1. Bundesliga 16/17
| 15.42 Uhr

Breitenreiters Zielvorgabe
Schalke soll einfach nur guten Fußball spielen

Fotos: FC Schalke 04 stellt Breitenreiter als neuen Trainer vor
Fotos: FC Schalke 04 stellt Breitenreiter als neuen Trainer vor FOTO: dpa, ve hak
Gelsenkirchen. Braungebrannt und mit einem Lächeln auf den Lippen trat Andre Breitenreiter pünktlich auf die Minute seinen Dienst bei Schalke 04 an. Nach einem "herzlichen Hallo" im Blitzlicht-Gewitter versprach der neue Coach der Königsblauen "Fußball mit Herz und Leidenschaft" - ganz im Sinne der zuletzt so tief enttäuschten Fans. Von einer konkreten Zielvorgabe in der Bundesliga-Spitze wollte er aber nichts wissen.

"Das erste Ziel ist es, wieder eine Einheit zu werden und den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen", sagte der 41-Jährige bei seiner Vorstellung am Montag in der Schalker Arena. Von der Champions League sei man "erst mal noch weit entfernt". Sportvorstand Horst Heldt betonte: "Wir werden für die kommende Saison keinen Tabellenplatz als Ziel ausgeben. Wir wollen Fußball spielen, der die Fans begeistert."

Den Wechsel vom SC Paderborn zu den Gelsenkirchenern sieht Breitenreiter "als große Chance für mich - und vielleicht auch für den Klub". Die Aufgabe beim Europacup-Stammgast, der in der enttäuschenden abgelaufenen Saison sogar die Fans gegen sich aufbrachte, traut sich der ehemalige Bundesligaprofi zu: "Natürlich bin ich noch nicht lange Trainer. Aber ich gehe sehr, sehr selbstbewusst an diese Herausforderung heran."

Porträt: Das ist André Breitenreiter FOTO: dpa, pst cul

Berührungsängste mit den Stars in der schwierigen Schalker Mannschaft hat der Nachfolger des gescheiterten Roberto Di Matteo nicht. "Wenn man sie mitnimmt, eine klare Spielidee vermittelt, werden auch Stars gerne gewinnen wollen", sagte er. Vor allem die zahlreichen hochkarätigen Talente hat er im Blick: "Die jungen Spieler haben deutliches Potenzial nach oben. Da habe ich richtig Bock drauf."

Breitenreiter, der sich am Freitag mit Schalke auf einen Zweijahresvertrag geeinigt hatte, kann auch mit Weltmeister Benedikt Höwedes arbeiten. Der Abwehrspieler zog seine Ausstiegsklausel nicht, obwohl unter anderem der FC Arsenal um ihn buhlte. "Er ist unser Kapitän, wir brauchen ihn", sagte Heldt. Höwedes hätte bis Montag für angeglich 17 Millionen Euro wechseln können.

Für die aussortierten Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam gibt es dagegen auch unter dem neuen Coach kein Zurück. "Es bleibt dabei, dass wir uns von ihnen trennen möchten", sagte Heldt.

Fotos: Die aktuellen Verträge der Bundesliga-Trainer FOTO: dpa, ms cmm sam lof

Nach den Absagen der Wunschkandidaten Markus Weinzierl und Marc Wilmots war es schnell gegangen. Nach Verhandlungen am Mittwoch und Donnerstag wurde die Zusammenarbeit am Freitag an Breitenreiters Urlaubsort auf Mallorca per Handschlag besiegelt.

Für Heldt ist der fünfte Trainer seiner Amtszeit wohl die letzte Chance. Nach dem "Missverständnis" Di Matteo steht der Sportvorstand gewaltig unter Druck: Für viele Fans ist der 45-Jährige wegen zahlreicher Fehlgriffe bei Neuverpflichtungen verantwortlich für den Absturz in der Rückrunde auf den sechsten Platz und den unansehnlichen Fußball, den die Schalker zuletzt zeigten.

Dass ihm Schalke-Idol Wilmots nach den gescheiterten Verhandlungen "ganz schlechten Stil" vorwarf, macht Heldt nicht beliebter. Der Ex-Profi betonte am Montag, dass er Wilmots abgesagt habe. Der Augsburger Weinzierl und Breitenreiter hätten sich bei der Trainersuche "als Favoriten herauskristiallisiert".

Breitenreiter, der erst 2013 seine Fußballlehrer-Lizenz erwarb, hat durchaus Erfahrungen mit großen Schalker Emotionen. Beim unglücklichen 0:1 mit Paderborn am vorletzten Spieltag erlebte er in der Arena die geballte königsblaue Fan-Wut ebenso hautnah mit wie 2001 die "Vier-Minuten-Meisterschaft". Beim spannendsten Bundesliga-Finale aller Zeiten stand er für Unterhaching auf dem Rasen, als die Schalker 5:3 gewannen und auf der Anzeigetafel mit ansehen mussten, wie ihnen der FC Bayern in der Nachspielzeit die Schale doch noch wegschnappte. "Diese Bilder gehen nie verloren", sagte Breitenreiter, "es war sehr bitter anzusehen. Was sich da abgespielt hat, war unfassbar traurig."

(sid)
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