JETZT im Live-Ticker: Raul und Schalke vor Belastungsprobe
zuletzt aktualisiert: 01.12.2011 - 17:03Gelsenkirchen (RPO). Für Trainer Huub Stevens ist er "ein Familienmensch, der zu Schalke passt", Sportdirektor Horst Heldt nennt ihn "eine Identifikationsfigur", und er selbst fühlt sich einfach nur "sehr wohl". Auf den ersten Blick kommen kaum Zweifel auf, dass die ungewöhnliche Ehe zwischen dem Weltstar Raul und dem Bundesligisten Schalke 04 auch über das Vertragsende am Ende der laufenden Saison hinaus Bestand haben wird.
Doch eine schnelle Einigung wird es wohl nicht geben. Im Januar sollen die Gespräche beginnen. Vieles spricht nicht dafür, dass sich alle Beteiligten schnell in den Armen liegen werden. Denn es geht um Geld und Grundsätzliches.
"Wir werden uns über Gefühle und Befindlichkeiten unterhalten. Wir müssen erst mal grundsätzlich gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht", sagte Heldt. Beide Seiten müssen ausloten, wie belastbar die Beziehung noch ist.
Raul hob vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstagabend gegen Steaua Bukarest (19 Uhr/Live-Ticker) erneut hervor, dass "ich mich auf Schalke sehr wohl fühle", die Zeit für konkrete Gespräche aber noch nicht gekommen sei. Abwehrspieler Christoph Metzelder, schon beim spanischen Rekordmeister Real Madrid Teamkollege des Spaniers, hatte zuletzt verraten, dass sich Raul angeblich sogar eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre vorstellen kann.
Andererseits dürfte Raul auch wissen, dass er einen Status wie unter dem ehemaligen Schalker Allmächtigen Felix Magath, der ihn im Sommer 2010 von Real Madrid ins Ruhrgebiet holte und in jeder Hinsicht zur unantastbaren Person erklärte, nie wieder erhalten wird. Vor allem Ralf Rangnick, zuletzt aber auch Huub Stevens nahmen den Rekordtorschützen der Champions League deutlich mehr in die Pflicht.
"Er spielt schwankend", sagte Stevens nach dem 0:2 im Derby bei Borussia Dortmund der Bild-Zeitung und relativierte dies vor dem Spiel gegen Bukarest nur vorsichtig: "Raul weiß, was ich meine. Er ist auch abhängig von anderen." Statements, die der sensible Spanier genau registrieren wird.
Raul wird eher schweigsam, wenn die Fragen etwas unbequem werden. Zu den Gründen seines Interview-Boykotts zu Beginn der Saison wollte er sich bei der Pressekonferenz vor dem Bukarest-Spiel ebensowenig konkret äußern ("Nun bin ich ja hier") wie zu seiner Entscheidung, die Wahl in den Mannschaftsrat abzulehnen ("Dazu ist alles gesagt").
Zudem wies er auffällig deutlich darauf hin, dass er nur übergangsweise die Spielführerbinde für den verletzten Benedikt Höwedes und Christoph Metzelder, der derzeit bei Stevens keine Rolle spielt, übernimmt: "Ich bin kein Kapitän. Ich bin es nur zur Zeit, weil Spieler verletzt sind oder nicht nominiert werden."
Möglich erscheint im Sommer das Szenario, dass sich Raul - obwohl seine Frau Mamen und die drei Kinder ihre Wahlheimat Düsseldorf sehr liebgewonnen haben sollen - selbst noch einmal umorientiert. Im August lag bereits ein Angebot der Blackburn Rovers vor, das Schalke ablehnte. Dazu wäre der Klub im kommenden Sommer nicht mehr in der Lage.
Für Schalke wird es am Ende wohl eine Frage des Geldes sein und eine nach dem Gegenwert, den ein Profi im reifen Alter noch im Stande ist zu geben. In der vergangenen Saison schoss Raul in 50 Pflichtspielen 19 Tore, in der laufenden sind es in 20 Spielen immerhin auch schon wieder 8 Treffer. Er ist Top-Werbeträger des finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Klubs, andererseits mit geschätzten sechs Millionen Euro Jahresgehalt auch Topverdiener.
"Wir wollen ja nicht Qualität abgeben und weniger Qualität bekommen", antwortete Heldt im Scherz auf die Frage, ob er Raul nicht gegen Cristiano Ronaldo eintauschen würde. Ohne Zweifel wird der Schalker Manager auch mit realistischen Problemstellungen in dieser Personalie mehr als genug zu tun bekommen.
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