Europa League: Stevens tut Schalke gut
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 03.11.2011 - 12:22Gelsenkirchen (RP). "Die Sonne scheint wieder", sagte Jermaine Jones am 27. September nach dem ersten Training unter Schalkes neuem Coach Huub Stevens. Man durfte vermuten, dass der aus Frankfurt/Main stammende Profi, der heute seinen 30. Geburtstag feiert, damit nicht nur auf die Sonne über dem Übungsgelände anspielte, sondern auch auf die Verpflichtung des Niederländers.
Und seit Stevens der Chef auf Schalke ist, hat sich der US-Nationalspieler einen Stammplatz im Team des Pokalsiegers gesichert. Der 57-Jährige, da gibt es keine Zweifel, hält große Stücke auf einen Fußballertyp wie Jones, der als Abräumer im zentralen defensiven Mittelfeld zur Sache geht, um mit seinem körperbetonten Zweikampfverhalten Gegnern den Schneid abzukaufen. Auch auf die Gefahr hin, mit dem robusten Spiel Gelbe Karten zu provozieren.
Schalke agiert beachtlich gut auf drei Feldern: Mit einem Sieg gegen AEK Larnaka (Zypern) kann das Team möglicherweise schon heute (21.05 Uhr/Sat.1) den Einzug in die K.o.-Runde der Europa League perfekt machen (Hinspiel 5:0). Im DFB-Pokal hat der Titelverteidiger das Achtelfinale erreicht, im Dezember allerdings die schwere Hürde in Mönchengladbach zu meistern.
Dass die Königsblauen in der Bundesliga die Gruppe der Mannschaften unter dem bisher so souverän aufspielenden Spitzenreiter aus München anführt, liegt nicht allein an ihrer offensiven Durchschlagskraft mit dem in der Liga bereits zehnmal erfolgreichen Klaas-Jan Huntelaar und Publikumsliebling Raúl; nur die Bayern (30) haben mehr Tore erzielt als Schalke (22).
Die Defensive zeigt Stabilität, nachdem Stevens als Folge der 1:2-Heimniederlage gegen Kaiserslautern die Viererkette umbesetzt und stabilisiert hat. Die jungen Kyriakos Papadopoulos (19) und Joel Matip (20) bilden die Innenverteidigung, Kapitän Benedikt Höwedes spielt nun den Part auf der rechten Außenbahn wie in der Nationalelf. "Wir haben eine ganz klare Ansprache bekommen, dass das, was wir da defensiv gemacht haben, so nicht tragbar ist", erklärt Höwedes die Konsequenzen aus dem Rückschlag gegen Kaiserslautern.
Auch Jermaine Jones und Lewis Holtby haben im zentralen defensiven Mittelfeld ihren Anteil an der gefestigten Abwehrarbeit. Doch Horst Heldt nennt noch einen zweiten Grund, weshalb in Gelsenkirchen die Sonne scheint. "Er bringt die nötige Disziplin rein, die die Mannschaft braucht", sagt Schalkes Manager über Huub Stevens. "Auf der anderen Seite ist er so erfahren und gelassen, dass er den Spielern genügend Leine lässt. Und die wissen, wie weit sie gehen können. Wenn sie darüber hinausgehen, könnte er knurrig werden."
In diesem Punkt scheint der Niederländer notfalls noch ganz der Alte zu sein, wenngleich er gelegentlich andeutet, dass er auch schelmisch sein kann und ein Mann mit einer gehörigen Portion Mutterwitz ist.
Das ist gut für Königsblau. Und wie das Wirken seines Kollegen Jupp Heynckes (66) beim FC Bayern ist es der Beweis dafür, dass auch Männer ihrer Generation, erfahrene Fußballlehrer, erstklassige Arbeit abliefern. Der Hype um die angeblichen "Konzepttrainer" wie Robin Dutt (Leverkusen) und Thomas Tuchel (Mainz) flaut dagegen allmählich wieder ab, weil sie derzeit nicht mehr auf einer Welle des Erfolgs schwimmen. Was sollte diese Wortschöpfung denn auch? Als hätten ältere Kollegen nie mit Konzepten und teilweise sogar exzellenten Ergebnissen gearbeitet.
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