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EM-Teilnehmer im Porträt
Bei Wales dreht sich alles um Bale

EM 2016: Bei Wales dreht sich alles um Gareth Bale
Wales' Superstar Gareth Bale. FOTO: dpa, dl sam
Die Mannschaft um Superstar Gareth Bale hat sich zum ersten Mal überhaupt für die Endrunde einer Europameisterschaft qualifiziert.

Als der große Fußballtraum für das kleine Wales tatsächlich Wirklichkeit geworden war, raubte es Superstar Gareth Bale fast den Atem. "Das war die schönste Niederlage meiner Karriere", sagte der 100 Millionen Euro teure Ausnahmespieler von Real Madrid und feierte mit seinen Teamkollegen in Zenica eine 0:2-Schlappe gegen Bosnien-Herzegowina.

Denn dank der Schützenhilfe Zyperns, das in Jerusalem überraschend mit 2:1 gegen Israel gewann, durften die Briten die Tickets für die EM-Endrunde in Frankreich buchen. Der größte internationale Erfolg für Wales seit der Qualifikation für die WM-Endrunde 1958 in Schweden.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war der Fußball-Zwerg regelmäßig gescheitert, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand die Rugby-Nationalmannschaft, 1987 mit WM-Bronze dekoriert. Nun wird man sich im Juni ganz den Fußballern widmen - mindestens zwei Wochen lang. In der Vorrundengruppe B geht es gegen die Slowakei, Nachbar England sowie Russland.

Trainer Coleman dachte schon an Rücktritt

Als Vater des Erfolges gilt neben Bale und Mittelfeldspieler Aaron Ramsey vom FC Arsenal Teammanager Chris Coleman. Der frühere Nationalverteidiger lehnt derlei Lorbeeren aber ab: "Ganze Spielergenerationen sind zuvor gescheitert, aber diese Gruppe hat den letzten Schritt gemeistert", sagte der 45-Jährige voller Stolz.

Dabei hatte es Coleman nicht leicht und dachte vor vier Jahren schon nach dem ersten Pflichtspiel seiner neuen Truppe an einen schnellen Rücktritt. Denn die Kritiken aus der Heimat nach einer 1:6-Blamage in der WM-Qualifikation in Belgrad gegen Serbien waren vernichtend. Doch der Coach beschwor wieder und wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl seines Teams, und langsam ging es sportlich aufwärts.

Der Zusammenhalt der Mannschaft ist auch für Arsenal-Profi Ramsey der Schlüssel zum Erfolg: "Andere mögen bessere Einzelspieler haben, aber unsere tolle Gemeinschaft gibt dann den Ausschlag. Wir werden auch in Frankreich nur schwer zu schlagen sein."

Während der Endrunde wird Coleman auch immer wieder an seinen Vorgänger Gary Speed denken. Der damals 42-Jährige hatte im November 2011 Selbstmord begangen und Frau sowie zwei Söhne hinterlassen. Zunächst waren ihm Speeds Fußstapfen zu groß: "Ich wollte die Arbeit in Garys Sinne fortführen, aber das gelang mir nicht. Ich musste meinen eigenen Weg gehen."

Und er ist ihn nun bis zur EM-Endrunde nach Frankreich gegangen, so wie es sich auch Speed gewünscht hätte. Coleman glaubt an dessen Beistand, wenn es nun mindestens dreimal gegen die besten Mannschaften Europas geht: "Dann wird sich Gary freuen und lächeln."

(areh/sid)
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