| 18.37 Uhr

US-Justizministerin droht Funktionären
Lynch: "Ihr werdet nicht entkommen"

Fifa: Diese 16 Fifa-Funktionäre wurden angeklagt
Fifa: Diese 16 Fifa-Funktionäre wurden angeklagt
Zürich. Zwischen Neuanfang und Gefängnis: Die Fifa und ihre Funktionäre wandeln nach der neuen Anklageschrift aus den USA auf einem extrem schmalen Grat.

Die USA jagen Funktionäre in Mittel- und Südamerika, Joseph S. Blatter und Michel Platini drohen lebenslangen Sperren unterm Weihnachtsbaum, die Korrupten durchziehen das System: Auch nach der Vorlage des Reformpakets für die "neue Fifa" wird der Fußball-Weltverband gnadenlos von der Vergangenheit eingeholt. Vom Neubeginn zu reden, kommt zu früh.

"An die schuldigen Individuen, die bislang im Schatten verborgen blieben, mit der Hoffnung uns zu entgehen", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch am Donnerstagabend mit scharfem Ton: "Ihr werdet das nicht aussitzen, ihr werdet nicht verschwinden, ihr werdet nicht entkommen." Die Verhaftungen der beiden Fifa-Vizepräsidenten am Donnerstagmorgen in Zürich seien nicht das Ende gewesen. Es gibt insgesamt 16 neue Verdächtige.

Auf 236 Seiten in der überholten Anklageschrift der US-Justiz werden die Machenschaften der Angeklagten detailliert aufgezählt. "Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen", steht oben drüber - und dann folgen die 27 Namen. Die meisten vermeintlichen Verbrecher haben einflussreiche Positionen in den Kontinentalverbänden CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik) und CONMEBOL (Südamerika), viele haben bereits ihre Unschuld beteuert. Es geht um Verschwörung, Betrug und Bestechung mit Beträgen weiter über der 200-Millionen-Grenze.

"Über Dekaden haben die Angeklagten ihre Macht als Führer in Fußball-Organisationen missbraucht, um ein Netz der Korruption und Gier aufzuspannen, das die Integrität diese wundervollen Spiels gefährdet", sagte James Comey, der Direktor der US-Bundesbehörde FBI. Betroffen sind unter anderem die aktuellen oder ehemaligen Verbandspräsidenten fast der gesamten Zentralamerika-Region. Der bolivianische Funktionär Romer Osuna sitzt (noch) in der Audit- und Compliance-Kommission - in genau dem Komitee, das gegen Korruption innerhalb des Weltverbands kämpfen soll.

"Die Zahlen sind erschütternd", sagte US-Staatsanwalt Roberto Capers: "Was genug ist, ist genug. Wir werden Platz schaffen für eine neue Ära der Integrität und Reformen." Die alten Köpfe der Fifa werden da wohl nicht dabei sein.

Platini, der suspendierte Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), wird laut der Nachrichtenagentur AFP zwischen dem 16. und 18. Dezember von der Fifa-Ethikkommission angehört. Ein Urteil der rechtsprechenden Kammer dürfte nur kurze Zeit später folgen, der Anwalt des Franzosen hatte die Forderung der Ermittler in Eigenregie schon veröffentlicht: Lebenslange Sperre. Blatter, der seit 1998 das Fifa-System führte, droht wohl das gleiche Strafmaß. Beide werden voraussichtlich noch von den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Zum großen Fifa-Kongress am 26. Februar sollte aber Klarheit herrschen.

Die Namen der beiden prominentesten "Opfer" der Fifa-Krise tauchen in der US-Schrift nicht auf, auch neue Bezüge zur deutschen WM 2006 sind nicht zu finden. "Ich glaube, er (Blatter, d. Red.) ist sich der Natur unserer Vorwürfe sehr bewusst", sagte Lynch: "Ich glaube, er hat sehr viel Zeit damit verbracht, die überholte Anklageschrift zu lesen. Das spricht, denke ich, für sich selbst."

Im Februar müssen die 209 Fifa-Mitgliedsverbände, deren Bosse sich offenbar teilweise eine Reise in die Schweiz nach Zürich gut überlegen sollten, den neuen Fifa-Präsidenten wählen und das am Donnerstag auf den Weg gebrachte Reformpaket verabschieden. Das sieht in den Grundzügen vielversprechend aus (Amtszeitbegrenzung, Gewaltenteilung, Transparenz und Frauenquote) - an vielen Stellen fehlen aber entscheidende Details.

"Auf dem Papier sieht alles sehr gut aus, das große Problem ist aber, dass es im Kongress eine Dreiviertelmehrheit braucht", sagte der ehemalige Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni dem Bayerischen Rundfunk: "Und da kann mancher, der gestern dafür gestimmt hat, hinter den Kulissen wirbeln und dafür sorgen, dass diese Mehrheit nicht zustande kommt."

(sid)
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