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EM-Kolumne
Jetzt kommt die Zeit der Stars

EM-Kolumne: Jetzt kommt die Zeit der Stars
RP-Kolumnist Berti Vogts. FOTO: RP
Düsseldorf. Europameister-Trainer Berti Vogts ist froh, dass die Vorrunde vorbei ist. Von den Stars erhofft er sich nun endlich mehr, wie er in seiner EM-Kolumne erklärt. Von Berti Vogts

Ich bin ganz ehrlich, auch wenn ich mich wiederhole: Ich bin froh, dass die aufgeblähte Vorrunde bei der Europameisterschaft vorbei ist und nun die K.o.-Spiel beginnen. Ich hoffe nun auf viel mehr Tempo und Spannung - und darauf, dass die Stars nun in den Vordergrund rücken. Bislang haben sich die meisten, denen man Großes zugetraut hat bei dem Turnier, doch sehr zurückgehalten.

Allein Cristiano Ronaldo hat im letzten Gruppenspiel der Portugiesen seine große Klasse gezeigt. Man muss nicht alles gut finden, was er jenseits des Spiels tut, doch auf dem Rasen ist er ganz einfach einer der besten Fußballer der Welt. Und das hat er gegen die starken Ungarn bewiesen, die letzten 20 Minuten, die er da gezeigt hat, waren Weltklasse. Er hat seine Wichtigkeit für die Portugiesen noch einmal unterstrichen. Spieler wie er in Topverfassung werden am Ende auch bei diesem Turnier den Unterschied ausmachen.

Überzeugt haben mich die Kroaten. Sie haben das gegen Spanien, das allerdings aufgrund der Gewissheit, weiter zu sein, nicht mehr 100 Prozent abgerufen hat, nachgewiesen. Man merkt, dass die kroatischen Spieler fast alle bei absoluten Top-Klubs spielen - sie wissen, worauf es ankommt. Man muss diese Mannschaft auf dem Zettel haben.

Das gilt auch für die Belgier. Sie sind sozusagen auf der richtigen Seite des Spielplan-Weges gelandet, haben beispielsweise im Vergleich zum deutschen Team den vermeintlich deutlich leichteren Weg in Richtung Endspiel. Das Team der Belgier hat sich in diesem Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert und hat wirklich tolle Einzelspieler, die alle immer in der Lage sind, ein Spiel zu entscheiden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Belgien bis ins Finale vorstößt.

Dann wäre die Neuauflage des Endspiels von 1980 gegen das deutsche Team möglich. Allerdings ist unser Weg ins Finale der deutlich härtere, denn es drohen die dicken Brocken wie Spanien oder Italien, danach vielleicht Frankreich. Das sind alles 50:50-Spiele. Aber bitte: Das macht doch erst richtig Spaß! Man spielt gegen die Topteams Europas, gegen Top-Spieler, das sind die ganz großen Spiele, die für jeden Fußballer eine Herausforderung sind.

Das Team von Joachim Löw hat die Vorrunde recht souverän gemeistert, das hatte ich allerdings auch nicht anders erwartet. Allerdings muss sich die Mannschaft noch steigern, um bereit zu sein für die ganz großen Aufgaben. Nun gegen die Slowaken muss Deutschland von der ersten Sekunde an das Tempo hochhalten und dem Gegner klarmachen: Wir sind der Boss auf dem Feld. Dass es im Vorfeld der EM die 1:3-Niederlage gab, ist ein absoluter Vorteil. Niemand wird die Slowaken auf die leichte Schulter nehmen.

Klar ist aber: Deutschland muss dieses Spiel gegen die Slowaken gewinnen, ohne Wenn und Aber. Dass es keine leichten Gegner in einem Achtelfinale einer Europameisterschaft gibt, muss jedem unserer Spieler klar sein. Jetzt kommt die Wahrheit dieser Europameisterschaft auf den Tisch! Und ich bin sehr gespannt, wo die Wahrheit für die deutsche Mannschaft am Ende liegt. Es gilt, was ich vorher sagte: Jetzt müssen unsere Topspieler da sein: Thomas Müller, Mario Götze, Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger und und und.

Und ich bin mir sicher: Sie werden da sein. Sie alle wissen, wie es geht, sie alle wollen den nächsten Titel. Keiner ist satt durch den WM-Triumph, das spürt man, wenn man die Mannschaft sieht. Ich glaube, wir können uns auf einen tollen EM-Endspurt freuen.

Unser Autor führte die deutsche Nationalmannschaft 1996 als Bundestrainer zum EM-Titel. Er absolvierte als Aktiver 96 A-Länderspiele.

Quelle: RP
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