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Dreifachbelastung für Überraschungsteams
"Klagen wäre doch absurd"

Köln feiert Europapokal-Einzug
Köln feiert Europapokal-Einzug FOTO: dpa, jg fdt
Düsseldorf. Ein Jahr kämpfen Fußballvereine um die Teilnahme am Europacup. Viele träumen jahrelang von einer erstmaligen Qualifikation. Und wenn es so weit ist, klagen viele über die Dreifachbelastung. Die überraschenden Teilnehmer in diesem Jahr gehen das Thema anders an.

Auf den scherzhaften Rat seines Managers hat Peter Stöger nicht gehört. "Ich habe mit unserem Trainer abgesprochen, dass wir im Pokal in der ersten Runde ausscheiden", hatte Jörg Schmadtke, Sportchef des Bundesligisten 1. FC Köln, nach ständigen Nachfragen zur Dreifachbelastung irgendwann geantwortet. "Dann wird es nicht ganz so heftig."

Die Kölner setzten sich trotzdem mit 5:0 bei der Leher TS durch und sind weiter in drei Wettbewerben aktiv: Liga, Pokal und zum ersten Mal seit 25 Jahren auch im Europacup. Dass dies ungewohnt ist, eint den FC mit einigen anderen Klubs. Denn von den Dauerstartern sind in diesem Jahr nur Bayern München und Borussia Dortmund im Europapokal dabei.

Neben RB Leipzig startet auch 1899 Hoffenheim zum ersten Mal überhaupt im Europacup. Sollten sich die Kraichgauer in den Play-offs gegen den FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp durchsetzen, würden sie wie RB ihr Debüt gleich in der Champions League absolvieren. Hertha BSC steht erstmals seit acht Jahren wieder in der Gruppenphase der Europa League. 

Freiburg bereits gescheitert

Für den SC Freiburg ist die vierte Europacup-Teilnahme der Vereinsgeschichte nach dem Aus in der Qualifikation gegen Domzale dagegen schon beendet. "Jetzt haben wir wenigstens Zeit zum Arbeiten", sagte Trainer Christian Streich ironisch. Doch die Freiburger waren frustriert. "Das tut weh", sagte Nils Petersen.

Bei den teilnehmenden Vereinen hört man keine Klagen über die Dreifachbelastung. "Das wäre doch absurd", sagte Schmadtke. "Wir haben die ganze Zeit dafür gearbeitet, da werden wir uns nicht beschweren." Leipzigs Kapitän Willi Orban fragte: "Warum sollten wir darüber klagen? Wir haben uns alles hart erarbeitet und werden jedes Spiel genießen."

Auch Hertha-Coach Par Dardai empfindet die zusätzlichen Spiele nicht als Last. "Zu spielen ist immer Lust", entgegnete er. Er gab aber zu bedenken: "Danach die Reise ist scheiße. Auf der Hinreise bist du motiviert, bei der Rückreise willst du nur schnell zu Hause sein. Das ist immer zäh."

Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl erklärte: "Wir haben nur eine Aufgabe mehr unter der Woche." Der Arbeitsalltag verändere sich eben ein bisschen, sagte er dem Magazin "Socrates". Einige Randaspekte werden gleichfalls anders sein. Er trage in der Champions League wohl einen Anzug statt Trainingsklamotten und wolle sein Englisch verbessern. Dardai berichtete von "einem gesamten großen Korb" an Kleinigkeiten, die man ändern müsse. "Die Regeneration werden wir anders machen, beim Schlaf muss man aufpassen, mit dem Essen, mit den Reisen."

Doch zeigte die Vergangenheit auch immer wieder, dass Vereine ohne Erfahrung mit der Teilnahme an drei Wettbewerben in die Abstiegszone abrutschten. Oder wie Freiburg 2002 und Bochum 2005 sogar in die 2. Liga mussten. Augsburg rutschte zuletzt nach der ersten Europacup-Teilnahme vom fünften auf den zwölften Platz ab, Mainz im Vorjahr vom sechsten auf den fünfzehnten.

"Bei vielen Klubs, die erstmals im Europapokal dabei waren, ist es ja dann in der Saison in der Liga nicht so gut gelaufen", sagte Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Er kündigte deshalb an, "vielleicht mal mit dem einen oder anderen Trainer telefonieren" zu wollen. "Aber mal ehrlich: Es macht sicher nicht viel Sinn, bei Carlo Ancelotti anzurufen. Der Kader der Bayern ist ein ganz anderer." Ihre Erfahrungen müssen eben letztlich alle selbst machen.

(seeg/dpa)
 
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