1. Bundesliga 17/18
| 09.00 Uhr

Mitgliederversammlung auf Schalke
Heidel übernimmt Verantwortung

FC Schalke 04: Christian Heidel übernimmt Verantwortung
Cristian Heidel auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04. FOTO: dpa, rp htf
Gelsenkirchen. Bei der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 wird ein Rekordumsatz von 265 Millionen Euro verkündet. Für den neuen Vertrag mit Veltins spenden die Mitglieder Applaus. Von Gianni Costa

Der Himmel über der Arena auf Schalke ist an diesem Mittag mal wieder königsgrau. Es ist Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 unterm geschlossenen Dach. Clemens Tönnies gibt den Statuten entsprechend den Zeremonienmeister. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats hat ein Gespür dafür, wie man das Publikum trotz mauer sportlicher Leistungen besänftigen kann. Und damit es von Beginn an menschelt, holt er zunächst Domenico Tedesco, den neuen Trainer, auf die Bühne. "Es geht darum, einen Plan zu haben und ihn Spiel für Spiel zu optimieren", sagt der 31-Jährige. "Aber die harte Arbeit, die von euch kommt, ist die Basis. Wir haben nur eine Aufgabe, eure Liebe und eure Emotionen zurückzugeben." Gleich danach spricht der lange verletzte Schweizer Nationalspieler Breel Embolo. Ausdrücklich und wohl nicht ganz zufällig bedankt er sich bei Tönnies, der ihn damals schon drei Tage nach der Operation besucht habe. Applaus vom Publikum.

Alles könnte so schön sein, wenn es nicht auch Mitglieder gäbe, die von ihrem Recht Gebrauch machen, sich einzubringen. Auf Schalke gibt es traditionsgemäß eher zu viele als zu wenige davon. Und schon bei der Vorstellung der Tagesordnungspunkte gibt es den ersten Zwist mit der Vereinsführung. Geplant war, die vier offenen Posten im Aufsichtsrat und den strategisch wichtigen Wahlausschuss (der Punkt wird später auf 2017 verschoben) zu besetzen - und dann die Aussprache zu führen. Nach einem Änderungsantrag wird die Reihenfolge geändert.

Tönnies weiß, dass viele Fakten für ihn und seine Arbeit sprechen. Finanzvorstand Peter Peters berichtet über Rekorde. 265 Millionen Euro wurden umgesetzt, zum zweiten Mal in Folge ein Vereinsrekord. Der Gewinn beträgt über 29 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten betragen 129,7 Millionen Euro. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Er betont, das sei gelungen, obwohl man keine Investoren ins Boot geholt oder Anteile verkauft hat. Emotionen und Zahlen liegen bei Schalke besonders nah beieinander. Und so ist es Finanzvorstand Peters, der Fritz Unkel (den ersten Vereinspräsidenten des FC Schalke) und Mike Büskens (einer der Eurofighter von 1997) als neue Mitglieder der Ehrenkabine ausruft. "Ich hätte 1992 auch zu einem anderen Verein aus dem Süden der Republik wechseln können, dort hätte ich ganz sicher ein paar Titel mehr geholt. Auf Schalke bin ich Meister der Herzen geworden", sagt der gebürtige Düsseldorfer. "Mir hätte in meinem beruflichen Leben nichts Besseres passieren können. Ich lebe und liebe diesen Verein." Das Publikum erhebt sich und applaudiert.

Der gar nicht mehr so heimliche Star im Vorstand der Königsblauen ist Marketingvorstand Alexander Jobst. Er ist es, der für den Verein die großen Geschäfte einfädelt. "Wenn wir ein starker eingetragener Verein bleiben wollen", sagt Jobst, "dann müssen wir neue Wege gehen." Dazu gehört das Engagement im E-Sport. Oder die Vermarktung des Ärmels mit der Post-Tochter "Allyouneed".

Umbro wird neuer Ausrüster

Dazu kann Jobst noch einen neuen Ausrüster (Umbro) präsentieren. Der Deal war durch eine Panne bei den Proben für die Jahreshauptversammlung bereits einen Tag vorher bekanntgeworden, als das Firmen-Logo mit der Raute auf der großen Leinwand in der Arena kurzzeitig eingeblendet worden war. Exklusiv konnte Jobst dagegen die vorzeitige Verlängerung der Namensrechte für die Arena mit der Brauerei Veltins bis 2027 verkünden. Applaus.

Damit ist der Zeitpunkt gekommen, dass Sportvorstand Christian Heidel vor eine gut eingestimmte Mitgliederversammlung tritt. Heidel übernimmt Verantwortung. "Ich hätte es mir viel leichter machen können. Niemand hatte den Kopf des Trainers gefordert", sagt er. "Aber ich war nicht mehr von dem Weg überzeugt." Mit Tedesco soll alles besser werden. "Er hat einen Plan", sagt Heidel. Die Mitglieder applaudieren artig, von Aufbruchstimmung ist aber keine Spur mehr. Heidel muss jetzt liefern, um mit der Anhängerschaft eine engere Beziehung aufzubauen.

Großen Rückhalt hat er zurzeit nicht.

Quelle: RP
 
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