Erstes Geständnis im Wettskandal: Ex-Osnabrücker Schuon packt aus
VON GIANNI COSTA UND WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 09:13Bochum/Düsseldorf (RP). Im Polizeipräsidium Bochum wird in diesen Tagen besonders viel über Fußball geredet. Die Beamten erhalten ihre Informationen aus erster Hand. Was sie da erfahren, stellt der Branche auf dem Kontinent kein sonderlich gutes Zeugnis aus. Es geht um Wettbetrügereien im ganz großen Stil.
Vermutlich 32 Partien sollen im Laufe dieses Jahres verschoben worden sein. Im Kommissariat 21 des Fachbereichs Organisierte Kriminalität hat nun der erste Profi-Fußballer gestanden, in die Planungen von Manipulationen verwickelt gewesen zu sein.
Der Ex-Osnabrücker Marcel Schuon, 24, räumte im Beisein seines Anwalts Siegfried Kauder eine Verstrickung ein. "Er hat die Spielmanipulation mit einem Auftraggeber verabredet", bestätigt der Jurist. "Zur Manipulation ist es nicht gekommen." Konkret geht es um den Auftritt der Niedersachsen in der vergangenen Zweitligasaison beim FC Augsburg (0:3).
Schuon habe früh in der Partie gemerkt, dass er als Mittelfeldspieler alleine nichts ausrichten könnte. Zufälligerweise ist dennoch das "richtige" Ergebnis am Ende herausgekommen, was seinem Mandaten vor Schlimmerem bewahrt habe. Denn die Drahtzieher hätten den ehemaligen Junioren-Nationalspieler wegen hoher Wettschulden in der Hand gehabt. Die erließ man ihm durch die Zusammenarbeit.
Strafrechtlich gesehen, so Kauder, habe sich Schuon dadurch der so genannten Verbrechensabrede schuldig gemacht. Belangt wird er dafür aber nicht. Wegen seiner Aussage wird es nicht zu einer Hauptverhandlung kommen. Der Abwehrspieler hat den Ermittlern die Namen seiner Auftraggeber genannt. Die hatten versucht, ihren Komplizen für weitere Manipulationen einzuspannen. Doch Schuon habe betont, dass er das "nicht könne und nicht wolle". Sein Geständnis hat ihm jetzt den Job gekostet. Der frühere Amateurmeister SV Sandhausen hat Schuon fristlos gekündigt.
Eine weitere Spur im Wettskandal führt nach Düsseldorf. Nach Informationen unserer Zeitung ist in der vergangenen Woche der Inhaber eines Cafés neben einem Wettbüro verhaftet worden. Der 57-Jährige mit Wohnsitz in Mönchengladbach soll im Rahmen einer Telefonüberwachung aufgeflogen sein, als er mit einer internationalen Tätergruppe über mögliche Manipulationen gesprochen hat. Dabei soll es um Spiele des Regionalligisten SC Verl gegangen sein. Bekannt sind Manipulationsversuche bei den Begegnungen gegen Borussia Mönchengladbach II (4:3) und 1. FC Köln II (0:1).
Nach Recherchen des ARD-Magazins "Fakt" soll es nach dem Hoyzer-Skandal 2005 wieder zu Betrügereien von der 2. Bundesliga abwärts gekommen sein. 60 Begegnungen könnten betroffen sein. Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia vor zwei Jahren angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der 2. Liga. Die vier Absteiger hießen Rot-Weiss Essen, SpVgg Unterhaching, Wacker Burghausen und Eintracht Braunschweig.
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