1. Bundesliga 16/17
| 21.48 Uhr

"Ich ticke aus!"
Heldt genervt vom Draxler-Theater

Umworbener Draxler rettet Schalke einen Punkt
Umworbener Draxler rettet Schalke einen Punkt FOTO: afp, agz
Gelsenkirchen. Julian Draxler weiß wahrscheinlich ziemlich genau, wie sich Kevin de Bruyne gerade fühlt: Die Gerüchte brodeln auf höchster Stufe, die Spekulationen über die Zukunft des Weltmeisters von Schalke 04 gewinnen an Hektik. Die Protagonisten reagieren zunehmend genervt.

Horst Heldt lachte und plauderte ganz entspannt über das Spiel - bis die falsche Frage kam. "Wenn mich noch ein einziger Journalist auf Julian Draxler anspricht, ticke ich aus!", sagte der Sportvorstand von Schalke 04 und schoss einen stechenden Blick in die Runde. "Ein für alle Mal, zum letzten Mal beantworte ich das jetzt: Es gibt keinen Kontakt." Sekunden später, nächste Frage an Horst Heldt: "Noch mal ganz kurz zu Julian..."

So ist es eben derzeit bei Schalke 04. Die Königsblauen und ihr junger Weltmeister erleben, wenn auch ein, zwei Windstärken sanfter, den Sturm, der den VfL Wolfsburg und Kevin de Bruyne so heftig umtost. "Ich habe keinen Bock mehr, mir noch weiter den Mund fusselig zu reden", sagte Heldt nach dem enttäuschenden 1:1 (0:1) gegen Darmstadt 98 am zweiten Bundesliga-Spieltag.

Draxler (47.) hatte S04 mit seinem Flachschuss vor einer peinlichen Niederlage gerettet, das verstärkte den Wirbel noch. Ja, einmal habe es Kontakt zu Juventus Turin gegeben, so betete Heldt es fast herunter, "der wurde abgewiesen", seitdem sei nichts mehr gekommen: "Ich schlafe auch sehr gut. Neben meinem Bett steht kein Faxgerät." Dass Draxler (21) unersetzlich sei, habe er auch schon vor diesem Samstag gewusst.

Wer dieser Tage in den italienischen Zeitungen liest, muss glauben, Horst Heldts Fax brumme unentwegt. Derzeit soll Draxlers Kurs bei 20 Millionen Euro Ablöse plus sieben Millionen Euro Boni stehen. Heldt, der ohnehin wohl erst ab 30, 35 Millionen Euro ernsthaft ins Überlegen käme, kommentiert die Zahlenspiele aus Turin schon lange nicht mehr.

Draxler selbst stahl sich am Samstagabend mit einer kleinen Lüge davon. In weißem T-Shirt und blauer Sporthose hastete er durch die Katakomben, auf der Treppe drehte er sich um und rief grinsend: "Ich muss schnell nach Hause! Mein Bruder hat Geburtstag."

Auf die Frage, wie alt denn dieser werde, antwortete er schelmisch: "Mist, jetzt haben sie mich ertappt. Ich meinte ja gerade auch seine Freundin..."

Julian Draxler hat also ganz offensichtlich selbst keine große Lust mehr, das Objekt immer hektischerer Spekulationen zu sein. "Gefangen im Schaufenster", schrieb die Süddeutsche Zeitung am Wochenende über ihn. Immerhin: In gut einer Woche wird dieses Fenster mit dem Ende der Transferzeit zugeschlagen - besonders Horst Heldt dürfte den 31. August herbeisehnen. Zumal er - im Spaß, versteht sich - erzählt hat, er würde im Falle eines Verkaufes Ärger mit seinem Sohn Paul (5) bekommen.

Keinerlei Ärger gibt es bei Darmstadt 98. Der Punktgewinn, der zweite nach dem 2:2 gegen Hannover 96 zum Auftakt, wird freudigst unter "uneingeplant" verbucht. Die Beschwerden einiger Schalker über die bisweilen "eklige" Spielweise des Aufsteigers nach dem Führungstor durch Konstantin Rausch (10.) kamen bei den Lilien sogar wie ein Kompliment an: "Wir werden ganz exakt so weitermachen. Darauf können sich alle freuen", sagte Stürmer Marco Sailer.

(sid)
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