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Europa League
Klopp kommt nach Augsburg

Fotos: Klopp feiert späten Punktgewinn
Fotos: Klopp feiert späten Punktgewinn FOTO: afp, dan
Liverpool/Düsseldorf. Höhepunkt der nächsten Runde in der Europa League werden die Spiele des FC Augsburg gegen den FC Liverpool sein. Die Fans der Reds erlebten den früheren Dortmunder Coach nun erstmals in Hochform. Von Martin Beils

Jetzt kennen die Engländer Jürgen Klopp (48). Sie erlebten ihn so, wie Fußball-Deutschland den Trainer lieben und fürchten gelernt hat. Er fletschte die Zähne, zog durcherregende Grimassen, animierte das Publikum und bepöbelte Journalisten wie einst in Dortmund. "Er feierte das Ausgleichstor, wie es eigentlich einem Siegtor im Champions-League-Finale vorbehalten ist", wunderte sich die Zeitung "Liverpool Echo" nach dem 2:2 gegen West Bromwich Albion, "das war die größte Eruption seit dem Ausbruch des Vesuv." Der Treffer war in der sechsten Minute der Nachspielzeit gefallen. Nach dem Spiel verweigerte Klopp dem Trainer der Gäste den Handschlag. "Das war kein Freundschaftsspiel. Manchmal dauert es länger, um runterzukommen", sagte der frühere Meistertrainer.

Dieser Typ fehlt der Bundesliga. Immerhin kommt er in der Europa League zurück nach Deutschland. Der FC Augsburg, der es auf den letzten Drücker in die Runde der letzten 32 Mannschaften geschafft hat, bekam das große Los. Die bayerischen Schwaben empfangen das Team des gebürtigen Schwaben. Bayer Leverkusen muss sich mit Sporting Lissabon begnügen, der FC Schalke trifft auf Schachtjor Donezk, und Borussia Dortmund bekommt es mit dem FC Porto zu tun.

Den FC Bayern kann das Achtelfinallos nicht erschüttern. In Vorjahresfinalist Juventus Turin bekamen die Münchner den nominell stärksten Gegner zugelost. Kapitän Philipp Lahm kündigte einen "Klassiker, ein schönes Duell zweier Top-Teams" an. Die zweite Achtelfinalpaarung, der belgische Klub KAA Gent gegen den VfL Wolfsburg, ist zwar noch kein Klassiker, aber das kann ja noch werden.

Die Augsburger, die sich gerade eindrucksvoll aus der Abstiegszone der Bundesliga nach oben arbeiten, schlagen Purzelbäume vor Freude. Manager Stefan Reuter jubilierte: "Das ist für uns eine Sensation - Liverpool ist etwas ganz Besonderes." Trainer Markus Weinzierl ordnete ein: "Wir haben Mut und Selbstvertrauen. Jürgen Klopp kennt uns und wird uns nicht unterschätzen. Wir werden gegen Liverpool Außenseiter sein." Allein durch die Personalie Klopp wird die von vielen Klubs, Fans und Fernsehzuschauern gering geschätzte Europa League zur Attraktion.

Der FC Liverpool liegt zwar nur auf Rang neun der Tabelle in der Premier League, und ein Hochgenuss sind die Vorstellungen der Mannschaft um den deutschen Nationalspieler Emre Can und den ehemaligen Hoffenheimer Firminho selten. Doch "the Normal One", wie sich Klopp bei seiner Vorstelllung bei den Reds bezeichnete, hat dem Team innerhalb von drei Monaten wieder Leben eingehaucht. "Er hat ein Haus der Schmerzen in einen Vergnügungsbau umgewandelt", schrieb die "Times".

Kapitän Jordan Henderson erklärte: "Klopp vollbringt keine Wunder. Er überträgt seinen Ethos und seine Arbeitsweise auf die Mannschaft." Die frühe Attacke auf den Gegner, das Gegenpressing unmittelbar nach dem Ballverlust, ist zum Kennzeichen des Liverpooler Fußballs geworden. Der Stil erinnert an die Dortmunder Borussia in ihren besten Jahren. Vielleicht kommt er ja doch zurück zum BVB. Im Achtelfinale oder später.

Quelle: RP
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