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EM-Kolumne
Zwei Herzen in meiner Brust

EM-Kolumne: Zwei Herzen in meiner Brust
Markus Rieß führt den Versicherungskonzern Ergo. FOTO: dpa
Die Fußball-Begeisterung im Land steigt allmählich. Wer Deutschland als Titelfavoriten sieht, liegt sicherlich nicht falsch, sollte aber auch nicht zu früh jubeln. Von Markus Rieß

Soll ich oder soll ich nicht? Das war die Frage, als mich die Rheinische Post fragte, ob ich Lust hätte, das Kolumnisten-Team zu verstärken. Klar, der Fußball-Fan in mir freute sich, griff gedanklich blitzschnell zum EM-Spielplan. Doch dann grätschte der vorsichtige Versicherungs-Manager in mir dazwischen: Kann ich mit all dem Sachverstand der anderen Kolumnisten mithalten? Sie sehen, "König Fußball" hat sich durchgesetzt.

Seit vier Tagen läuft die EM nun. Und ich habe den Eindruck, so langsam beginnt das Thema alle zu elektrisieren. Egal, wo und mit wem ich derzeit spreche - man landet fast immer bei der Euro in Frankreich. Bei meinen Gesprächen spüre ich: Die Fußball-Begeisterung ist grenzenlos. Übrigens auch in unserem Unternehmen. Neben den deutschen drücken sehr viele meiner internationalen Ergo-Kollegen ihrer jeweiligen Nationalelf die Daumen. Genau genommen würden wir sogar fast eine eigene EM hinbekommen. Denn wir sind direkt oder mit einem Tochterunternehmen in 22 von 24 Ländern der diesjährigen EM-Endrunde vertreten ...

Die Frage, die alle interessiert: Wer wird Europameister? Viele sind da ja bereits jetzt sehr sicher: Wenn nicht die Deutschen, wer dann? Vielleicht ist es der in Risiken und Wahrscheinlichkeiten denkende Versicherer in mir, der versucht, in diesen Momenten das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Natürlich sind Müller & Hummels Co. auch meine Favoriten auf den Titel. Aber so weit sind wir noch längst nicht. Lasst uns doch bitteschön bei dieser fußballerischen "Tour de France" von Spiel zu Spiel schauen.

Für Lewandowski zählen nur Tore, Tore, Tore

Und das ist für Jogi Löws Elf in zwei Tagen die Partie gegen Polen. Da schlagen zwei (Fußball)-Herzen in meiner Brust: In den polnischen Reihen steht Robert Lewandowski. Ich bin ein großer Fan von ihm. Seinen Biss, seine Schlitzohrigkeit und seinen Drang zum Tor kenne ich aus vielen Spielen, die ich im Münchener Stadion gesehen habe. Man muss sich mal vorstellen: Allein in der Bundesliga hat er in dieser Saison 30 Mal getroffen. Für ihn zählen halt immer nur Tore, Tore, Tore. Egal, ob er sich für meinen Klub Bayern München im Strafraum tummelt oder für Polen, den deutschen Gegner am Donnerstag.

Womit wir beim zweiten Herzen in meiner Brust wären. Das nämlich schlägt für Manuel Neuer. Ein Weltklasse-Keeper, was er auch wieder gegen die Ukraine unter Beweis stellte. Und sehr sympathisch obendrein. Wem also die Daumen drücken? Mit Blick auf die beiden Bayern-Spieler, die am Donnerstagabend für 90 Minuten Kontrahenten sind, wäre eigentlich ein schiedlich-friedliches Remis ideal. Doch für das Aufeinandertreffen ihrer beiden Nationalteams habe ich eine andere Prognose - dreimal dürfen Sie raten . . .

Markus Rieß (50), in Aachen geboren, ist seit September 2015 Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherungsgruppe. Als Allianz-Chef saß er bis 2015 im Aufsichtsrat des FC Bayern München.

Quelle: RP
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