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EM-Kolumne
"Deutschland ist klarer Favorit"

Deutschland - Ukraine: die Fakten
Deutschland - Ukraine: die Fakten
Düsseldorf. Berti Vogts (69), während der EM Kolumnist unserer Redaktion, ist von der Qualität des Kaders von Joachim Löw überzeugt. Er ermahnt die Mannschaft jedoch dazu, morgen gegen die Ukraine zu 100 Prozent bei der Sache zu sein. Von Berti Vogts

Deutschland muss im Auftaktspiel gegen die Ukraine sofort ein Zeichen setzen und Stärke demonstrieren - vom ersten Moment an. Man darf natürlich den Gegner keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Denn jedes Team bei der EM ist so gut, dass es ausnutzen kann, was angeboten wird. Das wäre fatal. Trotzdem: Die Ukraine ist ein Gegner, der zu schlagen sein sollte. Sie ist vor allem heimstark, auswärts hat sie immer ein Problem. Das deutsche Team ist der klare Favorit. Darum kann es souverän auftreten. Und das muss es auch tun. Der Gegner muss schon Sorgenfalten bekommen, wenn er die deutsche Aufstellung sieht - jeder weiß, wie viel Qualität unsere Spieler haben.

Dass es im Vorfeld der EM die 1:3-Niederlage gegen die Slowaken gab, kann sehr hilfreich sein. Es war ein Warnschuss, ein Weckruf zur rechten Zeit. Während eines Turniers könnte eine solche Niederlage schlimmere Folgen haben, so aber muss jeder begriffen haben, dass es auch gegen schwächere Gegner Probleme geben kann, wenn man nicht zu 100 Prozent bei der Sache ist. Das Wissen darum sollte reichen, diesen Fehler nicht zu machen.

Ein guter Auftakt kann durch ein Turnier tragen, auch wenn wir nach wie vor eine Turniermannschaft sind, die sich im laufenden Wettbewerb steigern kann. Wir werden sieben bis acht Spieler sehen, die dann den Stamm des Teams bilden, dann wird sich von Spiel zu Spiel die endgültige Mannschaft herauskristallisieren. So war bei der WM 2014 Bastian Schweinsteiger zunächst auch nicht dabei und am Ende ein entscheidender Mann beim WM-Sieg.

Die Mannschaft ist auf vielen Positionen sehr gut besetzt. Das gibt Löw die Möglichkeit, bei Bedarf Varianten zu nutzen, auf Spielsituationen zu reagieren. Er kann aus einem Pool von mindestens 18 absoluten Topspielern wählen. Darum haben die Spieler, die noch nicht in bester Verfassung sind, auch ein wenig Zeit, sich bereit zu machen. Die, die bei 100 Prozent sind, müssen die anstehenden Aufgaben lösen. Es braucht immer den gesamten Kader für ein Turnier. Keiner kann sich ausruhen bei so viel Qualität, es gibt immer Alternativen. Und es weiß jeder, dass es nicht nur elf Spieler richten können. Daraus muss der Teamgeist erwachsen, den wir aus erfolgreichen Turnieren kennen. Es klingt nach einer Phrase, aber am Ende ist es genau das Geheimnis: Einer für alle, alle für einen.

Dass es im letzten Test vor der EM das 2:0 gegen die Ungarn gab, hat der Mannschaft gut getan. Sie braucht Vertrauen in die eigenen Stärken, sie muss an sich glauben, sie muss den anderen zeigen: Der Weltmeister ist bereit, auch Europameister zu werden. Das hört sich vielleicht ein bisschen protzig an, doch auf dem Fußballplatz spielt der Kopf entscheidend mit: Wer die Qualität der deutschen Mannschaft hat, muss das dem Gegner zeigen. Es kann sicher motivieren, die Chance zu haben, den Weltmeister zu besiegen, aber ich denke, es ist eher furchteinflößend. Alle Gegner werden mit größtem Respekt gegen uns antreten. Das muss Joachims Löws Team nutzen, um gleich in den ersten zehn Minuten klar zu machen, dass es jederzeit souverän mit seiner Favoritenrolle umgeht. Wenn wir das Tempo hochhalten, kommt kaum ein Gegner mit.

Unser Autor führte die deutsche Nationalmannschaft 1996 als Bundestrainer zum EM-Titel. Er absolvierte als Aktiver 96 A-Länderspiele.

Quelle: RP
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