1. Bundesliga 16/17
| 07.34 Uhr

Torwart des FC Schalke 04
Herr Fährmann findet sein Glück

Porträt: Ralf Fährmann: Schalke-Keeper und Pechvogel
Porträt: Ralf Fährmann: Schalke-Keeper und Pechvogel FOTO: dpa, jg jai
Orlando. Die Karriere des Schalker Torwarts verlief nicht glatt. Inzwischen träumt er von der Nationalelf. Von Stefanie Sandmeier

Ralf Fährmann (27) überlegt zumindest kurz. Dann muss er passen. Aber er lächelt entschuldigend. Ein "Ja" war ehrlich gesagt auch nicht zu erwarten. Zehn Jahre ist dieses letzte Treffen her. Im schnelllebigen Fußballgeschäft eine lange Zeit - da kann man sich nicht an jeden erinnern.

Das Gespräch hat aber sofort einen roten Faden. Im Sommer 2006 besuchte die Rheinische Post das Sport-Internat des FC Schalke 04 und traf auf ein hoffnungsvolles Talent. Der 17-Jährige, der damals davon träumte, Profi zu werden, war Ralf Fährmann. Er zeigte sein Internatszimmer, sprach über seinen Tagesablauf - und ziemlich eindrucksvoll darüber, wie es sich anfühlt, mit 14 von zu Hause auszuziehen. In einem Alter, in dem man doch eigentlich am liebsten noch von Mutti bekocht wird.

Während seine Altersgenossen pubertierten, verließ er seine Heimatstadt Chemnitz in Richtung Gelsenkirchen, ohne zu wissen, ob es sich am Ende lohnen würde. Jetzt kann Fährmann diese Frage beantworten. Er hat es tatsächlich geschafft. "Ich lebe meinen Traum", sagt er. "Wenn ich über Weihnachten nach Hause komme, fließen häufig Tränen, wenn ich mit meinen Eltern zurückdenke, wie schwer es war, von zu Hause wegzugehen. Glücklicherweise ist es gut gegangen. Aber die Anfangszeit war wirklich sehr hart."

Wie er sich verändert hat? "Ein paar Tattoos mehr, ein bisschen mehr Lebenserfahrung", scherzt Fährmann. Als Stammtorhüter hat er sich inzwischen bei den Königsblauen etabliert. In 24 Partien in DFB-Pokal, Liga und Europa League stand er in dieser Saison auf dem Rasen. Insgesamt kommt der 27-Jährige auf über 100 Bundesligaspiele für die Schalker, die sich aber auf fast genau zehn Jahre verteilen.

Denn die Erfolgs-Geschichte von Ralf Fährmann ist keine, die glatt lief. Dass der Keeper im Trainingslager in Florida bester Laune über seine Vorfreude auf die Rückrunde spricht, ist alles andere als selbstverständlich. Er hat turbulente Jahre hinter sich - und weiß, wie es sich anfühlt, bereits als junger Spieler um seine sportliche Zukunft bangen zu müssen.

Seinen ersten Bundesligaeinsatz hatte er in der Saison 2008/09 im Derby bei Borussia Dortmund, weil sowohl Manuel Neuer als auch Mathias Schober verletzt waren. An Neuer war aber nicht vorbeizukommen. Fährmann suchte ab Sommer 2009 bei Eintracht Frankfurt unter Michael Skibbe seine Chance. Dort bremste ihn jedoch eine Verletzung. Erst Trainer Christoph Daum setzte auf den Keeper, den Schalke nach Neuers Wechsel zum FC Bayern im Sommer 2011 zurückholte. Er unterschrieb einen Vier-Jahres-Vertrag und begann verheißungsvoll - bevor ihn ein Kreuzbandriss zur nächsten Pause zwang. "Ich habe versucht, nie den Glauben an mich zu verlieren", sagt Fährmann. "Das verlangte viel Geduld, aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht."

Nach einer Saison in der zweiten Mannschaft kehrte der Torhüter nach fast zwei Jahren ohne Profi-Einsatz zurück. Sechs Jahre nach seinem Debüt wurde er damit zum ersten Mal längerfristig Stammspieler beim FC Schalke - und behielt den Status trotz kurzzeitiger Ausfälle und der Verpflichtung von Fabian Giefer. Auch Trainer André Breitenreiter baut auf Fährmann. Der sagt, er sei als Fußballer und Mensch im Ruhrgebiet angekommen. "Durch die weniger schönen Erfahrungen weiß ich zu schätzen, was ich hier und jetzt habe."

Mit den Schalkern will er im Rennen um die ersten vier Plätze mitmischen. "Dazu ist eine bessere Rück- als Hinserie nötig", glaubt Fährmann, der auch von der A-Nationalmannschaft träumt. Inzwischen hat er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2020 verlängert, nachdem er über Umwege doch noch sein Glück gefunden hat.

Quelle: RP
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