1. Bundesliga 17/18
| 22.02 Uhr

"Reisende kann man aufhalten"
Höwedes verabschiedet sich mit Spitze gegen Tedesco

Weiß und Schwarz statt Königsblau: Als Benedikt Höwedes im eleganten weißen Hemd aus der Limousine stieg, ertönte lauter Jubel. Die Fans von Juventus Turin riefen seinen Namen, Höwedes schrieb fleißig Autogramme, er posierte geduldig für Selfies - und der Ärger auf Schalke schien in diesem Moment ganz weit weg.

Am Mittwochvormittag absolvierte der 29-Jährige den obligatorischen Medizincheck bei seinem künftigen Arbeitgeber, Höwedes wirkte glücklich und gelöst wie lange nicht. Nach seiner Degradierung beim Bundesligisten flieht der Ur-Schalker aus dem Revier nach Norditalien, zum Verein von Weltmeister-Kollege Sami Khedira.

"Ich bin überwältigt. Juve ist so ein großer Klub für mich", sagte Höwedes: "Ich habe mit Sami gesprochen, bevor ich hierhin gekommen bin. Er hat mir nur gesagt: Du musst kommen, weil es hier so schön ist. Das ist ein großer Tag für mich." Zunächst wird Höwedes für ein Jahr auf Leihbasis nach Turin wechseln, Juve zahlt dafür nach eigenen Angaben 3,5 Millionen Euro. Der italienische Rekordmeister sicherte sich aber eine Kaufoption über maximal 16 Millionen Euro.

Der in Gelsenkirchen nach sechs Jahren als Kapitän abgesetzte und sportlich infrage gestellte Höwedes wagt einen neuen Anlauf. Am Mittwochnachmittag meldete Juve Vollzug: Zunächst wird Höwedes auf Leihbasis nach Turin wechseln. Der italienische Rekordmeister sicherte sich aber eine Kaufoption.

Der in Gelsenkirchen nach sechs Jahren als Kapitän abgesetzte und sportlich infrage gestellte Höwedes wagt einen neuen Anlauf. Vertrauen hatte er auf Schalke zuletzt nicht mehr gespürt. "Das Kapitänsamt ist nur ein Teil davon. Reisende kann man aufhalten, wenn man will", schrieb Höwedes bei Twitter in Richtung seines Ex-Trainers Domenico Tedesco.

"Es war keine einfache Entscheidung für uns, aber aufgrund der großen Verdienste von Benedikt Höwedes wollten wir seinen Wunsch, zu Juventus Turin zu wechseln, nicht ablehnen und haben daher einer Ausleihe zugestimmt", sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel. Höwedes twitterte: "Ich gehe als Spieler, aber bleibe als Fan."

Die Erwartungen in Italien sind hoch: Höwedes soll die Lücke füllen, die der zum AC Mailand abgewanderte Abwehrchef Leonardo Bonucci hinterlassen hat.

Dass man ihm eine solche Aufgabe zutraut, wird Höwedes stolz machen. Denn auf Schalke spürte er diese Wertschätzung nicht mehr. Dort sah er unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco offenbar keine Perspektive mehr. Der Coach hatte Höwedes nicht nur als Kapitän abgesetzt, sondern ihn auch in den Pflichtspielen nicht berücksichtigt.

Höwedes trug die Entscheidung mit Fassung, er zog aber auch seine Konsequenzen. Logisch - schließlich steht in knapp zehn Monaten die WM in Russland an, und Bundestrainer Joachim Löw hat jüngst "den härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben" angekündigt.

Da hätte Höwedes als Bankdrücker auf Schalke natürlich wenig Argumente. Ganz im Gegensatz zum Schritt, nach Turin zu gehen: Hier kann er nicht nur beweisen, dass er als Persönlichkeit in einer neuen Umgebung zurechtkommt, er misst sich auch regelmäßig in der Champions League mit den besten Spielern der Welt.

Schalke 04 gibt dagegen seinen Führungsspieler und das bisherige Gesicht der Mannschaft ab. Höwedes' leidenschaftliche Spielweise, der Kampfgeist, seine Loyalität - das gefiel nicht nur den Fans, das passte einfach zu Schalke und der gesamten Region. Als Manuel Neuer 2011 zum FC Bayern ging, war es fast logisch, dass Höwedes, der 2001 zur Schalker Jugend kam, die Binde übernahm.

Und egal wer in den turbulenten Jahren auf Schalke auch auf der Trainerbank saß, Benedikt Höwedes blieb als eine der wenigen Konstanten Spiel- und Wortführer - bis Tedesco kam und mit einer seiner ersten Amtshandlungen Ralf Fährmann zum Kapitän machte.

(sid)
 
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