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EM-Teilnehmer im Porträt
Türkei qualifizierte sich im Schatten des Terrors

Türkei jubelt über direktes Ticket für Frankreich
Türkei jubelt über direktes Ticket für Frankreich FOTO: dpa, sdt ss
Düsseldorf. Die Europameisterschaft 2016 kommt für die Türkei nach einem Jahr des Terrors zum rechten Zeitpunkt. In Frankreich will die Mannschaft des "Imperators" auf dem Platz für positive Schlagzeilen sorgen.

Als im März mitten in Ankara Dutzende Menschen sinnlos ihr Leben verloren, wurde auch der türkische Fußball getroffen. Unter den Opfern des Autobomben-Attentats auf dem Kizilay-Platz war der Vater von Nationalspieler Umut Bulut, kurz zuvor hatte er seinen Sohn im Stadion spielen sehen. Es war nicht das erste Mal, dass der Terror, der die Türkei seit Monaten erschüttert, einen dunklen Schatten auf die Europameisterschaft 2016 wirft.

"Mir wäre es lieber, kein einziges Kind wäre gestorben, und wir hätten uns nicht qualifiziert", musste Nationaltrainer Fatih Terim schon im vergangenen Jahr mit heiser Stimme sagen. Die Türkei hatte sich im Oktober 2015 erstmals seit acht Jahren wieder für ein großes Turnier qualifiziert. Drei Tage zuvor waren in Ankara bei einem verheerenden Anschlag über 100 Menschen gestorben. Die Qualifikation für Frankreich - kaum mehr als eine Ablenkung für ein paar Stunden.

"Unser Land sollte eines sein, in dem Väter und Mütter jeden Morgen fröhlich zur Arbeit gehen können, wo Kinder glücklich zur Schule laufen", sagte Terim: "Dafür müssen wir alle etwas tun. Ich will eine Türkei, wo alle vereint sind - und sich alle gegen den Terror vereinen." Im Sommer (10. Juni bis 11. Juli) wollen die "Halbmond-Sterne" ihren Landsleuten "Freude schenken".

Seit der sensationellen Europameisterschaft 2008, bei der die Türkei erst im Halbfinale an Deutschland gescheitert war (2:3), hatte die stolze Fußballnation bei den großen Turnieren nur zugesehen. "Ich hoffe, wir können den Erfolg von 2008 wiederholen und vielleicht sogar daran anschließen", sagte Terim: "Wir wollen im Finale spielen."

Die Mannschaft um Starspieler Arda Turan vom FC Barcelona trifft in der Gruppe D auf Kroatien, Tschechien und Titelverteidiger Spanien. "Eine ernstzunehmende Gruppe", sagte Terim: "Mit sehr viel Qualität." Aber die Türkei hat Chancen. Dafür sollen in Frankreich auch einige gestandene Bundesligaspieler sorgen.

"Ich bin sehr stolz auf mein Team und mein Land", hatte der in Mannheim geborene Hakan Calhanoglu gesagt. Der Profi von Bayer Leverkusen bekam von Terim mehr Verantwortung, der Freistoßkünstler soll im Sommer für Furore sorgen. Bestenfalls zusammen mit Nuri Sahin (Borussia Dortmund), der die EURO nach seiner langen Verletzungspause "nicht nur im Hinterkopf hat", und Yunus Malli (FSV Mainz 05), der sich Ende Oktober 2015 gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) entschieden hatte.

"Schlussendlich bin ich Türke", sagte der Offensivspieler dem Verbandsmagazin. 2009 war der Mainzer mit der deutschen U17-Nationalmannschaft Europameister geworden und hatte sich vor seiner Entscheidung auch in die Notizbücher von Bundestrainer Joachim Löw und Sportdirektor Hansi Flick gespielt. Natürlich sei er "geschmeichelt" gewesen, sagte Malli - aber entschied sich gegen Löw, und für Terim.

Der "Imperator" ist zweifelsohne der Vater des Erfolgs. Terim, der seinen Spitznamen wegen seines autoritären Führungsstils verliehen bekam, führte die türkische Nationalmannschaft bereits zum dritten Mal zu einer Europameisterschaft. Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2014 (ohne Terim) war er zurückgekommen und sicherte das EM-Ticket.

(seeg/sid)
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