Oberliga: Erneute Gewalt in Fußballstadien
zuletzt aktualisiert: 12.11.2006 - 12:59Leipzig (RPO). Randalierer haben in der Oberliga wieder einmal auf sich aufmerksam gemacht. In Zwickau wurde die Partie gegen Chemnitz unterbrochen, in Plauen kam es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Leipzig-Anhängern und der Polizei.
Die Randale-Welle im deutschen Fußball fand am Wochenende bei zwei Spielen in den neuen Ländern ihre unrühmliche Fortsetzung. Das Oberliga-Match zwischen den Ex-Zweitligisten FSV Zwickau und Chemnitzer FC musste für 15 Minuten unterbrochen werden, nachdem Knallkörper und Feuerwerksraketen auf dem Spielfeld und in den Fanblocks gelandet waren. Die Polizei griff ein und verhinderte so Schlägereien zwischen den nur durch einen Sicherheitszaun getrennten Anhängergruppen.
In Plauen war es nach Spielende der Partie des gastgebenden VFC und Sachsen Leipzig - ebenfalls in der Südstaffel der Nordost-Oberliga - zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Leipziger Anhängern und der Polizei gekommen. Laut eines Behördensprechers wurden durch Flaschenwürfe "insgesamt fünf Beamte leicht verletzt". Eine davon zunächst als schwer verletzt eingestufte Polizistin musste letztlich doch nicht stationär behandelt werden. Sieben Personen wurden vorläufig festgenommen, gegen sie sind Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Zwickau-Präsident tritt zurück
Nach den schlimmen Szenen in Zwickau vor 2931 Zuschauern trat FSV-Präsident Volker Seifert unter Tränen zurück. "Ich kann es nicht fassen, dass man von den eigenen Fans abgeschossen wird. So etwas kann ich nicht mittragen", erklärte Seifert: "Wir wussten doch alle, dass wir als Verein unter Beobachtung stehen. Es wird harte Strafen geben. Einige Fans haben den eigenen Verein mit Füßen getreten." Laut eines Augenzeugenberichtes soll ein Chemnitzer Fan durch eine Leuchtrakete am Auge verletzt worden sein.
Toralf Wagner, Verwaltungsratschef der Zwickauer, sprach von einer "Katastrophe" und "Hirnverbrannten". Die Täter müssten dingfest und persönlich haftbar gemacht werden. Marcus Stapke, Mitglied im Verwaltungsrat und Fanprojekt, sieht ein "gewisses Potenzial an Leuten, die man nicht kennt und sich bewusst solche Spiele raussuchen, um ihren Käse dort zu verzapfen". Grundsätzlich aber hält er Sicherheitsprobleme in dem alten Stadion für nicht vermeidbar.
Das direkte Nebeneinander der rivalisierenden Gruppen wäre allerdings zu verhindern gewesen. Der eigentliche Gästeblock, ein ganzes Stück entfernt, war aber gesperrt. Nach Sanierungsmaßnahmen hatte das Bauordnungsamt diesen Bereich nicht rechtzeitig vor dem traditionell höchst brisanten Sachsen-Derby freigegeben.
Spielunterbrechung nach Ausgleich in Zwickau
Schiedsrichter Oliver Mattig aus Frankfurt/Oder hatte die Partie im maroden Westsachsenstadion in der 70. Minute kurz nach Zwickaus Ausgleich zum 1:1 unterbrochen. Nach Absprache mit der Polizei konnte das sportliche Duell der beiden Traditionsvereine aber fortgesetzt werden, es blieb beim Remis.
In Plauen konnten sich einige FC-Sachsen-Fans unter den 2475 Zuschauern offenbar nicht mit der 0:1-Pleite ihres Vereins abfinden. Gästecoach Eduard Geyer kochte zwar angesichts einer katastrophalen Leistung von Schiedsrichter Torsten Jauch (Benshausen), behielt aber die Nerven: "Kein Kommentar. Ich habe nicht genug Geld, um die Strafe zu zahlen."
Vor zwei Wochen sorgten im Fußball-Osten bereits Anhänger von Dynamo Dresden im Regionalligaspiel bei Hertha BSC II für schwere Ausschreitunge. Dabei waren 23 Polizisten zum Teil schwer verletzt worden.
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