1. Bundesliga 16/17
| 08.44 Uhr

Manager wechselt nach Schalke
Heidels Weggang ist für Mainz ein herber Verlust

Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Klopp-Entdecker, Schalke-Manager
Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Klopp-Entdecker, Schalke-Manager FOTO: dpa, ve fdt
Mainz. Der FSV Mainz 05 ist für Christian Heidel eine Herzenssache – und darum fiel es ihm auch so schwer, loszulassen. Dass ein 52-Jähriger nach 24 Jahren im Verein den Wunsch nach Neuem hegt, ist Heidel nicht zu verdenken.

Schalke 04 bietet die größere Bühne, aber wesentlich mehr Gefahren für den dienstältesten Manager der Bundesliga. Ruhe und ein familiäres Umfeld wie in seiner Heimatstadt sind selten bei einem großen Klub wie in Gelsenkirchen.

Die Eintrittskarten wurden noch mit D-Mark bezahlt, als Heidel 1992 in Mainz als sportlicher Leiter anfing. Mit einem seit Jahrzehnten fast identischen Vorstand um Präsident Harald Strutz hat er das Sagen. Er hat sich seine Machtfülle erarbeitet, besitzt ein überragendes Netzwerk, ist eloquent und verschwiegen. Seine Beziehungen nutzt der ehemalige Autohändler geschickt, um günstig Spieler zu verpflichten und sie nach erfolgreicher Ausbildung teuer zu verkaufen. "Niemand hätte uns vor einigen Jahren zugetraut, einmal die 100-Millionen-Umsatzmarke zu knacken", erklärt Heidel gern. In der laufenden Saison ist es soweit.

Aus einem maroden Klub schuf der Mainzer Macher, der selbst nur ganz mäßig kicken konnte, einen florierenden Erstligisten. Die Karrieren von Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und jetzt Martin Schmidt wären ohne ihn nicht ins Rollen gekommen. Sportlich ist Mainz 05 anerkannter Weiterbildungsverein und Heidel der Transferkönig. Spieler wie Weltmeister André Schürrle, Adam Szalai, Johannes Geis und Shinji Okazaki profitierten und spülten Geld in die Kasse. In Yoshinori Muto und Yunus Malli stehen die nächsten längst im Schaufenster.

Meisterschaften gab es nicht zu feiern, aber für Heidel sind andere Erfolge so wie Titel. "Wir haben in zehn Jahren zwei Stadien gebaut. Das erste ist abbezahlt, das zweite zum großen Teil. Unser Nachwuchsleistungszentrum ist mit drei Sternen zertifiziert. Wir haben dreimal europäisch gespielt, wir standen seit dem Wiederaufstieg nie auf einem Abstiegsplatz. Das sind Titel für mich", betonte der künftige Schalker.

Fertig ist Heidel in Mainz auch nach 24 Jahren eigentlich nicht, dennoch geht er. Er hat die Neuausrichtung der Führung angemahnt. Angedacht sind ein hauptamtlicher Vorstand und ein Aufsichtsrat. Umgesetzt werden kann ein solches Modell aber erst 2017, weil die Mitglieder ein Wörtchen mitreden. Heidel hinterlässt Fußstapfen in Übergröße. Mit der Inthronisierung eines neuen Managers ist es nicht getan. Der FSV Mainz 05 braucht weitaus mehr Schultern, um den Verlust seines besten Mannes ausgleichen zu können.

(dpa)
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