1. Bundesliga 17/18
| 09.31 Uhr

Schwacher Auftritt bei Ajax
FC Wankelmut 04

FC Schalke 04 wird zum FC Wankelmut 04
FOTO: afp, PST
Amsterdam. Das 0:2 in der Europa League bei Ajax Amsterdam steht sinnbildlich für ein Schalker Team, aus dem keiner schlau wird. Von Patrick Scherer

Vor kurzem haben sie auf Schalke den "Eurofightern" von 1997 eine Fanartikel-Kollektion gewidmet. Es sieht nicht danach aus, als müssten sich die Modeexperten Gedanken um eine Linie für die Elf von 2017 machen. Allen Schwüren, den Uefa-Cup-Siegern um "Kampfschwein" Marc Wilmots nachzueifern zum Trotz, präsentierten sich die Schalker Akteure im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League in Amsterdam kraft- und mutlos. Es war ein peinlicher Auftritt. Dass Ajax nicht bereits für die Vorentscheidung sorgte und nur 2:0 gewann, lag einzig am mehrmals überragend reagierenden Schalker Torhüter Ralf Fährmann. "Wir hatten schon beim Aufwärmen nicht die Körpersprache, die von uns verlangt wird", sagte Weltmeister Benedikt Höwedes. Ein Armutszeugnis. Die Frage nach dem Warum konnte der Kapitän aber nicht beantworten. Keiner der Beteiligten konnte sie beantworten. Schalke bleibt sich somit treu. Es ist einfach keine Linie zu erkennen, nach der die Mannschaft handelt.

In Amsterdam ließen sich die Schalker von einem Team mit einem Altersschnitt von 22 Jahren vorführen. "Ajax hat uns von der ersten Minute an den Schneid abgekauft. Sie waren in allen Belangen besser - in allen", sagte Sportvorstand Christian Heidel. Neben Fährmann begehrten einzig Höwedes und Innenverteidiger-Kollege Matija Nastasic gegen das vor Spiellust und Selbstbwusstsein nur so strotzende Team von Trainer Peter Bosz auf. "Ajax ist wieder Ajax", titelte die niederländische Zeitung "De Telegraaf" gestern. Es hätte auch "Schalke ist wieder Schalke" heißen können.

Wie bereits in den Spielzeiten zuvor bestimmt auch unter Trainer Markus Wienzierl Wankelmut die Saison der Gelsenkirchener - vor allem zuletzt. Gegen Augsburg, Dortmund oder Wolfsburg zeigten die Königsblauen die grundlegenden Tugenden des Spiels, die sie sich auch in ihr Vereins-Stammbuch geschrieben haben: Lauf- und Kampfbereitschaft. In der Liga in Bremen und Mönchengladbach, nun in Amsterdam sah es plötzlich aus, als hätte das Team vergessen, wie Fußball gespielt wird. Weinzierl ließ dennoch Milde walten, flüchtete sich in Allgemeinplätze: "Wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir eine klare Leistungssteigerung."

Im Schalker Mittelfeldzentrum herrschte ein Vakuum. Max Meyer, Nabil Bentaleb und Leon Goretzka waren der Aufgabe, in einer kritischen Situation Verantwortung zu übernehmen, nicht gewachsen. Auf der Gegenseite wirbelte Ajax, angetrieben von Spielgestalter und Doppeltorschütze Davy Klaassen (24), auf den die Gelsenkirchener ein Auge geworfen haben sollen. Ajax machte Schalke vor, was es heißt, aggressiv und offensiv zu verteidigen. Die Verteidiger Thilo Kehrer und Dennis Aogo hatten gegen die flinken Ajax-Außen Amin Younes und Justin Kluivert stets das Nachsehen. Heidel gab an, von der Stärke Amsterdams gewusst zu haben. Beim Team schien das nicht angekommen zu sein. "Wir waren ein bisschen überrascht von dem Tempo", sagte Höwedes.

Für das Rückspiel am kommenden Donnerstag dürfte das Team nun also gewarnt sein. Hoffnung ziehen die Schalker einzig aus dem vermeintlich geringen Rückstand. Ralf Fährmann gab sich kämpferisch: "Wir sind Schalke, wir stehen immer auf, egal wie tief wir gefallen sind", sagte er und erinnerte sich an die Runde zuvor, als man "nur 45 Minuten" hatte, um ein 0:2 gegen Mönchengladbach aufzuholen. "Jetzt haben wir noch 90 Minuten Zeit", sagte der 28-jährige Torhüter. In denen braucht es aber ein gänzlich anderes Schalke als in Amsterdam.

Quelle: RP
 
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