1. Bundesliga 17/18
| 13.33 Uhr

FC Schalke 04
Tedesco geht ein hohes Risiko

Das ist Domenico Tedesco
Das ist Domenico Tedesco FOTO: dpa, nic
Gelsenkirchen. Schalkes Trainer Domenico Tedesco setzt seine sportlichen Überzeugungen ohne Rücksicht auf Namen durch. Von Patrick Scherer

Wieder mal haben sie sich auf Schalke Mut zugesprochen. In dieser Saison soll schließlich endlich alles komplett anders werden, ein wirklich allerletzter Umbruch die Wende zum Guten bringen. Für das Happy End hat Produzent Christian Heidel Regisseur Domenico Tedesco eingesetzt. Und der Vorspann war für die Schalker Seele vielversprechend. Tedesco (31) präsentierte sich in seinen ersten Tagen viel menschlicher als Vorgänger Markus Weinzierl. Das Bild vom volksnahen Übungsleiter bekam jetzt aber erste Kratzer. Dass Tedesco der lebenden Schalker Legende Benedikt Höwedes den roten Teppich zum Abschied ausrollte, entfachte Zorn bei großen Teilen des traditionell emotionalen Umfelds. Der Vorgang ist aber ein weiteres Indiz dafür, dass der Trainer seinen sportlichen Plan mit aller Konsequenz verfolgt.

Als die Leihe zu Champions-League-Finalist Juventus Turin perfekt war, ließ Höwedes es sich nicht nehmen, via Facebook ein paar Spitzen Richtung Schalker Führung abzufeuern: "In den letzten Wochen ist dieses Vertrauensverhältnis mehrfach auf die Probe gestellt worden. Das Kapitänsamt ist nur ein Teil davon. Reisende kann man aufhalten, wenn man will", schrieb der 29-Jährige, der 16 Jahre das Schalker Trikot trug. Eine Anspielung auf Tedescos Aussage: "Benedikt bleibt. Grundsätzlich sollte man Reisende aber nicht aufhalten."

Tedesco hatte Höwedes als Spielführer entmachtet und ihm mitgeteilt, er habe - wie alle anderen Spieler auch - keine Stammplatzgarantie. Höwedes' Berater Volker Struth ließ durchblicken, dass es ein faires Gespräch gewesen sei, in dem deutlich wurde, dass Höwedes bei Tedescos hoch stehender Dreierkette nicht die erste Wahl sein werde. Höwedes entschied sich daraufhin, seinen langfristig angelegten Plan vom Engagement im Ausland kurzfristig in die Tat umzusetzen.

Für Tedesco wird dieser Wechsel zum gewagten Spiel. Viele Fans kreiden ihm und Sportvorstand Heidel an, ein Schalker Denkmal beschädigt zu haben. Die Vorschusslorbeeren scheinen verwelkt. Einige Anhänger verstehen hingegen die sportliche Notwendigkeit, einem zuletzt häufig verletzten Innenverteidiger keinen Freifahrtschein ausstellen zu können. Dieser Teil der Fans wirft Höwedes vor, nicht um seinen Platz gekämpft zu haben.

Wer die ersten beiden Monate von Tedescos Amtszeit genauer betrachtet, sieht, dass für den Trainer nur zählt, wer sein sportliches Konzept am besten umsetzen kann. Vergangene Erfolge und Namen sind dem Deutsch-Italiener egal. Der fast schon wieder verkaufte Yevhen Konoplyanka ist genauso Teil seiner Planung wie der als Fehleinkauf abgestempelte Franco di Santo. Dafür wurde dem nach langer Verletzungspause wieder genesenen Publikumsliebling Atsuto Uchida mitgeteilt, er könne gehen. Zweitligist Union Berlin griff zu. Interessant ist auch die Personalie Coke. Der Spanier wurde vor der vergangenen Saison als Schlüsselspieler verpflichtet, riss sich das Kreuzband und wurde als Heilsbringer für die laufende Spielzeit angepriesen. Tedesco sieht beim 30Jährigen dasselbe Problem wie bei Höwedes: fehlende Schnelligkeit.

Tedesco kümmert sich nicht darum, ob seine Entscheidungen Randgeräusche hervorrufen. Ob diese Art, Regie zu führen, auf Schalke funktioniert, hängt nun aber mehr denn je davon ab, ob und wie schnell sich Erfolg einstellt.

Auch wenn es den Schalker Anhägern fernliegt, ihren Blick zu Borussia Dortmund schweifen zu lassen, könnte eine Ausnahme helfen: 2008 trat dort ein gewisser Jürgen Klopp seinen Dienst an. Als erste Amtshandlung sortierte er Publikumsliebling Alexander Frei aus, weil der nicht ins laufintensive Konzept passte. Dem Aufschrei in der Fanschar folgte der Aha-Effekt, als das Team Klopps Fußballvision verinnerlicht hatte. Es kam zum Happy End mit drei Titeln.

Quelle: RP
 
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