Nach 419 Tagen wieder im Profikader: Alle Augen auf Timo Hildebrand
zuletzt aktualisiert: 14.12.2011 - 15:34Haifa (RPO). Beim Kampf um seine vorerst letzte Chance steht er unter besonderer Beobachtung. Für Timo Hildebrand ist die Reise mit dem FC Schalke 04 zum Spiel der Europa League bei Maccabi Haifa eine ganz besondere.
419 Tage nach seinem letzten Einsatz bei Sporting Lissabon steht der frühere Nationaltorwart wieder einmal in einem Profikader eines Fußballvereins. Weil vor der Partie beim israelischen Meister schon feststeht, dass sich die Schalker für die nächste Runde qualifiziert haben, darf Hildebrand endlich einmal bei den Königsblauen mitspielen. "Ich freue mich natürlich sehr auf die Partie. Sie bietet den Spielern, die bislang wenig Einsatzzeiten hatten, die Chance, sich zu präsentieren", sagte der 32-Jährige.
Stammspieler wie Klaas-Jan Huntelaar, Raúl, Lewis Holtby, Christian Fuchs und Lars Unnerstall durften sich die Reise ersparen und sind zu Hause geblieben - wie auch Trainer Huub Stevens, der sich um seine kranke Mutter kümmert. Punkte hat Schalke genug gesammelt, es reicht für den Sieg in Gruppe J. Zum Wohle des deutschen Fußballs soll ein Erfolg her, damit der vierte Champions-League-Platz für die Bundesliga gefestigt wird.
Aber der Auftritt steht auch unter einem anderen Vorzeichen: Manager Horst Heldt wird in Haifa jene Spieler in Augenschein nehmen, über deren Weiterbeschäftigung er sich Gedanken macht.
Heldt plant den Kader für die nächste Saison
Ciprian Marica, den er geholt hat, obwohl ihn Stevens-Vorgänger Ralf Rangnick nicht unbedingt wollte, steht ebenso auf der Kippe wie Josè Manuel Jurado, der mit zwölf Millionen Euro Ablöse zweitteuerste Einkauf der Vereinsgeschichte ist. Der schon beim FC Bayern gescheiterte Alexander Baumjohann sowie Atsuto Uchida und auch Sergio Escudero werden ebenfalls in Haifa unter der Regie von Assistenztrainer Seppo Eichkorn mitspielen dürfen. Hinter diesen von Felix Magath bei seinem Kaufrausch vor der Saison 2009/10 geholten Profis steht in der künftigen Personalplanung ein großes Fragezeichen.
Heldt und Stevens haben andere Vorstellungen. Die Kaderplanung muss vorangetrieben werden, denn ob Raúl und Jefferson Farfan mit ihren auslaufenden Verträgen beim deutschen Pokalsieger bleiben, ist ungewiss. Dass andererseits immer neue Namen von Spielern, an denen Schalke interessiert sein soll, genannt werden, kann Heldt nicht verhindern. Zuletzt wurden Lukas Podolski, Chinedu Obasi oder Dusan Tadic ins Spiel gebracht. Heldt wundert sich manchmal, wer alles kommen soll. Da Schalke damit im Gespräch ist, werden diese Spekulationen akzeptiert oder - wie im Fall Podolski durch Klubchef Clemens Tönnies - sogar geschürt.
Sprung zurück ins Rampenlicht
Hildebrand, der im Oktober geholt wurde, als sich Ralf Fährmann verletzte, ist einer von denen, deren Vertrag ebenfalls am Saisonende ausläuft. Der Ex-Stuttgarter hoffte, dass er den Sprung zurück ins Rampenlicht schaffen würde. Doch Unnerstall machte seine Sache gut, Stevens hielt zudem in elf von zwölf Fällen am Routinier Mathias Schober als zweiten Torwart fest.
Hildebrand musste zuletzt in der vierten Liga spielen, im U23-Team der Schalker. Früher handelte der gebürtige Wormser öfter undiplomatisch, zuletzt bei seinem Engagement in Hoffenheim. Bei den Schalkern verhielt er sich ruhig, obwohl der Traum von der Rückkehr in die Bundesliga unerfüllt blieb. Noch hat Hildebrand die Hoffnung nicht verloren, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, vorbei an Unnerstall und Schober und vielleicht an Fährmann, wenn der wieder einsatzfähig ist.
Haifa, das wusste er vor dem Anstoß, besaß für ihn eine höhere Bedeutung als für den Verein. "Dass so ein Spiel schwierig wird, ist keine Frage", sagte er. Mit Schwierigkeiten umzugehen, hat Hildebrand in den vergangenen vier Jahren aber gelernt.
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