1. Bundesliga 17/18
| 10.51 Uhr

Nach Auftaktsieg gegen Leipzig
Hannover wird für Tedesco und Schalke zum Prüfstein

Tedescos Bundesliga-Premiere für Schalke
Tedescos Bundesliga-Premiere für Schalke FOTO: dpa, pg kno
Düsseldorf. Nach dem Auftaktsieg herrscht Hochstimmung auf Schalke. Im Mittelpunkt der Zuversicht: Trainer Domenico Tedesco. Sein Einstand gegen RB Leipzig war verheißungsvoll, der wahre Gradmesser wird allerdings der kommende Gegner Hannover 96. Von Daniel Brickwedde

Die Lobbekundungen schienen kein Ende zu nehmen. "Wir waren hervorragend vorbereitet und wussten genau, was wir zu tun hatten", erklärte etwa Leon Goretzka und Ralf Fährmann lobte den "Matchplan, den uns der Trainer auf den Weg gegeben hat." Franco di Santo und Nabil Bentaleb äußerten sich ähnlich. Die Fragen nach der Arbeit des Trainers waren für die Spieler nach dem gelungenen Liga-Auftakt gegen RB Leipzig (2:0) allerdings auch unausweichlich, schließlich war die Geschichte zu gut: Schalke hat nun offenbar auch endlich sein junges Trainer-Genie.

Der Gefeierte selber wollte davon allerdings nur wenig hören – ein Kampf gegen Windmühlen. "Ich habe nichts gemacht. Es war eine leidenschaftliche Partie von uns. Deswegen haben wir gewonnen. Der Grund war das Marschieren der Mannschaft und nicht der Matchplan", versuchte Tedesco zumindest bescheiden nach außen die Euphorie um seine Person zu bremsen, richtig Gehör fanden seine Worte in der Schalker-Glückseligkeit jedoch nicht.

"Die Jungs befassen sich auf einmal mit Taktik"

Selbst Sportvorstand Christian Heidel, normalerweise ein großer Mahner, verlor jegliche Zurückhaltung. "Die Jungs befassen sich auf einmal mit Taktik, das ist wirklich hochinteressant", erklärte Heidel und legte nach: "Jeder Trainer hat einen anderen Stil, mein Gefühl ist, dass dieser zu dieser Mannschaft passt." Sätze, die auf Schalke auch schnell zum Bumerang werden. Doch bei den Königsblauen geht es nun einmal emotionaler zu als anderswo in der Bundesliga. Ein Sieg genügte, und plötzlich herrschen wieder große Aufbruchstimmung und Erwartungen auf Schalke. Wegen Tedesco – da waren sich alle einig. Die Nordkurve feierte ihn und die Mannschaft nach Abpfiff ausgiebig wie schon lange nicht mehr.

Und in der Tat, was seine Spieler 90 Minuten gegen den Vizemeister RB Leipzig boten, kann gewiss als überzeugendes Debüt des 31-jährigen Trainer-Novizen gewertet werden: defensiv kompakt, mit hohem Einsatz und mannschaftlicher Geschlossenheit sowie mit schnellen, direkten Kontern als Nadelstiche in der Offensive. Tedescos Matchplan – ein voller Erfolg.

Kann Tedesco die Weinzierl-Probleme beheben?

Die oft gestellte Frage, ob Tedesco "Schalke kann", werden aber vor allem die nächsten Spiele zeigen. Passables Umschaltspiel bot Schalke gelegentlich auch in der Vorsaison schon unter Markus Weinzierl, große Probleme gab es jedoch immer wieder gegen tiefstehende kompakt verteidigende Mannschaften. Es fehlte an spielerischen Lösungen mit Ballbesitz, ein Makel, den Weinzierl nicht beheben konnte. Das ging auf Kosten der Konstanz und ließ Schalke im Mittelfeld der Tabelle versinken.

Besonders an dieser Problembehebung wird sich Tedesco langfristig messen lassen müssen. Ester Gradmesser wird dafür am kommenden Wochenende Aufsteiger Hannover 96 sein  – ein Gegner, der Schalke mit seiner Spielweise möglicherweise mehr Schwierigkeiten bereitet als Leipzig. Entsprechend wies Tedesco nach dem Auftaktsieg darauf hin: "Vom heutigen Spiel auf andere Spiele zu schließen, wäre fahrlässig." In Hannover muss er einen anderen Matchplan finden, auch wenn es ihm offiziel nur um Leidenschaft geht. Erst dort wird sich zeigen, ob er die Mannschaft besser macht.

 
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