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Europa League
Favre dirigiert sein Orchester nun in Nizza

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Düsseldorf. In der Europa League trifft Lucien Favre am Donnerstag auf den FC Schalke 04. Für den Schweizer, der jahrelang als Trainer in der Bundesliga gearbeitet hat, ein Wiedersehen mit dem deutschen Fußball. In seiner neuen Heimat hat Favre einen furiosen Start hingelegt. Von Antje Rehse

Nach seinem überraschenden Rücktritt bei Borussia Mönchengladbach im Oktober des vergangenen Jahres war es erstmal ruhig um Favre geworden. Der Schweizer hatte sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und geduldig auf eine neue Herausforderung gewartet, die ihn reizen könnte. Die kam in Form des französischen Erstligisten OGC Nizza. Bei den Süd-Franzosen unterschrieb Favre Ende Mai einen Drei-Jahres-Vertrag. 

"Ich freue mich, in der Ligue 1 zu arbeiten, in meiner Muttersprache, und auf meine französischen Kollegen zu treffen", sagte Favre bei seinem Amtsantritt. In Nizza habe ihn das Konzept des Klubs, auf junge Spieler zu setzen, überzeugt. Die Qualifikation für die Europa League sei keine Bedingung gewesen, betonte Favre damals. Über die Rückkehr auf die internationale Bühne dürfte er sich trotzdem gefreut haben.

Nach 19-jähriger Abwesenheit spielt Nizza wieder im Europapokal. Es sei "ein ganz besonderes Spiel", sagte Favre vor der Partie gegen Schalke (21.05 Uhr/Live-Ticker). Die Favoritenrolle schob er den Gästen aus Gelsenkirchen zu. Nizza sei nur Außenseiter, sagte Favre. Dabei ist seine Mannschaft hervorragend in die Saison gestartet, während Schalke in der Bundesliga noch auf den ersten Punkt wartet. Nach vier Spieltagen liegt Nizza in der Ligue 1 ungeschlagen auf Platz zwei hinter dem punktgleichen Tabellenführer AS Monaco. Drei Siege, ein Unentschieden stehen zu Buche. 

"Der hört gar nicht mehr auf"

Favre hat in Nizza schon Spuren hinterlassen. Der Mann, für den der Begriff "akribischer Arbeiter" hätte erfunden werden müssen, wenn es ihn nicht schon gegeben hätte, hält auch in Nizza an seinen Methoden fest. "Favre ist wie ein Dirigent eines Orchesters. Er verlangt im Training sehr viel von den Spielern", zitiert die Sporttageszeitung "L'Equipe" eine Person aus dem Umfeld eines Spielers, ohne dessen Namen zu nennen. "Der Spieler, um den ich mich kümmere, ist kein Faulenzer, aber er sagt: 'Der hört gar nicht mehr auf!'" Immer und immer wieder müssten die Spieler Abläufe wiederholen, bis diese richtig sitzen.

Einer, der sich nicht an Favres Arbeitsweise gewöhnen muss, ist Dante. Für den brasilianischen Innenverteidiger war Favre ein Grund, sich Nizza anzuschließen: "Zu ihm habe ich eine besondere Beziehung, wir haben großen Respekt voreinander. Wir haben viel zusammen erlebt, in schweren und guten Zeiten. Ich will weiter von ihm und seiner Philosophie lernen. Er ist eine internationale Größe", sagte Dante im Interview mit "Sky Sport News HD". Favre und Dante haben schon bei Borussia miteinander gearbeitet. Beide wissen, was sie aneinander haben.

Doch da ist ja noch diese andere Herausforderung, die Favre in Nizza zu meistern hat. Kurz vor Abschluss der Transferphase hat der Verein noch einmal zugeschlagen und Mario Balotelli an die Côte d'Azur gelockt. Favre soll Balotelli wieder in die Spur bringen - einen begnadeten Stürmer und Torjäger, der sich aber häufig selbst im Weg steht, über die Stränge schlägt und manchmal sein Luxusleben allzu sehr genießt, ohne an die harte Trainingsarbeit zu denken. Der exzentrische Balotelli und der ruhige Favre: Ob das gut geht?

Zumindest der Auftakt war verheißungsvoll. Direkt in seinem ersten Spiel erzielte Balotelli einen Doppelpack für Nizza und hatte entscheidenden Anteil am 3:2-Sieg im Derby gegen Olympique Marseille. "Er trainiert, hört auf Ratschläge. Ich denke, wir werden weiter gut zusammenarbeiten", sagte Favre. Balotelli selbst hat in Nizza vor allem ein Ziel. "Ich will spielen. Ich habe mit dem Trainer gesprochen und hatte sofort das Gefühl, dass er mich unbedingt will. Ich hoffe, dieses Jahr wird gut für mich laufen." Das hofft mit ihm auch sein neuer Trainer.

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