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EM-Teilnehmer im Portrait
Titelverteidiger Spanien droht womöglich ein Debakel

EM 2016: Spanien kann Geschichte schreiben
Vicente del Bosque macht nach der EM Schluss. FOTO: dpa, drn hm
Düsseldorf. Einst der große Favorit, nun die große Unbekannte. Das Potenzial Spaniens gibt mit Blick auf die EURO Rätsel auf.

Einmal noch mit den Alten: Trotz der WM-Blamage von Brasilien will Spaniens Nationalmannschaft mit Bewährtem den Titel-Hattrick bei der EURO schaffen. Mit bewährtem Trainer, dem seit 2008 arbeitenden Vicente del Bosque. Und mit bewährtem Personal, denn den großen Umbruch hat der 65 Jahre alte Coach trotz des peinlichen Vorrunden-Aus bei der WM 2014 nicht vollzogen.

Irgendwie haben die Spanier diesen Schock nach drei Turnier-Triumphen in Folge als Ausrutscher abgehakt und del Bosque tut größtenteils so, als sei er einfach gar nicht geschehen.

Die Zeit seit der WM lieferte kaum Aufschlüsse, ob del Bosque noch der Richtige ist. Die Spanier qualifizierten sich mit neun Siegen in zehn Spielen locker für die EURO, allerdings auch in einer relativ leichten Gruppe, mit einer 1:2-Niederlage in der Slowakei und verloren zudem Länderspiele in den Niederlanden (0:2) und Frankreich (0:1) sowie gegen Deutschland (0:1). Seit März 2015 ist Spanien nun wieder ungeschlagen. In der Fifa-Weltrangliste waren die Iberer zeitweise bis auf Rang zwölf abgerutscht, aktuell sind sie Sechster.

Negative Stimmung in Spanien

Alles in allem ist Spanien trotz des Gewinns der letzten beiden Endrunden bei der nächsten in Frankreich nicht der große Favorit (als den hat del Bosque Gastgeber Frankreich auserkoren), sondern allenfalls die große Unbekannte. Die Stimmung in der Heimat ist allerdings eher negativ. Die Zeitung El Pais spottete gar, aus der Furia Roja, der roten Furie, sei die Furia Rota geworden, die kaputte Furie. Worauf del Bosque schimpfte: "Manche Medien stiften Hass. Das nervt mich und macht mich sauer."

Der Ex-Nationalspieler und Trainer-Routinier setzt auf das Motto: Aus Erfahrung gut. Und so steht im Tor meist immer noch Iker Casillas (35), in der Abwehr Sergio Ramos (30) und Piqué (29), im Mittelfeld Cesc Fábregas (29) und Andres Iniesta (32). Viele von ihnen befinden sich zwar im besten Fußballer-Alter und sind Helden der Generation "Europa-Welt-Europameister", doch viele Fans und Experten wünschen sich frischeres Blut. Zu einem Comeback verholfen hat del Bosque zuletzt Stürmer Aritz Aduriz - der ist zarte 35. Immerhin: Nach zahlreichen Verletzungen war Bayern Münchens Thiago (25) zuletzt immer dabei.

Zurückgetreten sind nach der WM nur der inzwischen beim al-Sadd Sport Club spielende Xavi (36) und der für Melbourne FC in Australien stürmende David Villa (34). Letzterer fehlt jedoch sehr, weil der gebürtige Brasilianer Diego Costa (Chelsea) sich nicht bewährte und zuletzt sogar durchs Raster fiel. Und Fernando Torres - bei der letzten EM 2012 aufgrund der geringeren Anzahl von Spielminuten Torschützenkönig vor Mario Gomez - wurde von del Bosque seit der EM nicht mehr eingesetzt.

So oder so beschwichtigt der Nationaltrainer. "Wir haben gute, junge Spieler, deshalb müssen wir für die Zukunft keine Sorgen machen", sagte er. Die Frage ist nur, wann er die jungen Wilden von der Leine lässt.

(seeg/sid)
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