1. Bundesliga 16/17
| 18.36 Uhr

"Dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren"
Schalke läuft die Zeit davon

Schalke - Köln
Schalke - Köln FOTO: dpa, ve hak
Gelsenkirchen. Vier Spiele, vier Niederlagen, vorletzter Tabellenplatz – der schlechteste Saisonstart der Schalker Vereinshistorie. Trainer Markus Weinzierl versucht bisher vergeblich, dem Team eine klare spielerische Linie zu geben. Das Umfeld bleibt ruhig – noch. Von Patrick Scherer

Auf Schalke herrscht schon wieder Trostlosigkeit. Grimmige Mienen, so weit das Auge reicht. Als Grummel in Person tritt Markus Weinzierl auf. Schmallippig versucht der Trainer zu erklären, wie es sein Team geschafft hat, auch im vierten Anlauf in der Liga den Platz als Verlierer zu verlassen – der schlechteste Start in der Vereinshistorie. "Es war nicht alles schlecht", sagt Weinzierl nach dem 1:3 gegen den 1. FC Köln. Und auch Sportvorstand Christian Heidel bekundet, er habe nicht den Eindruck, "dass hier etwas grundlegend falsch läuft".

Es sind überraschend ruhige Töne aus Gelsenkirchen, gilt das Umfeld doch als traditionell mit kurzer Zündschnur ausgestattet. Auch das Publikum bleibt bisher ruhig, applaudierte nach dem 1:3 in Teilen der Mannschaft und gibt den gerade erst angetretenen Weinzierl und Heidel weiteren Kredit.

Dabei wären durchaus auch andere Meinungen als die des Trainers und Sportvorstands erlaubt. Denn Schalke trat gegen Köln nur in kurzen Phasen mit einer Vehemenz auf, den Gegner unbedingt in die Knie zwingen zu wollen. Zwar verweist Weinzierl auf "fast 119 Kilometer" Laufleistung, doch viele Wege seiner Schützlinge waren schlicht nicht zielgerichtet genug. Generell ist noch keine Weinzierl'sche Linie im Schalker Spiel zu erkennen.

Der Coach schiebt den schleichenden Entwicklungsprozess auf die sehr spät verpflichteten Schlüsselspieler und die daraus resultierende kurze Zeit zur Integration. Weinzierl hat nicht Unrecht, wenn er sagt, ihm fehlen Trainingseinheiten aufgrund der vielen englischen Wochen mit Liga, Pokal, Europa League und den Abstellungen zu Nationalmannschaften. Er äußert zwar, dass ihm diese Lage vorher bewusst war und es keine Ausrede sein darf, im Subtext schwingt es dennoch immer wieder als Entschuldigung mit.

Berücksichtigt man diese Umstände, ist es umso verwunderlicher, wie häufig Weinzierl seine Startaufstellung verändert, allem Anschein nach in Aktionismus verfällt. Sportvorstand Heidel fordert: "Die Automatismen müssen rein. Es gibt keine andere Wahl." Doch mal spielt quasi eine Elf, die bereits im Vorjahr für Schalker Verzweiflung gesorgt hatte, mal dürfen nahezu alle Neuen zeitgleich ran und mal ist es eine Mixtur. Johannes Geis war zuletzt nicht im Kader, spielte gegen Köln von Beginn an. Die neue Achse im defensiven Mittelfeld aus Nabil Bentaleb und Benjamin Stambouli wurde erst ins kalte Wasser geworfen, jetzt wieder auseinandergerissen. Benedikt Höwedes spielt mal als Rechtsverteidiger, mal neben dem bisher sehr Fehler anfälligen Zugang Naldo in der Abwehrzentrale.

"Wichtig wird sein, Ruhe zu bewahren. Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren", sagt Höwedes. Auch er weiß, dass der nun etwas dicker gestrickte Schalker Geduldsfaden an Ergebnissen hängt.

Einer, der sich – wie angekündigt – bisher nicht öffentlich zu Wort gemeldet hat, ist Clemens Tönnies. Gegen Köln reihte sich der Klubboss, neben Huub Stevens sitzend, in die Schar der Zuschauer mit grimmigen Mienen ein. Noch hält sich Tönnies zurück. Auch, weil er weiß, dass er sich die Verpflichtung von Christian Heidel vor der Saison auf die Fahnen geschrieben hat.

Heidel ist bemüht, Ruhe auszustrahlen. Für ihn ist die Situation Neuland. Nach 24 Jahren beim familiär arbeitenden FSV Mainz 05 muss er nun direkt zu Beginn seiner Schalker Amtszeit eine handfeste Krise in neuem Umfeld meistern. "Man kann besser Fußball spielen, keine Frage", sagte Heidel, der schon nach dem ersten Spiel die Mentalität seiner Spieler angeprangert hat. Damit gab er auch Weinzierl eine Aufgabe mit, die bisher allerdings unzureichend gelöst wurde. Am Sonntag in Hoffenheim stehen Weinzierl und sein Team unter Zugzwang.

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