Krawalle in Dresden: Erste Strafmaßnahmen eingeleitet
zuletzt aktualisiert: 29.10.2007 - 12:56Leipzig/Dresden (RPO). Nach den heftigen Krawallen am Sonntag im Rahmen der Landesliga-Partie zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Dynamo Dresden II prüft der sächsische Fußball-Verband (SFV) die Strafmöglichkeiten durch das zuständige Sportgericht.
Zudem setzt der SFV auf die Forcierung der Fanarbeit. "Wir warten jetzt die Berichte der Polizei sowie des Schiedsrichters ab und werden dann entsprechend reagieren", sagte Klaus Reichenbach. Der SFV-Präsident informierte am Montagvormittag die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über die Vorfälle am Rande des sächsischen Landesliga-Spieles zwischen Dynamo Dresden II und dem 1. FC Lok Leipzig (2:0), das mit 229 Festnahmen und mindestens zehn Verletzten (darunter vier Polizisten) endete.
"Wir sind informiert und warten die detaillierte Auswertung der Berichte ab", bestätigte DFB-Mediendirektor Harald Stenger. "Die Brisanz der Partie war uns im Vorfeld bekannt. Deshalb stand das Spiel unter der höchsten Sicherheitsstufe." Der DFB hatte extra ein Mitglied des Sicherheitsausschusses nach Dresden beordert. Der SFV setzte im Vorfeld auf intensive Gespräche mit beiden Vereinspräsidien und der Polizei.
Insgesamt 229 Festnahmen
Die hatte die Lage in Sachsens Landeshauptstadt weit besser im Griff als im Februar. Damals waren bei Krawallen in Leipzig 39 Polizisten verletzt worden. In Dresden gingen insgesamt 1200 Beamte hart gegen 600 zum großen Teil vermummte Krawallmacher vor und nahmen 229 (darunter sieben aus Leipzig) fest. Die ersten drei Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung sind bereits eingeleitet worden.
Außerdem, so erklärte die Dresdner Polizei, werden Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz, das Versammlungsgesetz sowie wegen Sachbeschädigung verfolgt. "Die Auswertung des polizeilichen Videomaterials wird noch einige Tage in Anspruch nehmen und erfahrungsgemäß weitere Anzeigen zur Folge haben", erklärte Polizeisprecher Thomas Herbst.
Im Stadion war es bis auf einige abgebrannte Leuchtraketen und Knallkörper friedlich geblieben, so dass Reichenbach den größten Handlungsbedarf bei den beteiligten Vereinen sowie bei der Justiz sieht. Da die Polizei mehrere bereits einschlägig bekannte "Gewalttäter Sport" unter den Festgenommenen identifizierte, sind zusätzliche Stadionverbote zu erwarten.
Bei möglichen zivilrechtlichen Verfahren fordert Reichenbach schärfere Verurteilungen als zuletzt in Leipzig, wo einige der Verfahren mit Mini-Strafen oder Einstellung aus Mangel an Beweisen endeten. Der Verband selbst will sich "vom Weg der kontinuierlichen Arbeit mit den Fans nicht abbringen lassen", erklärte Reichenbach. "Aber Dresden erhält 240.000 Euro für die Arbeit mit den Fans, und wir müssen schon hinterfragen, warum sich noch so wenig bewegt."
Schuld an den Krawallen würden beide Fanlager tragen. Im Vorfeld des Spiels waren in Leipzig Plakate aufgetaucht, die Dresden in den Kriegstrümmern von 1945 mit dem Spruch "Auf nach Dresden" zeigten. Dynamo-Fans wiederum waren auf Zetteln zum "Kampf um Sachsen" aufgerufen worden. Reichenbach sieht ein "Problem, das nur mit der Hilfe der gesamten Gesellschaft zu lösen ist. 1200 Polizisten für 6500 Zuschauer - das ist doch gar nicht mehr verantwortbar".
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