2. Bundesliga 17/18 2. Bundesliga
| 11.21 Uhr

Aufsteiger siegt in Bremen
Ingolstadt schreibt Geschichte – Hasenhüttl kann nicht hinsehen

Hasenhüttl versteckt sich vor Elfmeter in der Nachspielzeit
Hasenhüttl versteckt sich vor Elfmeter in der Nachspielzeit FOTO: Screenshot Sky
Bremen . Mit einem Last-Minute-Sieg bei Werder Bremen hat Aufsteiger FC Ingolstadt einen Bundesliga-Rekord aufgestellt – und Claudio Pizarro ganz nebenbei die Rückkehr ins Weserstadion verdorben.

Die No-Name-Truppe des FC Ingolstadt versuchte alles, die Bedeutung des Bundesliga-Rekords herunterzuspielen – doch ausgerechnet aus dem sonst so besonnenen Ralph Hasenhüttl platzte es heraus. "Das ist sensationell, keine Frage", sagte der Vater des Ingolstädter Bundesliga-Märchens nach dem durchaus verdienten 1:0 (0:0) bei Werder Bremen: "Wir haben Geschichte geschrieben, da sind wir sehr, sehr stolz drauf."

Drei Siege in den ersten drei Auswärtsspielen - das hatte in der 52-jährigen Liga-Geschichte noch kein Aufsteiger geschafft. Der FCI schaffte es. Die Belohnung: Trotz eines negativen Torverhältnisses (3:4) findet sich der bayerische Underdog nach fünf Spieltagen plötzlich auf den Europacup-Plätzen wieder.

"Ich habe eine Truppe, die unheimlich leidenschaftlich arbeitet, die den Plan millimetergenau verfolgt. Da kann man nur stolz sein", meinte Hasenhüttl bei Sky. "Von solchen Rekorden bekomme ich nicht mehr Geld oder mehr Follower bei Instagram, sagte Verteidiger Alfredo Morales, der aber immerhin eine "coole Momentaufnahme" ausmachte. Als Chef-Pragmatiker gab sich unterdessen Präsident Peter Jackwirth: "Dieser Rekord ist nur etwas wert, wenn wir am Ende der Saison 40 Punkte auf dem Konto haben."

Ganz überraschend kommt der dritte 1:0-Auswärtssieg des aufmüpfigen Aufsteigers beileibe nicht: Ingolstadt verlor seit Hasenhüttls Amtsantritt im Oktober 2013 von 32 Auswärtsspielen gerade einmal zwei.

Nach Mainz und Augsburg bekam diesmal Werder die Ingolstädter Tugenden zu spüren. Mit frühem und aggressivem Pressing gingen die Schanzer den Werder-Profis um Rückkehrer Claudio Pizarro gehörig auf die Nerven und setzten mit schnellen Kontern immer wieder Nadelstiche. Der späte Siegtreffer durch einen verwandelten Foulelfmeter von Moritz Hartmann (90.+3) nach einem völlig unnötigen Foul von Assani Lukimya war vom Zeitpunkt her zwar glücklich, aber keinesfalls unverdient. Trainer Hasenhüttl sah bei der Ausführung des Strafstoßes nicht zu, er verschnazte sich stattdessen hinter der Trainerbank im Weser-Stadion.

"Wir müssen jetzt die Kirche im Dorf lassen", sagte Torhüter Ramazan Özcan, der auch bei seinem vierten Liga-Einsatz (als einziger Bundesliga-Torwart) ohne Gegentor blieb, aufgrund der Ingolstädter Rotation aber nicht einmal weiß, ob er auch am Dienstag gegen den Hamburger SV im Kasten stehen wird. "Ich werde das Spiel mit unserem Torwarttrainer analysieren und dann werden wir sehen", sagte der Österreicher bescheiden.

Im Lager der Bremer herrschte nach dem nicht einkalkulierten Dämpfer dagegen miese Stimmung. Die Rückkehr von Pizarro ins Weserstadion hatten sich Fans, Spieler und Verantwortliche anders vorgestellt. "Auf dem Platz haben wir nicht unsere Aufgaben erledigt", sagte der Peruaner angefressen und sprach von einer "verdienten Niederlage".

Exakt 1232 Tage nach seinem letzten Heimspiel für Grün-Weiß am 5. Mai 2012 wurde Pizarro zur zweiten Halbzeit eingewechselt, konnte der Partie als Spielmacher aber im Gegensatz zur vergangenen Woche (3:1 bei 1899 Hoffenheim) nicht die entscheidende Wende geben.

"Fußball ist kein Wunschkonzert", sagte Werder-Trainer Viktor Skripnik zerknirscht. Nach zuvor zwei Siegen wurmte ihn das Auftreten seines Teams. "Es gab einige Aktionen, da hätte ich mir mehr Biss gewünscht", so Skripnik: "Wir sind alle frustriert und sauer, aber die schlechte Laune muss raus, am Dienstag geht es schon weiter." Bei Darmstadt 98 muss Skripnik dann zu allem Überfluss auf Philipp Bargfrede verzichten. Der Mittelfeld-Abräumer sah in der fünften Minute der Nachspielzeit wegen groben Foulspiels die Rote Karte.

(sid)
 
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