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Ehemaliger DFB-Boss
Ermittler fordern Zwei-Jahres-Sperre für Wolfgang Niersbach

Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball
Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball FOTO: RPO
Zürich. Wolfgang Niersbach droht endgültig das Aus im Weltfußball. Die Ermittler der Fifa-Ethikkommission empfehlen in ihrem Untersuchungsbericht, den früheren DFB-Präsidenten aufgrund des WM-Skandals 2006 für zwei Jahre zu sperren - eine Rückkehr in die hochbezahlten Ämter beim Weltverband und bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wäre undenkbar. Viele Optionen hat Niersbach nicht.

Um weiterhin den deutschen Fußball im Uefa-Exekutivkomitee sowie im Fifa-Council vertreten zu können, hilft dem 65-Jährigen nur ein Freispruch ohne jeden Zweifel. Dass aber die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission nicht einmal ansatzweise den Forderungen der Untersuchungskammer folgt, ist höchst selten - und unwahrscheinlich. Die Rücktrittsforderungen werden kommen.

Chefermittler Cornel Borbély (Schweiz), der auch die Rolle der anderen "Sommermärchen"-Macher um Franz Beckenbauer untersucht, fordert zudem eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Schweizer Franken (umgerechnet 27.000 Euro). Niersbach werden Verstöße gegen vier Artikel des Ethik-Codes zur Last gelegt. Bis zur Urteilsverkündung gilt aber weiterhin die Unschuldsvermutung, Niersbach bekommt nun die Gelegenheit auszusagen. Den Vorsitz des Verfahrens führt der Australier Alan Sullivan, weil Kammerchef Joachim Eckert aus Deutschland kommt.

Im Kern geht es um die "verschwundenen" 6,7 Millionen Euro, die im Rahmen der WM-Vergabe vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach Katar überwiesen wurden. Warum, wissen bislang nur die Verantwortlichen. Und die schweigen. Niersbach selbst saß damals im von Beckenbauer geführten WM-Organisationskomitee.

Zum Verhängnis wurde ihm aber vorrangig, dass er die Dinge im Sommer 2015, als er laut eigener Aussage erstmals von den Unregelmäßigkeiten um die Millionen erfahren hatte, erst intern regeln wollte. "Diesem Reglement unterstellte Personen müssen ein mögliches Vergehen gegen dieses Reglement umgehend dem Sekretariat der Untersuchungskammer der Ethikkommission melden", steht im Ethik-Code, Artikel 18 eindeutig. Am 9. November 2015 trat Niersbach als DFB-Präsident zurück.

Die neue Führungsriege des DFB beriet sich am Freitagmittag nach SID-Informationen lange über das weitere Vorgehen. Fakt ist, dass die Personalie Niersbach belastet ist - mit jeder Mitteilung der Ethikkommission mehr. "Es gibt keine Vorverurteilung", hatte DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball zuletzt gesagt. Niersbachs Mandat bei der Uefa läuft offiziell noch bis 2017, bei der Fifa bis 2019. Für seinen Job beim Weltverband kassierte der frühere Journalist allein im vergangenen Jahr 270.000 Euro.

Borbély hatte seinen Abschlussbericht am 22. April weitergeleitet, genau einen Monat nach Beginn des Ermittlungsverfahrens. Ausschlaggebend war der am 4. März veröffentlichte Freshfields-Bericht über die WM-Affäre 2006, in dem Niersbachs Schweigen während der Sommermonate klar beleuchtet wurde.

Ermittlungen aufgenommen worden waren zudem gegen Beckenbauer, Ex-DFB-Präsident und Niersbach-Vorgänger Theo Zwanziger sowie gegen die früheren DFB-Generalsekretäre Helmut Sandrock und Horst R. Schmidt und den einstigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans. Dass die Ethikkommission am Freitag nur über das Niersbach-Verfahren informierte, ist nach SID-Informationen kein Zeichen dafür, dass gegen die weiteren Verantwortlichen des WM-Skandals nicht noch Verfahren folgen. Niersbach ist aber der einzige Funktionär, der noch offizielle Ämter ausübt.

(spol/dpa)
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