1. Bundesliga 16/17
| 09.55 Uhr

Kolumne: Gegenpressing
Dinner for one

Fotos: Schalke-Profis verlassen mit hängenden Köpfen den Platz
Fotos: Schalke-Profis verlassen mit hängenden Köpfen den Platz FOTO: afp, sas
Düsseldorf. Da hat der Herr Heldt aber mal eine feine Idee gehabt. Auch weil der Finalsieg bei der Europa League mit einem Champions-League-Platz belohnt wird, träumte der bald schon ehemalige Schalker Manager vom Endspielerfolg. Vier Etappen vor dem Finale hat sich dieser Traum erledigt. Der Gelsenkirchener Erstligist musste gegen Schachtjor Donezk die Segel streichen. Von Robert Peters

Es ist eine Geschichte wie im "Dinner for one", das zum Silvester-Ritual in Deutschland gehört. "Same procedure as last year, Miss Sophie (der gleiche Ablauf wie vergangenes Jahr)?", fragt Butler James. Und Miss Sophie antwortet: "The same procedure as every year, James (der gleiche Ablauf wie jedes Jahr)."

So verhält es sich auch mit den deutschen Beiträgen zum europäischen Fußball. Wenn es ernst wird in den Wettbewerben, im frühen Frühjahr, wird die Schar der deutschen Teilnehmer ziemlich überschaubar. Verlass ist auf die ewigen Bayern in der Champions League, auch diesmal werden sie der Konkurrenz wohl noch ein Weilchen erhalten bleiben. Verlass ist unterdessen auch auf die Beiträge von Borussia Dortmund. Die Nummer zwei der deutschen Rangliste ist über ihre Klopp- und Tuchel-Jahre zu einer internationalen Größe gereift.

Aber dann. Wolfsburg darf in dieser Saison ein Stückchen mitspielen, Schalke hatte diese Rolle des Nebendarstellers auch mal inne. Leverkusen schien immer wieder auf dem Weg zu einer konstanten Größe. Aber mehr als das Achtelfinale steht seit 2008 nicht mehr in der Vereinschronik. Für Mönchengladbach, Augsburg, Hannover, Mainz und andere Außenseiter war die große Bühne zu groß. Das stellt der Bundesliga, die sich gern für die mindestens zweitbeste Spielklasse auf dem Kontinent hält, ein schlechtes Zeugnis aus. Es belegt, dass hinter Branchenführer Bayern und Borussia Dortmund, das wohlwollend als einziger Herausforderer der München bezeichnet werden kann, eine breite Lücke klafft.

Sie wird nicht kleiner, wenn sich alle Jahre wieder die selben Teams in Europa die Konten füllen können. Denn der finanzielle Vorteil, den vor allem die Auftritte in der Champions League verschaffen, zahlt sich natürlich auf dem Spielfeld aus. Deshalb können allein die Bayern und mit Abstrichen die Dortmunder im Wettrennen um die goldigen Plätzchen des Fußball-Zirkus mithalten.

Die einstweilen abgehängten Klubs klammern sich an die verwegene Hoffnung, die Kasse durch ein paar Spielzeiten in der Champions League aufzubessern. Wie trügerisch diese Hoffnung ist, zeigt nicht nur der enttäuschte Schalker Traum dieses Frühjahrs. Auch im Wettbewerb um die Bundesliga-Ränge, die Auftritte in der Meisterklasse garantieren, spielt das Bankkonto die größte Rolle. Das sind schlechte Nachrichten für Gladbach und andere, die sich dauerhaft der zunehmenden Konkurrenz aus Werksklubs stellen müssen. Es ist eine Konkurrenz mit ungleichen Waffen. Aber auch diese Einsicht ist so neu wie die jährliche Wiederholung von "Dinner for one".

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Quelle: RP
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