1. Bundesliga 16/17
| 13.01 Uhr

Schalke holt Manager aus Mainz
Heidel ist eine vernünftige Entscheidung

Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Klopp-Entdecker, Schalke-Manager
Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Klopp-Entdecker, Schalke-Manager FOTO: dpa, ve fdt
Gelsenkirchen. Die Königsblauen trennten sich vom VfB Stuttgart mit 1:1. Wichtiger war die Personalie an der Spitze des Klubs. Von Gianni Costa

Die Verpflichtung von Christian Heidel passt so gar nicht zum FC Schalke 04 - sie ist viel zu vernünftig. Doch warum nicht einmal etwas total Verrücktes wagen und eine hoch angesehene und unumstrittene Führungskraft aus der Bundesliga verpflichten? Die Aufsichtsräte der Königsblauen haben sich gestern Mittag im Sport- und Tagungshotel in Werl mit acht Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen für den 52-Jährigen als Nachfolger von Sportvorstand Horst Heldt zur neuen Saison entschieden. Heidel, bis dahin noch bei Ligakonkurrent Mainz 05 tätig, erhält einen Vierjahresvertrag, angeblich mit einem Verdienst von zwei Millionen Euro pro Saison.

"Wir sind davon überzeugt, dass Christian Heidel mit seiner unbestrittenen sportfachlichen Kompetenz und Erfahrung, seinen erwiesenen Führungsqualitäten und seiner positiven Ausstrahlung der richtige Mann für den FC Schalke 04 ist", erklärt der Aufsichtsrats-Vorsitzende Clemens Tönnies. "Wir haben eine sehr gute Entscheidung getroffen." Mit dem "Wir" meint Tönnies natürlich in aller Bescheidenheit vor allem sich. Bereits vor Monaten hatte er mit Heidel Kontakt aufgenommen - wie gewöhnlich ohne darüber seine Kollegen im Kontrollgremium zu informieren. Als die Nachricht durchsickerte, drohte Heidel als Kandidat durch öffentliche Diskussionen auszuscheiden, bevor es überhaupt ernsthafte Gespräche geben konnte. Heidel hatte schließlich darauf bestanden, sich vor der Vertragsunterschrift bei allen Aufsichtsräten vorstellen zu können. Ein geschickter Schachzug, um nicht allein auf dem Ticket von Tönnies zu laufen, sondern sich eine breite Unterstützung zu sichern. Hernach war zu hören, es sei ein harmonisches Gespräch gewesen. Tönnies verkündete, Heidel "hat sich sehr gut verkauft".

Nun ist es doch noch zu einer Einigung gekommen. Und für beide Seiten dürfte das Engagement eine spannende Erfahrung werden. Christian Heidel hat 24 Jahre in der Wohlfühloase Mainz gearbeitet. Bis 2005 hat er seinen Job als Manager beim FSV ehrenamtlich getätigt, parallel war er kaufmännischer Geschäftsführer eines Autohauses. Er hat den kleinen Verein wirtschaftlich grundsolide ausgerichtet und im sportlichen Bereich auf die richtigen Entscheider gesetzt. Damit hat er dem deutschen Fußball in Jürgen Klopp und Thomas Tuchel die spannendsten Trainer der jüngeren Geschichte beschert. Dass Heidel auch einige Fehlgriffe zu verantworten hat, gehört auch mit zu seiner Geschichte.

In Mainz konnte er sie sich aufgrund des entspannteren Umfelds leisten. Auf Schalke könnte es dann deutlich unangenehmer werden. Die Stimmung bei den Knappen ist aktuell entspannt - trotz des sportlich mäßigen Abschneidens. Nach dem 1:1 (Torschützen: 1:0 Belhanda, 14.; 1:1 Harnik 74.) gegen den VfB Stuttgart rangiert der Klub auf Platz sechs.

Im Revier ist Heidel der nächste große Hoffnungsträger. Ihm traut man zu, den Klub so aufzustellen, dass er oben mitspielen kann - ohne der Großmannssucht vergangener Tage zu verfallen. Und das nicht als verlängerter Arm von Tönnies, sondern mit genügend Selbstbewusstsein ausgestattet, um sich schnell freizuschwimmen. Damit es im Alttagsgeschäft auch nicht untergeht, hat sich Heidel deutlich mehr Macht als Heldt zusichern lassen - allerdings nur im Rahmen der Ressorts Sport und Kommunikation. Er wird also nicht, wie zwischenzeitlich kolportiert, Vorstandsvorsitzender des FC Schalke.

Horst Heldt hat eine insgesamt durchwachsene Bilanz vorzuweisen. Der 45-Jährige hat, trotz einiger Erfolge, vor allem eins nie geschafft: dem Verein eine Vision vorzugeben. So hat man sich viel zu oft unter Wert verkauft und Schalke mangelte es an Kontur. Mit Manager Heidel soll sich das nun ändern. Entscheidend wird sein, dass Tönnies ihn auch lässt.

Quelle: RP
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