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EM-Teilnehmer im Porträt
Kroatiens Topstars müssen sich zusammenraufen

EM 2016: Kroatien muss sich als Team zusammenraufen
Mario Mandzukic (l.) und Luka Modric. FOTO: afp
Düsseldorf. Kroatien ist zum fünften Mal bei einer EM-Endrunde dabei. Die Qualifikation zur EURO 2016 war allerdings von Skandalen überschattet.

Ivan Rakitic hat Großes vor. "Kroatien kann den EM-Titel gewinnen", sagte der Mittelfeldspieler des FC Barcelona voller Überzeugung: "Wir haben eine junge Mannschaft, wir sind erfolgshungrig, wir sind eine große Familie." Der Ex-Schalker hofft, dass während der EURO in Frankreich beim WM-Dritten von 1998 endlich der Fußball in den Vordergrund rückt: "Wir haben den Wunsch, unser ganzes Volk stolz zu machen."

Das war zuletzt gründlich misslungen. Mit Funktionären im Zwielicht und Fans außer Rand und Band mischten sich in den Jubel über die fünfte EM-Teilnahme große Sorgen, zahlreiche Skandale überschatteten den Weg nach Frankreich. Zdravko Mamic, der umstrittene Präsident von Dinamo Zagreb und Vize im nationalen Verband HNS, musste innerhalb weniger Monate zweimal wegen dubioser Geschäfte und angeblicher Knebelverträge mit Spielern in Untersuchungshaft, Verbandsgeschäftsführer Damir Vrbanovic hat ebenfalls Probleme mit der Justiz.

Davor Suker, als Torschützenkönig der Held der "Feurigen" bei der WM 1998 in Frankreich, geriet als Präsident des HNS selbst schon mit dem Gesetz in Konflikt. Viele Medien und Anhänger riefen bereits zu einem Boykott der Nationalmannschaft auf, weil der Einfluss von Mamic zu groß sei.

Für den größten Ärger sorgten jedoch Teile der Fans selbst. Erst warfen sie im November 2014 beim Qualifikationsspiel in Mailand gegen Italien Feuerwerkskörper und Rauchbomben aufs Spielfeld und die Tribünen, sodass die Partie unterbrochen werden musste. Beim Rückspiel in Split im Juni vor leeren Rängen hatten dann Fans den Rasen so präpariert, dass ein riesiges Hakenkreuz zu sehen war.

Es drohte der EM-Ausschluss, doch am Ende kam der kroatische Verband mit einem Punktabzug, einer Geldstrafe und weiteren Geisterspielen davon. Als auch noch sportlich das Aus bevorstand, wurde Trainer Niko Kovac entlassen. Sein umstrittener Nachfolger Ante Cacic, von vielen als Mamic' "Haustrainer" bezeichnet, brachte Kroatien doch noch nach Frankreich.

Bei der EM will der 62-Jährige mit seinem Team aus dem Schatten der Helden von 1998 treten. "Es ist Zeit, dass wir sie überflügeln", sagte Cacic, "die jetzige Generation ist dazu fähig." In der Vorrunde sind die Türkei, Tschechien und Spanien die Gegner.

Die größten Stars der Kroaten sind neben Rakitic Mittelfeldspieler Luka Modric (Real Madrid) und Stürmer Mario Mandzukic (Juventus Turin). Kapitän Srna (Schachtjor Donezk) ist noch immer eine feste Größe, in der Qualifikation glänzte auch Ivan Perisic (Inter Mailand) mit sechs Toren. Ärger gab es um den Hamburger Ivica Olic. Der Stürmer erklärte seinen Rücktritt, nachdem er im November in einem Länderspiel in Russland (3:1) keine Minute zum Einsatz gekommen war. Cacics Angebot, für einen gebührenden Abschied noch einmal zurückzukehren, lehnte Olic verärgert ab.

Sauer war auch Abwehrspieler Dejan Lovren vom FC Liverpool, als er im März beim 1:1 in Ungarn nicht eingewechselt wurde. In einem Interview verlangte der Verteidiger einen Stammplatz, Cacic reagierte empört, es gab ein Treffen in Liverpool, danach wurde über Lovrens EM-Aus spekuliert.

(sid)
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