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Pro & Contra
Braucht der Fußball Cristiano Ronaldo?

Spott und Häme für Cristiano Ronaldo
Spott und Häme für Cristiano Ronaldo
Düsseldorf. An kaum einem anderen Fußballer scheiden sich derart die Geister wie an Cristiano Ronaldo. Für die einen ist CR7 der Galaktische, der nicht nur gut aussieht, sondern auch ein großes Herz hat. Für die anderen ist er ein Schönling, dessen Art, einen Freistoß zu treten, unerträglich ist. Ihre Meinung zu Ronaldo? Schreiben Sie an aktionen@rheinische-post.de

NEIN

Dieser selbstverliebte Gockel. Selbst ein geschossenes Tor, das auch jeder andere Mensch mit verbundenen Augen erzielt hätte, wird von ihm wie ein Kunstwerk gefeiert. Weil er eben meint, ein Kunstwerk zu sein. Cristiano Ronaldo liebt nicht den Fußball, sondern vor allem sich. Jeder Schritt von ihm ist eine Inszenierung, jeder Laufweg kalkuliert. Für jede Spielsituation hat er einen Gesichtsausdruck in seinem Repertoire. Seine beste Rolle ist der Leidende. Die Welt ist schuld, nur er nicht. Schrecklich anstrengend, schrecklich nervig.

Ja, ja, ja, natürlich kann er Fußball spielen. Natürlich ist er kein grundsätzlich schlechter Mensch. Und Hass sollte keine Form der Auseinandersetzung mit ihm sein. Muss man ihn lieben? Nein. Darf man ihn extrem daneben finden? Ja. Ronaldo fördert ja selbst die Abneigung gegen ihn. Als es in dieser Saison bei Real Madrid nicht so lief wie gewünscht, sagte er über seine Teamkollegen: "Wenn alle mein Level hätten, wären wir Tabellenerster.”

Ronaldo schießt viele Tore. Stimmt. Das ist aber auch kein Wunder in einem Kollektiv wie bei Real Madrid. Mit der portugiesischen Nationalmannschaft halten sich seine Heldentaten in überschaubaren Grenzen. Es fokussiert sich alles auf ihn. Er will Europameister werden. Nicht sein Team. Selbst bei einer Niederlage gibt es für ihn keinen Anlass zur Selbstkritik, sondern es beginnt die muntere Suche nach einem Schuldigen. Deshalb ist es so wohltuend, wenn der eitle Fatzke wie beim verschossenen Elfmeter gegen die Österreicher vorgeführt bekommt, dass auch einer wie er scheitern kann.    

Gianni Costa

JA

Cristiano Ronaldo ist eitel, sehr eitel sogar. Aber schadet das irgendjemandem? Die Antwort heißt nein. Wessen ästhetisches Empfinden es stört, dass CR7 sich beim Freistoß hinstellt wie John Wayne, der kann ja wegschalten oder sich ein Getränk aus dem Kühlschrank holen.

Selbst seine härtesten Kritiker werden zugeben müssen, dass Ronaldo ein ausgezeichneter Fußballer ist. Doch obwohl all seine persönlichen Titel und die mit seinen Vereinen für ihn sprechen, ist die entscheidende Seite an Ronaldo die menschliche. Einen Einblick gab er am Samstag. Da hinderte er die Ordner daran, einen Fan abzuführen der ein Foto mit ihm machen wollte. Zuvor war – wie vor jeder Partie Ronaldos – zu sehen, wie er lange mit "seinem" Einlaufkind sprach und jedes einzelne Kind begrüßte.

Seine Kritiker werden auch daran etwas auszusetzen haben. Etwa so: "Das gehört alles zur Inszenierung." Etwa auch, dass der Portugiese sich seit Jahren finanziell und persönlich für die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" engagiert? Oder dass Schulen in Gaza dank ihm 1,5 Millionen Euro bekamen? Oder dass er seine Siegprämie nach dem Champions-League-Titel mit Real Madrid – rund 600.000 Euro – für soziale Zwecke stiftete? Im März kaufte er gar eine Favela in Rio, damit die armen Bewohner dort leben können, ohne Miete zu zahlen.
"Der hat ja genug", heißt es dann. Stimmt. Aber viele andere auch. Und warum geben die nichts? Langsam reicht es, liebe Ronaldo-Gegner. Es ist Zeit zu akzeptieren, dass CR7 zwar ein eitler Mensch ist. Aber ein großer Fußballer – und vor allem ein guter Mensch.    

Bernd Jolitz

Quelle: RP
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