| 07.30 Uhr

EM-Kolumne
Die "Kleinen" sind das Salz in der Suppe

EM-Kolumne: Die "Kleinen" sind das Salz in der Suppe
Markus Rieß ist wie so viele begeistert von den Insel-Teams. FOTO: dpa
Irland, Island und Nordirland prägen für unseren Autor die EM. Nicht zuletzt wegen ihrer Fans.

Kennen Sie das: Sie sehen etwas - und im gleichen Moment haben Sie Bilder vor Augen, Erinnerungen an Momente, die lange zurückliegen? Eine Art fußball-technischer "Déjà-vu-Effekt". Wenn ich die EM sehe, gehen mir manchmal zwei große Fußballturniere durch den Kopf: Das erste Turnier, das ich bewusst erlebt habe, war die WM 1974 in Deutschland. Als Achtjähriger war ich damals kaum von Radio und Fernseher zu trennen. Immer und immer wieder mag ich mir auch Spiele der legendären WM in Mexiko 1970 anschauen. Mit Kult-Spielern wie Pelé, dem jungen Beckenbauer oder dem brillanten Italiener Luigi Riva. Verdammt lang her!

Und heute? Eigentlich ist inzwischen alles anders: die Spiele und Spieler sind viel dynamischer, athletischer, schneller. Die Taktiken sind ausgereifter, variabler, manchmal schwerer zu durchschauen. Das Umfeld ist, wie alles um uns herum, natürlich kommerzieller geworden.

Und doch übt das Gemeinschafts-Erlebnis Fußball immer noch eine Faszination aus, wie das keiner anderen Sportart gelingt. Fußball verbindet Nationen und Generationen. Fußball sorgt für millionenfache Emotionen. Damals wie heute sind die Überraschungsmannschaften das Salz in der Suppe. Spätestens seit Mittwoch rücken drei Nationalteams in den Blickpunkt: Irland, Nordirland und Island. Die schroffe 330.000-Einwohner-Insel kennen wir normalerweise wegen ihres rauen Klimas, ihrer sagenumwobenen Kobolde, Feen und Trolle. Und nun zieht sie zum ersten Mal in eine Zwischenrunde ein: Chapeau!

Voller Respekt ziehe ich auch vor Irland und Nordirland den Hut: Well done! Neben den sportlichen Leistungen sind es vor allem die mitreißenden Hymnen ihrer Fans, die bei mir als Erinnerung an diese EM hängen bleiben werden. Ich sage nur: "Will Grigg's on fire". Dieser nordirische Fangesang erobert die EM.

Drücken wir mal die Daumen, dass es auch noch drei Fanparty-Runden mit deutschen Siegen gibt - dann nämlich stünde die Löw-Elf im Finale. Jetzt freue mich auf die Alles-oder-Nichts-Partien - heute wie vor vier Jahrzehnten.

Markus Rieß (50), in Aachen geboren, ist seit September 2015 Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherungsgruppe. Als Allianz-Chef saß er bis 2015 im Aufsichtsrat des FC Bayern München.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

EM-Kolumne: Die "Kleinen" sind das Salz in der Suppe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.