Europa-League gegen Larnaca: Schalke und das Torwartproblem
zuletzt aktualisiert: 20.10.2011 - 17:21Nikosia (RPO). Nicht nur weil Ralf Fährmann mit einem Bänderanriss drei Monate ausfällt, hat Schalke 04 ein Torwartproblem. Der 23-Jährige hat bislang noch nicht bewiesen, dass er auf Dauer die unumstrittene Nummer eins sein kann.
Ralf Fährmann sitzt verletzt draußen, Timo Hildebrand ist im Anflug und bringt Zweifel mit - im Jahr eins nach Manuel Neuer plagt Schalke 04 ein veritables Torwartproblem. Dabei geht es beim DFB-Pokal-Sieger nicht nur um einen Ersatz für den verletzten Stammkeeper, sondern um Grundsätzliches. Denn Fährmann hat bislang noch nicht bewiesen, dass er auf Dauer die unumstrittene Nummer eins sein kann.
"Es gibt nur einen Manuel Neuer. Kein Nachfolger hätte Manuels Qualitäten", sagte Trainer Huub Stevens. Die Rückholaktion des 23-jährigen Fährmann verteidigte der Niederländer: "Sie haben mich beim DFB-Pokal-Endspiel, als ich eingeladen war, auch gefragt. Ich habe gesagt: Versucht es mit dem Jungen aus dem Pott."
Schalke forciert Hildebrand-Verpflichtung
Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Timo Hildebrand steht offenbar kurz vor einem Bundesliga-Comeback bei Schalke 04. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, seien sich die Gelsenkirchener mit Hildebrand so gut wie einig. Schalkes Manager Horst Heldt bestätigte, dass der Klub konkret über eine Verpflichtung des 32-jährigen Keepers nachdenke. "Ja, wir beschäftigen uns ernsthaft und intensiv mit Timo Hildebrand", sagte Heldt.
Die Alternative wäre gewesen, "fünf Millionen Euro" zu investieren. "Aber auch dann holst du Manuels Qualitäten nicht zurück." Fährmann habe zu Beginn der Saison stark gespielt, betonte Stevens, der seit dreieinhalb Wochen wieder Cheftrainer auf Schalke ist. "Dann war er verletzt, hatte eine Magen-Darm-Grippe und stand trotzdem im Tor. In den Medien wurden nur die Fehler abgerechnet. Er hat der Mannschaft jedoch geholfen", sagte er.
Doch die Fehler des gebürtigen Chemnitzers, der als 14-Jähriger nach Gelsenkirchen gekommen war, häuften sich zuletzt. Der wackligen Abwehr hat er bislang auch nicht den nötigen Halt gegeben. Die Folge: 15 Gegentore in neun Bundesliga-Spielen - nur sechs Klubs haben mehr kassiert.
Schon im Sommer war den Schalker Verantwortlichen bei der Entscheidung für Fährmann nicht ganz wohl gewesen. Lange sprachen sie auch mit Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann über ein zweites Engagement in Gelsenkirchen. Trainer Ralf Rangnick, so plauderte Lehmann als Co-Kommentator des TV-Senders Sky beim Schalker 1:2 am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern aus, legte damals sein Veto ein. Vor einigen Wochen hieß es dann, Leverkusens Rene Adler stehe auf der Schalker Wunschliste.
Mit der Verpflichtung von Hildebrand könnte Manager Horst Heldt die Personalie Fährmann zumindest teilweise korrigieren. Denn der ehemalige Nationaltorwart, der sich beim Zweitligisten Eintracht Frankfurt fit hält, erhebt klare Ansprüche. "Wenn Timo sich einem Verein anschließt, will er auch sicher sein, dass er spielt", sagte sein Berater Jörg Neblung.
Mehr als eine Übergangslösung soll aber auch Hildebrand nicht werden, denn Heldt stellt klar: "Wenn wir ihn oder einen anderen Torhüter verpflichten, dann reden wir über ein Engagement bis zum Saisonende. Ralf Fährmann ist unsere klare Nummer eins, fällt aber leider für einige Zeit aus."
Ohnehin begleiten Hildebrand Zweifel. Seit dem 4. November 2010 - einem 1:3 mit Sporting Lissabon in der Europa League bei KAA Gent - hat der 32-Jährige kein Pflichtspiel mehr bestritten. Sein letztes Bundesliga-Spiel liegt noch länger zurück: Am 18. April 2010 stand er beim 1:1 in Dortmund zum letzten Mal im Hoffenheimer Tor, ehe er sich mit dem damaligen 1899-Trainer Rangnick überwarf.
Fährmann will trotz mindestens drei Monaten Zwangspause seinen Stammplatz nicht räumen. "Fakt ist, dass ich die Nummer 1 auf dem Rücken trage. Wenn ich wieder gesund bin, dann werde ich die auch wieder verteidigen. Egal, wer da ist - und da genieße ich auch das Vertrauen vom Vorstand und vom Trainer", sagte er Sport1. Ob die Zusage aus der Chefetage noch gilt, wenn am Saisonende der Nationaltorwart Adler ablösefrei zu haben ist, bleibt abzuwarten.
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