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Wolfsburg macht es vor
So einfach ist es, Real Madrid zu schlagen

So wird Real Madrid nach der Pleite in Wolfsburg im Netz verspottet
So wird Real Madrid nach der Pleite in Wolfsburg im Netz verspottet
Wolfsburg. In der Meisterschaft spielt der VfL Wolfsburg eine enttäuschende Saison. Ganz anders in der Königsklasse. Gegen die "Galaktischen" präsentierte sich der Bundesligist als Mannschaft. Vor allem Henrique hatten die abwehrschwachen Spanier nicht auf der Rechnung. Von Bernd Jolitz

Im Medienraum der Wolfsburger Arena herrscht hektische Betriebsamkeit unter den spanischen Journalisten. Einige schnattern aufgeregt in ihre Handys, andere hacken derart auf ihre Tastaturen ein, dass es einem um die weitere Funktionsfähigkeit der Geräte angst und bange werden kann. Das Resultat kann man tags darauf in den iberischen Gazetten lesen. Von Desaster, Katastrophe und Fiasko ist da die Rede, von Panik und einer alptraumhaften Nacht in der Champions League.

Ein paar Meter von dem Ort entfernt, an dem diese apokalyptischen Zeilen entstehen, plaudert einer der Hauptverantwortlichen für das Geschehene ganz locker darüber. Naldo, der nach fünf Wochen Pause wegen einer Schultereckgelenksprengung zurückgekehrte Abwehrchef, hat mit dem VfL Wolfsburg soeben Real Madrid im Viertelfinal-Hinspiel 2:0 geschlagen. "Wir hatten eine Mannschaft auf dem Platz", sagt der Deutsch-Brasilianer lächelnd, "eine wirkliche, echte Mannschaft. Und irgendwann haben wir auf dem Platz gemerkt, dass wir Real bezwingen können."

Neben Naldo steht der zweite Schlüsselspieler des Abends, und praktischerweise fungiert der lange Innenverteidiger als Übersetzer. Mit dem Ball kann Bruno Henrique besser umgehen als mit der für ihn noch frischen deutschen Sprache. Erst am 29. Januar ist der 25-Jährige vom brasilianischen Klub Goiás EC nach Wolfsburg gekommen und hat bei seiner Startelf-Premiere seinem Landsmann Marceló einen Abend beschert, der schlimmer war als jeder Alptraum. "Ich bin sehr zufrieden", sagt er schüchtern zu Übersetzer Naldo. "Ich habe große Vorfreude gespürt, als Brasilianer gegen den berühmten Marceló zu spielen. Ich wusste um seine Qualitäten, aber ich habe auch versucht, meine Stärken auf den Platz zu bringen."

Der Versuch ist geglückt. Als seine "Geheimwaffe" bezeichnet VfL-Trainer Dieter Hecking kurz darauf seinen Rechtsaußen. Dessen Amtskollege bei Real, Zinédine Zidane, hat diese Waffe entweder nicht gekannt oder ihre Gefährlichkeit unterschätzt. Jedenfalls reagierte der französische Star auch dann nicht, als Henrique Marceló zum gefühlt 20. Mal mit demselben Trick düpierte: im Rücken des defensivschwachen Selecao-Stars entwischen und dann vom überragenden Julian Draxler steil geschickt werden.

"Real hatte Bruno offenbar nicht auf dem Zettel", sagt Hecking lächelnd. "Zudem ist es uns gelungen, Toni Kroos und Luka Modric aus dem Spiel zu nehmen. Wenn diese beiden Reals schnelle Spitzen mit ihren Pässen in Szene setzen, wird es gefährlich." So jedoch blieben diese Spitzen stumpf. Gareth Bale versuchte noch mehr als Cristiano Ronaldo, doch auch der Waliser kam durch die von Naldo glänzend organisierte Deckung nicht hindurch. "Unser Doc hat gezaubert, dass ich meiner Mannschaft wieder helfen konnte", sagt der 33-Jährige. "Aber wir wissen, dass Real zu Hause sehr stark und jetzt auch wütend ist. Wir haben noch 90 Minuten." Und in denen werden die Madrilenen alles versuchen,doch noch ins Halbfinale einzuziehen. Dafür müsste Zidane seine Hausaufgaben besser erledigen als im Hinspiel.

Quelle: RP
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