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Urteil der Fifa-Ethikkommission
Tag der Entscheidung: Es drohen lange Sperren für "Blattini"

Blatters mögliche Nachfolger
Blatters mögliche Nachfolger FOTO: ap
Zürich/Frankfurt. Für Joseph S. Blatter und Michel Platini fällt am Montag wohl der letzte Vorhang. Die rechtsprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission fällt die Urteile.

An seinem Tag der Wahrheit im Weltfußball geht Joseph S. Blatter noch ein letztes Mal zum Angriff über. Nur ein paar hundert Meter von der Fifa-Zentrale entfernt, am Sonnenberg, will sich der suspendierte Präsident des Fußball-Weltverbands am Montag um 11.00 Uhr der Presse stellen. Seine Karriere wird dann aber wie die des gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini wohl schon vorbei sein. Höchstwahrscheinlich für immer.

Nach Monaten der Ermittlungen verkündet die Spruchkammer der Fifa-Ethikkommission aller Voraussicht nach schon am Morgen das entscheidende Urteil, die Zukunft der beiden einst so mächtigen Funktionäre liegt in den Händen des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert (München). Alles andere als mehrjährige Sperren für Blatter (79) und Platini (60) kämen nach derzeitigem Kenntnisstand einer Sensation gleich. Die Weltfußballer-Wahl im Januar 2016, die Kür des neuen Fifa-Präsidenten im Februar, die Europameisterschaft im Sommer - "Blattini" wären ab sofort ausgeschlossen. Noch wollen das beide nicht wahrhaben.

Nie habe er weder gegen ethische noch juristische Regeln verstoßen, wiederholte Blatter in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig. Und überhaupt, die Ethikkommission sei gar nicht berechtigt, ihn als Präsidenten aus dem Verkehr zu ziehen. "Präsident Blatter freut sich auf ein Urteil zu seinen Gunsten, weil dies die Beweislage erfordert", teilten seine Anwälte nach der Anhörung des Schweizers am vergangenen Donnerstag mit. Über acht Stunden dauerte die Befragung - und sie wird nicht halb so positiv gelaufen sein, wie Blatter das gerne hätte.

Zum Verhängnis wurde beiden die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten hatte. Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Sommer des gleichen Jahres.

"Ich bin schon verurteilt, ich bin schon verdammt", ätzte Platini am Samstag in einer von seinen Anwälten verbreiteten Stellungnahme. Zu seinem Anhörungstermin war der gesperrte Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gar nicht erst erschienen. "Monsieur Platini ist unschuldig", teilten aber seine Rechtsberater mit. Dahinter steckt eine durchschaubare Taktik - die Diskreditierung der Fifa-Richter, um so schnell wie möglich die nächsten Instanzen anrufen zu können.

Für den Franzosen geht es um mehr als für Blatter, der im Endeffekt "nur" um einen sauberen Abschied als Fifa-Boss ringt. Platini will mit aller Macht der neue Fifa-Präsident werden, dafür müsste er aber bis zum 26. Januar 2016 nachträglich als Kandidat registriert werden. Als von der Ethikkommission sanktionierter Funktionär unmöglich. Und die Zeit wird knapp.

Deshalb wird ein für Blatter und Platini negatives Ethik-Urteil am Montag der Auftakt eines Prozessmarathons sein. Als nächste Instanz müssten beiden vor die Fifa-Berufungskommission ziehen, danach stünde der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS auf dem Programm. Der hatte Platinis Einspruch gegen die provisorische 90-Tage-Sperre vom 8. Oktober bereits abgeschmettert. Es sei dadurch kein Schaden für Platini entstanden, hieß es. Nach der Sportgerichtsbarkeit würden ordentliche Gerichte am Zug sein.
Der (Image-)Schaden für die Fifa wäre kaum abzusehen.

Dabei hatte sich der Weltverband in den vergangenen Wochen gut auf die Zeit nach Blatter und Platini vorbereitet. Für die Präsidentschaftswahl am 26. Februar 2016 sind fünf mehr oder weniger sinnvolle Kandidaten gemeldet, ein großes, mehr als weniger sinnvolles Reformpaket soll beschlossen werden, die inhaftierten Fifa-Funktionäre in der Schweiz werden nach und nach an die US-Justiz ausgeliefert.

"Das künftige Wohlergehen der Fifa und die globale Entwicklung des Fußballs verlangen von uns allen einen Mentalitätswandel", schrieben der allerdings fragwürdige Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou und der geschäftsführende Fifa-Generalsekretär Markus Kattner in einem offenen Brief: "In den nächsten Jahren müssen wir weiter hart arbeiten, um das Vertrauen und den Respekt der Fans, Spieler, der kommerziellen Partner und der vielen Millionen Menschen, die den Fußball zum beliebtesten Sport der Welt machen, zurückzugewinnen." Ohne Blatter und Platini scheint das definitiv einfacher.

(ems/sid)
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