Hannover 96 in der Europa League: Slomka ist der Zehn-Sekunden-Mann
zuletzt aktualisiert: 20.10.2011 - 16:57Hannover (RPO). Zurück im Rampenlicht: Mirko Slomka galt in der Bundesliga als schwer vermittelbar. Dann heuerte er bei Hannover 96 an und führte den Abstiegskandidaten in die Europa League. Mit den Niedersachsen mischt er schon wieder die Liga auf - mit einer klaren Spielphilosophie.
Abstiegskampf - damit hatte sich Mirko Slomka schon lange nicht mehr beschäftigt. Doch am Dienstag begab sich der Trainer von Hannover 96 wieder einmal in die Niederungen der Tabelle. Und zwar ganz freiwillig. Von der Tribüne aus beobachtete der 44-Jährige, wie sich die Handballer von Hannover-Burgdorf lange gegen den deutschen Meister aus Hamburg wehrten, um am Ende doch mit 34:37 zu verlieren. "Es macht viel Sinn, sich mal mit anderen Sportarten auseinanderzusetzen", sagt Slomka.
Doch im Gegensatz zu der Mannschaft seines Kumpels Christopher Nordmeyer muss Slomka mit 96 in dieser Saison wohl nicht mehr um den Klassenerhalt zittern. "Es gab ja viele Skeptiker, als ich in Hannover angefangen habe. Niemand hat so recht daran geglaubt, dass ich es mit 96 schaffen kann", sagt Slomka, "mittlerweile gibt es hier große Akzeptanz und Respekt. Das tut gut, das gebe ich gern zu." Innerhalb eines Jahres hat der ehrgeizige Fußball-Lehrer den Fast-Absteiger auf Erfolgskurs getrimmt und gleichzeitig seinen Ruf poliert.
So verblüffend der vierte Tabellenplatz aus der vergangenen Saison erscheinen mag. Dass die Niedersachsen jetzt schon wieder Siebter sind - bei nur zwei Punkten Rückstand auf Rang zwei - ist nur auf den ersten Blick noch überraschender.
Slomka und Manager Jörg Schmadtke haben es geschafft, den jungen und hungrigen Kader komplett zusammenzuhalten und mit Christian Pander sogar noch sinnvoll verstärkt. "Wir haben viele Variationsmöglichkeiten", sagt Slomka, "ich habe keine Sorgen vor einem Einbruch."
Was ihn da so sicher macht? "Es gibt einen wesentlichen Aspekt: die Fitness", sagt Slomka, "das, was uns ausmacht, sind die Sprints." Im Training lässt der studierte Mathematik- und Sportlehrer in verschiedenen Variationen immer wieder die gleichen Abläufe trainieren: kompakte Verteidigung, Balleroberung und dann im höchsten Tempo nach vorn spielen. Wird der Angriff nach zehn Sekunden nicht abgeschlossen, wird er abgepfiffen. "Er hat eine ganz klare Vorstellung, wie unser Spiel auszusehen hat", sagt Pander.
Mit diesem Tempo-Fußball begeistert Slomka nicht nur die 96-Fans. Dabei galt er vor drei Jahren schon als gescheitert. Bei Schalke 04 wurde er im April 2008 vom Hof gejagt, danach gab es für den zweifachen Familienvater erst gar keine Angebote - oder aber aus seiner Sicht zu unattraktive (Arminia Bielefeld). 21 Monate Arbeitslosigkeit waren erst beendet, als sich Hannover im Januar 2010 nur angesichts großer Not und trotz großer Vorbehalte entschlossen hatte, den schwer vermittelbaren Slomka zu engagieren.
Selbst die Krise zu Beginn der vergangenen Saison, als Slomka nach dem Pokal-Aus beim Amateurklub SV Elversberg schon fast entlassen war, ist längst vergessen. "Im Fußball geht es ganz schnell. In beide Richtungen", sagt Slomka. Doch Abstiegskampf will er nur noch von der Tribüne beobachten.
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