1. Bundesliga 16/17
| 15.41 Uhr

Königsblau noch zu grün
Schalkes Trost ist die Zukunft: "Dann schießen wir sie weg!"

Der Trost des FC Schalke 04 ist die Zukunft: "Dann schießen wir sie weg!"
Einer der jungen Wilden: Leroy Sane FOTO: dpa, gki tmk
Der Trost ist die Zukunft. Schalke 04 beschwört nach der Niederlage gegen Bayern München seine Perspektive.

Die Gegenwart ist trostlos - also tröstet sich Schalke 04 mal wieder mit der Zukunft. "Die werden älter, wir werden erfahrener, und irgendwann schießen wir sie aus dem Stadion!", sagte Sportvorstand Horst Heldt nach dem achtbaren 1:3 (1:1) einer königsblauen Rasselbande gegen den übermächtigen Rekordmeister Bayern München. Dann lachte er herzhaft über seinen Spruch.

Seine Aussage war nur ein Scherz, aber sie hat einen wahren Kern. Kein Offizieller oder Spieler war nach dem siebten Pflichtspiel in Serie ohne Sieg zu finden, der nicht in höchsten Tönen die Perspektive dieser Mannschaft besungen hätte. Daraus ergab sich die Erklärung für die Niederlage: Die Königsblauen waren für die großen Bayern an diesem Samstagabend noch zu grün.

Das Erzählmotiv von den Jungs, die gegen Männer spielten, war allgegenwärtig. "Wir sind noch recht jung und unerfahren", sagte Heldt, und Torhüter Ralf Fährmann sprang ihm zur Seite, als wäre es abgesprochen worden. "Wir haben eine Negativserie, klar. Aber unsere jungen Spieler sammeln Erfahrung und verbessern sich", sagte der 27-Jährige. "Wir brauchen Zeit. Alles läuft komplett in die richtige Richtung."

Fotos: FC Schalke 04 - FC Bayern München FOTO: afp, bb

In der Tat: Schalke spielte mit einem Vierer-Mittelfeld, das im Durchschnitt 19,75 Jahre alt ist - und das dennoch auf erfrischende Weise andeutete, wie man dem FC Bayern beikommen kann: mit Leidenschaft, Härte, Einsatz, Spielwitz. Was Leroy Sane (19) vor dem 1:1 (17.) mit fünf Bayern-Spielern anstellte, war großartig. Max Meyer (20) vollendete. Zudem spielten im Mittelfeld von Andre Breitenreiters 5-4-1-System Leon Goretzka (20) und Pierre-Emile Höjbjerg (20). Am Ende kam sogar noch Fabian Reese (17) hinzu, der Sekunden später eine Riesenchance zum möglichen 2:2 vorbereitete.

Am Ende aber stand es 1:3. Man dürfe nicht vergessen, dass diese junge Mannschaft es "mit einem der besten Teams der Welt" aufnehmen musste, mahnte Heldt, der Chef-Apologet des Schalker Jugendstils.

Doch war es nur die fehlende Erfahrung? In der Statistik standen 5:24 Torschüsse und 35:65 Prozent Ballbesitz, wobei Breitenreiters Fünfer-Abwehrkette trotz des frühen 0:1 durch David Alaba (9.) durchaus funktioniert hatte. Aber: "Du darfst Dir gar nichts erlauben. Wir haben uns etwas erlaubt", sagte Heldt.

Fotos: Neuer sieht bei Meyer-Tor nicht gut aus FOTO: dpa, mjh lof

Zum Beispiel eine mangelhafte Abwehr, in deren Folge Alaba zum Schuss kam - Goretzka lenkte den Ball mit unsagbar viel Pech in den Winkel. Oder eine Unaufmerksamkeit, nicht eines jungen Spielers, sondern des gestandenen Weltmeisters Benedikt Höwedes, der Javi Martinez vor dem 1:2 (69.) am Fünfmeterraum entwischen ließ.

Zudem blieben einige Konter auf sträfliche Weise ungenutzt, was vor allem Goretzka anzukreiden war. "Da waren wir zu überhastet, vielleicht auch zu unerfahren", sagte Heldt. Wieder war es Fährmann, der beipflichtete: "Wir haben viele junge Leute, die superviel drauf haben, aber noch nicht in der nötigen Konstanz."

Daher sind die Schalker zunächst einmal auf den siebten Tabellenplatz abgerutscht. Das ist nicht der Anspruch, der in Gelsenkirchen verfolgt wird.

Aber es gibt ja noch die Perspektive als Trost - auch für die nähere Zukunft. Was die Aussicht für das Spiel bei Bayer Leverkusen am kommenden Wochenende sei, wurde Heldt gefragt. Er antwortete: "Gewinnen!" Vorher kommt das Europa-League-Spiel gegen Apoel Nikosia am Donnerstag.

(sid)
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