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EM-Teilnehmer im Porträt
Frankreich: Ohne Benzema, aber endlich wieder mit Teamgeist?

EM 2016: Frankreich verzichtet auf Karim Benzema und setzt auf Teamgeist
Der Gastgeber will sich diesmal Tränen ersparen – und setzt auf Antoine Griezmann. FOTO: afp, Desk
Herber Schlag für Frankreichs Trainer Didier Deschamps. Der Weltmeister von 1998 strebt nach 1984 und 2000 den dritten EM-Titel an, muss allerdings auf einige Stammkräfte verzichten.

Didier Deschamps bleibt optimistisch. Frankreich hat nach den Terroranschlägen beim Spiel gegen Deutschland (2:0) am 13. November 2015 schon wieder ein Spiel im Stade de France ausgetragen. Russland wurde 4:2 geschlagen, zuvor in den Niederlanden mit 3:2 gewonnen. "Der Abstand zu Deutschland ist nach der Weltmeisterschaft in Brasilien geringer geworden. Aber er ist immer noch da", betonte Nationalcoach Deschamps.

Im Klartext: Ein Halbfinale hält Deschamps auf alle Fälle für möglich, auch wenn, bei "normalem" Turnierverlauf, Deutschland und Frankreich schon im Viertelfinale aufeinandertreffen würden.

Hoffnungsträger Griezmann

Allerdings wiegt der Verzicht auf Karim Benzema (28/Real Madrid) aufgrund der Sex-Video-Affäre schwer. Als Ersatz gilt der 25-jährige Antoine Griezmann (Atletico Madrid). Der wird meist als hängende Spitze eingesetzt. Er kann den Ball prallen lassen, kommt von Außen, kann flanken, entwickelt sich zum Freistoßspezialisten. Entdeckt wurde er bei der WM 2014. Nach dem 0:1 gegen Deutschland im Viertelfinale hat er den Platz heulend verlassen. In der Champions League wurde er in dieser Saison im Halbfinal-Rückspiel in München zum Bayern-Schreck.

Im Tor kann sich Deschamps auf Hugo Lloris verlassen, (28) der so etwas wie der französische Manuel Neuer ist. Nur, dass er 2012 von Olympique Lyon zu Tottenham Hotspur wechselte und damit Fahnenflucht beging. Überhaupt spielen die meisten französischen Nationalspieler bei Vereinen im Ausland - Problem des Steuersystems für Superreiche in der einstmals Grande Nation.

In der Innenverteidigung gilt Raphaël Varane (22/Real Madrid) als gesetzt. Nur, wer jetzt Mamadou Sakho (26/FC Liverpool), der in eine Doping-Affäre verstrickt ist, ersetzen soll, ist die große Frage.

Während Franck Ribéry sich mit seinem Rücktritt vom Rücktritt, falls Trainer Deschamps ihn um ein Gespräch "bittet", selber lächerlich gemacht hat, gilt Bayern-Spieler Kingsley Coman als großer Hoffnungsträger. Der antrittsschnelle Stürmer, der während der EM 20 wird (13. Juni) wurde vom deutschen Rekordmeister von Juventus Turin ausgeliehen. Ausbildungsverein Paris St. Germain ärgert sich noch heute schwarz, Millionen in Stars investiert statt das Ausnahme-Talent behalten zu haben.

Doch zurück zu Ribéry. "Ich habe keine Lust mehr, für Frankreich zu spielen. Das Kapitel habe ich mit meinem Rücktritt 2014 hinter mir gelassen", sagte Ribéry er Sport Bild, nachdem er nicht nominiert wurde. Er denke seither "nur an meine Karriere beim FC Bayern", ergänzte der 33-Jährige, "hier fühle ich mich wohl und habe Freude am Fußball". Im Team des Weltmeisters von 1998 offenbar nicht (mehr). Ribéry spielte 81-mal für Frankreich (16 Tore), stand dort aber - vor allem wegen seines Verhaltens außerhalb des Platzes - häufig in der Kritik.

Im offensiven Mittelfeld setzt Frankreich deshalb vornehmlich auf Starspieler Paul Pogba (23), der über AC Le Havre, Manchester United 2012 bei Juventus Turin gelandet ist und dort seit 2013 viermal in Folge italienischer Meister wurde.

(sid)
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