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EM-Teilnehmer im Porträt
Portugal: Ronaldo und ein Haufen Mittelmaß

Portugal bei der EM 2016: Cristiano Ronaldo und ein Haufen Mittelmaß
Cristiano Ronaldo wartet mit Portugal noch auf einen Titel. FOTO: dpa, ss
Cristiano Ronaldo ist in der portugiesischen Nationalmannschaft ein Weltstar inmitten des Mittelmaßes. Die Hoffnung Portugals liegt in der Jugend.

Verlieren? Das hat Cristiano Ronaldo nie gelernt. "Ich ärgere mich dann, ich schreie, ich sage Dummheiten und bereue diese anschließend", sagte der Superstar von Real Madrid anlässlich der Premiere des Dokumentarfilms über sein (Privat-)Leben. Er wirkt in "Ronaldo" sympathisch, aber unnahbar, ein Mann mit Hunderten Millionen Freunden in sozialen Netzwerken, der trotzdem häufig einsam ist.

Er vertraue nicht vielen Menschen, sagt er, und wahrscheinlich gilt das auch für einen Teil seiner Mitspieler. Bei der portugiesischen Nationalmannschaft jedenfalls hat er auch vor der EM 2016 in Frankreich das altbekannte Problem: Ronaldo (30) ist ein Weltstar inmitten des Mittelmaßes. Er kann seine Mannschaft so durchaus mal ins Viertelfinale führen, aber häufig war es das dann auch schon. Und verlieren - das kann er ja nicht.

"Der Hass treibt mich an", auch das ist ein Ronaldo-Zitat. Worauf, das verrät er nicht, dafür allerdings, wen er für den Besten hält: "Für viele ist es Lionel Messi, aber in meinem Kopf bin ich es. Ich spiele seit vielen Jahren auf meinem Top-Niveau." Das ist wenig überraschend.

Doch was kommt nach dem Mann, Rekordtorschütze der Portugiesen mit 56 Treffern, der sich für den weltbesten Fußballer hält? Traditionell nicht allzu viel. Bei der WM 2014 gab es ein deftiges 0:4 gegen Deutschland und dann das Vorrunden-Aus - im Angriff spielte Hugo Almeida, einst Werder Bremen, 2014 bei Besiktas Istanbul.

Portugal hofft auf eine neue Goldene Generation

Da ist noch ein Nani, auch ein Joao Moutinho, Vieirinha vom VfL Wolfsburg, neuerdings auch der Bayern-Zugang Renato Sanches, das 35 Millionen Euro teure Supertalent von Benfica Lissabon. Die können alle ordentlich kicken. Aber das reicht (noch) nicht. Viele Spieler wie Pepe (33, Real Madrid) haben zudem ihre besten Jahre hinter sich. Trainer Fernando Santos hat es wahrlich nicht leicht.

Die Hoffnung auf eine goldene Zukunft, sie liegt in der Jugend. Bei der U21-EM 2015 schoss Portugal die deutschen Junioren im Halbfinale mit 5:0 ab, spielte begeisternden Offensivfußball - und verlor das Finale im Elfmeterschießen gegen Schweden.

Egal: Es öffnete sich der Blick darauf, was in einigen Jahren möglich sein könnte. William Silva de Carvalho, ein Talent vom Feinsten, zum besten Spieler des Turniers gewählt, ist längst in die A-Mannschaft aufgerückt. Auch Sanches lässt Großes erwarten.

Für Cristiano Ronaldo könnte sich allerdings ein Dilemma entwickeln. Wenn eine Mannschaft mit mehr Qualität in der Breite herangereift ist, könnte er zu alt dafür sein, noch den Anführer zu geben. Er bliebe somit ohne Nationalmannschaftstitel.

Dafür war er dreimal Weltfußballer. Das ist für sein Ego auch nicht so übel.

(sid)
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