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Bundesligisten schwächeln
Ausgerechnet Köln hält in Europa die deutsche Fahne hoch

Europa League: Der 1. FC Köln hält die deutsche Fahne hoch
Ungewohntes Gefühl: Die Kölner Spieler lassen sich nach dem Sieg gegen Arsenal feiern. FOTO: rtr, saw
Köln. Bereits zum vierten Mal in dieser Saison hat der 1. FC Köln ein Pokal-Spiel gewonnen und darf auf das Überwintern in Europa hoffen. Der kriselnde "Effzeh" macht sich auf, die deutsche Ehre auf internationalem Parkett zu retten.

Von diesem Sieg gegen den FC Arsenal werden viele in Köln noch ihren Enkeln erzählen. Doch richtig wertvoll ist er nur, wenn er die endgültige Wende beim FC einleitet. Während die leidgeplagten Fans den vereinshistorischen 1:0 (0:0)-Erfolg gegen die Gunners noch lange mit "Europapokaaal"-Gesängen feierten, dachten die Protagonisten schon an das wichtige Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC am Sonntag (18 Uhr/Live-Ticker).

"Ich hoffe, dass wir den Schwung diesmal mitnehmen. Bislang ist uns das leider weniger gut gelungen", sagte Trainer Peter Stöger. Viermal hat sein Team nun in dieser Saison gewonnen, je zweimal in der Europa League und zweimal im DFB-Pokal. In der Liga ist der Tabellenletzte aber nach zwölf Spielen noch sieglos. "Offenbar sind wir eine echte Pokal-Mannschaft", sagte Stöger mit bitterer Ironie. In der Europa League hat Köln als einziger Klub des Bundesliga-Trios noch Chancen auf das Weiterkommen - und dieses mit einem Sieg am 7. Dezember bei Roter Stern Belgrad in eigener Hand.

Deutsche Tristesse auf der Bühne Europa

Während die Kölner also weiter auf ein Überwintern in Europa hoffen dürfen, ist bei den deutschen Klubs Tristesse eingekehrt, was das Auftreten in der Europa League angeht. Der SC Freiburg schied schon vor der Gruppenphase aus. Und nach der verpassten Qualifikation für die Champions League endet das Abenteuer Europa nun auch für die TSG Hoffenheim - wie für Hertha BSC - schon vor der Zwischenrunde der Europa League.

Deren Trainer Julian Nagelsmann brachte nach der 1:3-Niederlage bei Sporting Braga auf den Punkt, was zum Ausscheiden der Kraichgauer geführt hatte. "Wir waren in der gesamten Saison der Europa League nicht gut genug, um ein Weiterkommen zu verdienen. Das Aus geht deshalb in Ordnung", sagte der 30-Jährige, um gleichzeitig aber zu betonen, wie unnötig das Ausscheiden war: "Das ist nicht zufriedenstellend, denn von den Anlagen her hätten wir die Fähigkeiten, um weiterzukommen."

Von solchen Fähigkeiten indes sind sie bei Hertha BSC derzeit ein gutes Stück entfernt. Das bestätigten auch die Aussagen von Trainer Pal Dardai nach dem 2:3 in Bilbao und dem damit verbundenen Aus in der Europa League. "Irgendwann", so sagte Dardai, wolle man auch "eine große Mannschaft werden". Doch für sentimentale Zukunftsträume bleibt dem Cheftrainer von Hertha BSC in den kommenden Wochen noch weniger Zeit als bisher. Auf internationalem Parkett für zu unreif erklärt, im nationalen Pokal schon raus - nun muss zumindest der negative Ergebnislauf in der Bundesliga gestoppt werden.

Das soll nun ausgerechnet gegen den letzten noch mit Hoffnung auf ein Weiterkommen in der Europa League verbliebenen deutschen Klub klappen - am Sonntag (18 Uhr/Live-Ticker) gastiert die Hertha beim 1. FC Köln.  Dessen Torhüter Timo Horn hatte nach einer Sitzung des Mannschaftsrats mit der Vereinsspitze öffentlich "mehr Zug" gefordert und sah sich nach dem Sieg gegen den FC Arsenal bestätigt. "Wir haben endlich den inneren Schweinehund besiegt. Aber gegen Hertha müssen wir den gleichen Kampf an den Tag legen, sonst gibt es wieder ein böses Erwachen."

"Vielleicht war dieses Spiel der Dosenöffner für uns."

Doch eben jene Leidenschaft gegen Arsenals B-Team macht Hoffnung, dass der Hebel nun umgelegt wird. Stöger erkannte einen "hundertprozentigen Arbeitssieg, große Leidenschaft und bedingungslosen Kampf". Dieser ist - gerade angesichts der personellen Situation mit acht verletzten Leistungsträgern - die wichtigste Basis im Abstiegskampf. "Niemand will absteigen, niemand will 2. Liga spielen", sagte Timo Horn: "Da hilft eben nicht immer nur Zuckerbrot." Und sein Namensvetter Jannes Horn meinte: "Vielleicht war dieses Spiel der Dosenöffner für uns."

Die interne Rechnung für den aktuell unwahrscheinlichen Klassenerhalt ist klar: Bis zur Winterpause möglichst viele Punkte aus den drei Heimspielen gegen Berlin, Freiburg und Wolfsburg holen, um den Anschluss zu halten. Und dann mit zwei, drei Verstärkungen eine Aufholjagd starten. Verpflichten soll diese im Optimalfall Horst Heldt. Der gebürtige Rheinländer und Vertraute von FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten ist der Wunsch-Kandidat auf die Nachfolge von Ex-Sportchef Jörg Schmadtke.

Als Belastung will Stöger das Gruppen-Endspiel in Serbien und ein mögliches Weiterkommen aber nicht sehen. "Damit kann ich nichts anfangen. Dann hätten wir uns gar nicht erst für diesen Wettbewerb qualifizieren dürfen." Und selbst, wenn die Kölner am Ende ausscheiden sollten: den Sieg gegen Arsenal kann ihnen keiner mehr nehmen. "In ein paar Jahren werden wir erzählen, dass wir mit Köln mal Arsenal London geschlagen haben", sagte Stöger. Und auch Torhüter Timo Horn war sich sicher: "Davon werden wir noch lange reden."

(tsp/dpa)
 
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