1. Bundesliga 17/18
| 21.54 Uhr

Kampf um den Hoffnungsträger
Warum Schalke für Goretzka die Gehaltsgrenzen sprengen will

Leon Goretzka: "Jahrhundert-Talent", Bochumer Jung, Pechvogel
Leon Goretzka: "Jahrhundert-Talent", Bochumer Jung, Pechvogel FOTO: dpa, tim
Der FC Schalke 04 empfängt den FC Bayern München (Dienstag, 20.30 Uhr/Liveticker). Leon Goretzka steht bei diesem Spiel besonders im Blickpunkt. Seine Zukunft ist weiterhin ungeklärt. Auf Schalke könnte der Nationalspieler zum Topverdiener aufsteigen. Auch der FC Bayern ist interessiert. Von Pascal Biedenweg

Das Spiel zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke 04 schreibt die 83. Minute. Leon Goretzka löst sich von seinem Gegenspieler, der Eckball fliegt in den Strafraum, er hält den Fuß hin und trifft zum 2:1. Es ist der Siegtreffer, Goretzka rettet den Königsblauen die drei Punkte an der Weser. Wieder einmal bewies der Nationalspieler seinen Stellenwert im Team von Trainer Domenico Tedesco. Auch der FC Bayern München ist auf Goretzka aufmerksam geworden. Doch Schalke kämpft um seinen Hoffnungsträger.

Es war ein harter Sommer für die Fans des FC Schalke 04. Gleich vier Identifikationsfiguren wurden abgegeben. Neben Sead Kolasinac (FC Arsenal) gingen auch Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam) und Atsuto Uchida (Union Berlin). Und dann wäre da noch der langjährige Kapitän Benedikt Höwedes, der seinem Herzensklub den Rücken kehrte und Schalke in Richtung Juventus Turin verließ. Niemand versuchte ihn ernsthaft aufzuhalten. Vor allem im sonst so traditionsbehafteten Ruhrgebiet erscheint dieses Vorgehen als Schlag ins Kontor.

Viele Integrationsfiguren sind von Bord gegangen

Und auch Goretzkas Vertrag läuft am Ende dieser Spielzeit aus. Bislang gelang es Heidel nicht, den Vertrag zu verlängern. Mittlerweile hat auch der FC Bayern seine Fühler nach dem Nationalspieler ausgestreckt. Laut "Sportbild" soll sich Goretzka bereits mit dem deutschen Rekordmeister einig sein. Es wäre ein fatales Signal für Schalke – erneut würde ein Hoffnungsträger das königsblaue Schiff verlassen. Und diese hatte Schalke in den vergangenen Jahren zuhauf. Mal war es Manuel Neuer, mal Julian Draxler, dann Leroy Sané oder Höwedes. Blöderweise spielt nur keiner mehr von denen in der Veltins Arena. Und auch deshalb gibt Heidel nicht auf.

Das soll bei Goretzka nicht passieren. Laut Informationen des Kicker planen die Verantwortlichen auf Schalke ein zweistelliges Millionenangebot für ihren Mittelfeldmotor. Nach den zahlreichen Abgängen konnte Schalke das Gehaltsniveau von 80 Millionen auf 50 Millionen senken. Genug Spielraum also, um bei Goretzka über die Schmerzgrenze zu gehen. Er würde das Gehaltsgefüge unweigerlich sprengen, Schalke würde in neue Dimensionen vorstoßen. Goretzka soll einfach mit aller Macht gehalten werden - überzeugt werden, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. Die derzeitigen Topverdiener Franco di Santo und Yevhen Konoplyanka bekommen vier Millionen Euro pro Jahr. Goretzka soll künftig mehr als doppelt so viel verdienen. So viel Geld hat bislang noch kein Spieler auf Schalke überwiesen bekommen. Er wäre der Erste, der einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten würde. Was automatisch auch die Frage des Neids seiner Mitspieler aufwirft. Und auch die Frage, wie diese reagieren, wenn Goretzka in ein Leistungsloch fällt. Es wäre nichts Ungewöhnliches bei einem Spieler in seinem Alter.

Dass diese Information kurz vor der Begegnung gegen den FC Bayern durchsickert, ist gewiss kein Zufall. Heidel will Stärke demonstrieren. Nicht vor dem Krösus aus dem Süden der Republik kuschen, so lautet die Devise. Vor einem Spiel, in dem Goretzka einen entscheidenden Anteil daran haben soll, die drei Punkte auf Schalke zu behalten. In dem er im Falle dessen aber auch dazu beitragen würde, dass das Interesse des Rekordmeisters an ihm sicherlich nicht abflachen würde. Neben Goretzka könnte auch Eigengewächs Max Meyer den Verein am Ende der Saison ablösefrei verlassen. Thilo Kehrer ebenfalls – auch er hegt Wechselgedanken. Schalke will wohl ein Exempel statuieren. Goretzka soll das Schalker Gesicht der kommenden Jahre werden, die Mannschaft um ihn herum aufgebaut werden. Sein Abschied würde Schalke erneut zurückwerfen. Heidel geht nun volles Risiko.

Denn Schalke ist ein Klub, bei dem der Gedanke an den Ruhrpott noch gelebt werden soll. Die Fans identifizieren sich mit diesem Malocherklub. Nichts passt besser dazu, als Spieler, die dieses Credo auf dem Platz vorleben. Doch Schalke hat ein echtes Identifikationsproblem. Ein Problem, das so schnell nicht gelöst werden kann. Spieler aus der eigenen Knappenschmiede sind mittlerweile rar gesät. Umso wichtiger erscheint die Personalie Leon Goretzka.

Der 22-Jährige kam vor vier Jahren vom VfL Bochum. In dieser Zeit schaffte er es nicht nur den Sprung in die Bundesliga, sondern reifte auf Schalke auch zum Nationalspieler. Goretzka vereint die Attribute, die im Ruhrgebiet gelebt werden: Kampfgeist, unbändiger Wille und Aufopferungsbereitschaft für seinen Verein.

 
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