1. Bundesliga 16/17
| 15.55 Uhr

Kapitaler Fehlstart
Schalke redet sich die Krise schön

Pressestimmen: "Torlos, punktlos, leblos"
Pressestimmen: "Torlos, punktlos, leblos" FOTO: ap, SO
Gelsenkirchen. Nach dem kapitalen Fehlstart steht Schalke 04 am Mittwoch gegen den 1. FC Köln enorm unter Druck. Die zarte Aufbruchstimmung ist fast schon verflogen.

Markus Weinzierls Stimmung passte zum grauen Himmel über Gelsenkirchen. Tief in Gedanken versunken und die Arme hinter dem Rücken verschränkt, kickte der Trainer von Schalke 04 beim Auslaufen am Montagmorgen immer wieder einen Ball vor sich her. Das 0:2 (0:0) am Tag zuvor bei Hertha BSC hatte bei Weinzierl deutliche Spuren hinterlassen. Der kapitale Fehlstart der punkt-, tor- und zunehmend ratlosen Königsblauen ist pures Gift für die zarte Aufbruchstimmung.

"Drei Spiele, null Punkte - das ist doch nicht Schalke", sagte Innenverteidiger Naldo. Nationalspieler Leon Goretzka gab am Montag zu: "Viel geschlafen habe ich nicht. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt aber nichts."

Im Heimspiel am Mittwoch (20.00 Uhr/Live-Ticker) gegen den exzellent aus den Startlöchern gekommenen 1. FC Köln muss der Tabellenvorletzte punkten, ansonsten dürfte der Vertrauensvorschuss der blau-weißen Anhängerschaft für Neu-Trainer Weinzierl und Neu-Manager Christian Heidel langsam aufgebraucht sein. "Jetzt stehen wir gegen Köln noch mehr unter Druck und müssen den Bock umstoßen", forderte Heidel: "Wir möchten diesen ersten Sieg nur ungern noch weitere Wochen vor uns herschieben."

Denn dann würde es auch für Weinzierl ungemütlich werden. Der 41-Jährige hat als erster Trainer der Klubgeschichte seine ersten drei Bundesligaspiele verloren und muss gegen Köln Antworten auf wichtige Fragen finden. Warum ist Schalke vor dem Tor so harmlos? Warum fiel sein Team nach den guten Auftritten gegen Rekordmeister Bayern München (0:2) und in der Europa League bei OGC Nizza (1:0) in überwunden geglaubte Verhaltensmuster zurück? Und wie bekommt er den bislang enttäuschenden 22-Millionen-Mann Breel Embolo in Form?

"Unruhe wird über die Medien reingetragen"

"Wir sind unzufrieden, gegen Köln wollen wir es besser machen", sagte Weinzierl. Der schlechteste Saisonstart des Klubs seit 31 Jahren ist für Heidel zwar ärgerlich, aber noch kein Weltuntergang. "Die Unruhe wird über die Medien reingetragen, das ist auf Schalke so, damit müssen wir leben", sagte der langjährige Mainzer Manager bei Sky: "Intern ist bei uns gar keine Unruhe."

Zu denken gibt jedoch, dass gegen Hertha ausgerechnet die beiden Hoffnungsträger in der Zentrale mit völlig unnötigen Ballverlusten die Gegentore einleiteten. Vor dem 0:1 durch Mitchell Weiser (64.) verlor Benjamin Stambouli ähnlich dilettantisch den Ball wie Nabil Bentaleb vor dem 0:2 durch Valentin Stocker (74.). "Die zwei kapitalen Böcke sind tragisch und in unserer Situation umso bitterer. Die beiden Jungs wissen das, sind bedröppelt", sagte Heidel und kritisierte: "Das war ein bisschen Überheblichkeit."

Rekordtransfer Embolo bemüht sich zwar, doch in seinen Aktionen wirkt der Schweizer Nationalspieler mehr als unglücklich. Gegen Berlin musste der 19-Jährige bereits zur Halbzeit raus. Gar nicht erst im Kader stand Johannes Geis, der Königstransfer der vergangenen Saison. Der Frust der Reservisten dürfte mit jedem nicht gewonnenen Spiel steigen.

Fans halten noch zum Team

Der Anhang hält noch still, in Berlin gab es nach Spielende kein Pfeifkonzert. Nachdem Kapitän Benedikt Höwedes das Gespräch mit einigen Fans gesucht hatte, gab es sogar aufbauenden Applaus. "Ich habe ihnen gesagt, dass wir kein gutes Spiel gemacht haben, aber dass wir alle ruhig bleiben müssen", verriet Höwedes: "Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind und eine gute Mannschaft haben. Wir kommen da nur gemeinsam raus." 

Heidel zeigte sich beeindruckt: "Ich fand es überragend, wie unsere Fans reagiert haben. Hut ab! Das hätte auch anders ausgehen können." Doch der erfahrene Manager weiß, dass schon bei einer weiteren Pleite gegen Köln das Pendel in die andere Richtung ausschlagen könnte.

(old/sid/dpa)
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