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EM-Teilnehmer im Porträt
England und das Luxus-Problem Wayne Rooney

Rooney trifft gegen Sommer und ist Englands neuer Rekordschütze
Rooney trifft gegen Sommer und ist Englands neuer Rekordschütze FOTO: dpa, gh ks
Bis vor Kurzem glaubten selbst viele Engländer an ein frühes EM-Aus. Dann kam das "Wunder von Berlin".

Ein Spiel hat alles verändert. Seit dem "Wunder von Berlin" (Daily Mail), dem viel umjubelten 3:2-Triumph Ende März bei Weltmeister Deutschland, glaubt das Fußball-Mutterland wieder an ein Ende der fast 50-jährigen Leidenszeit.

"England hat seinen Stolz zurück", schrieb der Daily Mirror damals, und auch der Guardian war vom Auftritt im Olympiastadion fasziniert: "Wenn England zu solchen Leistungen in der Lage ist, ist es schwer, nicht eine plötzliche Welle des Optimismus für die EM zu spüren."

Nach dem Durchmarsch in der Qualifikation hatte dasselbe Blatt noch geunkt: "Wir wissen doch, wie's laufen wird: England ist zunächst erfolgreich, aber dann wird es kommen wie immer - gegen den ersten guten Gegner fliegen sie raus!" Die zehn Siege in zehn Spielen überzeugten auch den Mirror nicht. In der "group of dearth" (Ausschussgruppe) mit der Schweiz, Slowenien, Estland, Litauen und San Marino sei es schließlich nur gegen "Eskimos, Teletubbies, Wombles, Tweenies und Hosenscheißer" gegangen.

Doch dann kam jener 26. März, als die Shootingstars Jamie Vardy von Sensationsmeister Leicester City, Harry Kane und Dele Alli (beide Tottenham Hotspur) eine ganze Fußball-Nation verzückten. "Wir haben gezeigt, dass wir jeden schlagen können", sagte Kane danach. Das wollen die Three Lions nun auch bei der EURO in Frankreich beweisen.

Bundestrainer Joachim Löw nannte England im SID-Interview als einen der Mitfavoriten - wohl gemerkt bereits vor der Pleite von Berlin. "England hat sich in den letzten zwei, drei Jahren stark verbessert, sie haben einen klaren Wandel vollzogen", sagte Löw und sah "Parallelen zu uns im Jahr 2010: Sie haben ihre Mannschaft verjüngt, spielen aus einer sehr guten Defensive, haben Spieler, die schnell im Konter sind".

Rooney "enorm unter Druck"

Selbst Kapitän Wayne Rooney, im Angriff jahrelang Alleinunterhalter, kann sich seines Platzes in der Mannschaft angesichts der großen Zahl junger Wilder nicht mehr sicher sein. Teammanager Roy Hodgson, seit 2012 im Amt, sieht Rooney "enorm unter Druck".

Die frisch entfachte Euphorie macht dem 68-Jährigen indes "Sorgen", wie er betonte. "Lasst die Spieler die Bodenhaftung nicht verlieren, lasst sie demütig und hungrig auf weitere Erfolge bleiben. Wir haben noch viel Arbeit zu erledigen", sagte er.

In der EM-Vorrundengruppe B wird es gegen Russland, die "Brüder" aus Wales und die Slowakei aber wohl so oder so fürs Achtelfinale reichen. Zumindest die Schmach von 2014, als Hodgsons Team bei der WM in der ersten Runde scheiterte, wäre dann getilgt.

Und dann? Das Buch zum abermaligem Aus spätestens in der K.o.-Phase gibt es bereits - trotz neuer Hoffnungen. "England - fifty years of hurt" heißt es, und der Fan Billy Stevens berichtet darin von einem "Leben voller Enttäuschungen" seit dem WM-Sieg 1966 - er bezieht 2016, also die EM in Frankreich, einfach schon mit ein.

(sid)
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