ausbeute von vier Siegen in vier Spielen, sondern das bevorstehende Nationalmannschafts-Debüt von Tottenhams Angreifer Kane. Nach mühevollen Jahren und zahlreichen Ausleihen zu unterklassigen Vereinen hat der 21-Jährige in dieser Saison den Durchbruch geschafft und wettbewerbsübergreifend 29 Tore erzielt. Gemeinsam mit Diego Costa vom FC Chelsea, der Spanien im wichtigen Spiel gegen die Ukraine verletzt fehlen wird, führt Kane mit 19 Treffern die Torjägerliste der Premier League an.

Englands Coach Roy Hodgson hatte nach eigenem Bekunden also gar keine andere Wahl, als Kane an der Seite von Wayne Rooney und Co. zu nominieren: "Er hat alles, was man sich von einem Mittelstürmer wünschen kann. Das ganze Land freut sich über Harry. Es wäre eher eine Überraschung gewesen, wenn ich ihn nicht nominiert hätte."

Weil neben Keeper Fraser Forster, Adam Lallana, Danny Rose und Luke Shaw auch Daniel Sturridge vom FC Liverpool mit einer Hüftverletzung ausfällt, sind Kanes Einsatzchancen sehr groß - eine Garantie wollte Hodgson dem von den Fans geliebten Spieler mit der Retro-Frisur aber nicht geben. "Ich denke, dass Spieler, die neu im Team sind, immer erst beweisen müssen, dass sie ihren Platz verdient haben", betonte Hodgson. "Die anderen werden nicht einfach zur Seite treten."

Kane selbst, der seine Tore sowohl mit dem Kopf, mit links oder mit rechts erzielt, gab sich nach dem entscheidenden Anruf dankbar und bescheiden. "Das war ein unglaublicher Moment", berichtete er. "Es ist eine Ehre und etwas von dem ich geträumt habe, seit ich ein Kind war." Im Spiel eins nach der Nominierung erzielte er am Samstag gegen Leicester einen Hattrick, die Spurs gewannen 4:3.

(sid)
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