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EM-Kolumne
Wenn die Kleinen die Großen ärgern

Island-Fans sorgen für Gänsehaut-Stimmung
Island-Fans sorgen für Gänsehaut-Stimmung FOTO: dpa, mr
Den vermeintlich Kleinen gehören bei jedem Turnier die Sympathien. So hat wohl jeder mit den Albanern gelitten, als sie in der Schlussphase gegen Frankreich verloren. Und den Isländern haben viele die Daumen gedrückt, dass sie gegen Portugal durchhalten.

Eine Mannschaft, deren Marktwert niedriger sein dürfte als der des portugiesischen Stars Ronaldo, trotzte dem Favoriten. Allerdings haben die Isländer schon eine starke EM-Quali gespielt. Diese Mannschaft lebt vom Teamgeist. Gerade solch ein Teamgeist hat uns Handballer zum EM-Titel getragen.

Wenn man in der Rolle des Außenseiters ist, kann man befreit aufspielen. Du weißt, du kannst nur gewinnen. Tut sich dann diese Chance auf, aber du kannst den Favoriten nur ärgern, überwiegt zunächst die Enttäuschung. Erst später bist du auch stolz und machst dir klar, dass du und deine Mitspieler auch mit den Besten mithalten können. Dies ist zugleich eine Motivation für kommende Aufgaben, bei denen man zeigen muss, dass diese Leistung keine Eintagsfliege war.

Letztendlich geht es im Leistungssport ja um Erfolg. Das ist der Faktor, an dem man gemessen wird. Mir fällt es oft sehr schwer, mich in den Situationen zurückzuhalten, in denen es nicht läuft. Dann versuche ich, Dinge zu erzwingen. Das ist nicht immer der richtige Weg. Leider gibt es kein Wundermittel, sich aus dem "Tal" zu befreien. Ein Einzelsportler kann sich schon mal schneller berappeln. Bei Teams ist dies schwieriger. Meist ist es im Handball noch etwas leichter, den Schalter umzulegen. Du hast mit der Hand mehr Kontrolle über den Ball, als dies mit dem Fuß möglich ist. Dein Trainer kann häufiger wechseln. Er hat mehr Möglichkeiten, auf seine Spieler einzuwirken, mit ihnen zu reden, die Taktik zu ändern.

Doch auf Topniveau ist es nicht einfach, in solchen Situationen die richtigen Dinge zu erzwingen. Es sind oft Kleinigkeiten, die entscheiden. So reicht im Fußball ein perfekter Moment, um ein Spiel zu drehen. Siehe Frankreich, das zweimal spät den Sieg perfekt machte. Mit Blick auf Olympia wird sich für uns Handballer eine ähnliche Favoriten-Situation ergeben. Mal sehen, wie jeder von uns diese meistert.

Der in Kerken-Stenden aufgewachsene Autor (23) gewann mit der Handball-Nationalmannschaft im Januar den EM-Titel.

Quelle: RP
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